Drei Beispiele aus der Landeshauptstadt

Job-Wechsel wegen Corona: Diese Münchner mache neue Karriere in der Krise

Eine Altenpflegerin in Schutzkleidung hält die Hand eines Bewohners. Die Altenpflegerinnen und -pfleger in Deutschland können auf bundesweit einheitliche und in vielen Fällen höhere Bezahlung hoffen
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Eine Altenpflegerin in Schutzkleidung hält die Hand eines Heimbewohners. (Symbolbild)

Früher servierten sie Cocktails, planten Reisen oder kochten in Restaurantküchen – doch Corona hat den Beschäftigten in den besonders von den Schließungen betroffenen Branchen einen Strich durch die Rechnung gemacht: Viele Münchner sind in Kurzarbeit oder haben gar keine Aufgabe mehr. Auf der anderen Seite häufte sich die Arbeit im Gesundheitswesen, bei den Kliniken und in den Pflegeheimen.

Der Münchner Hotel- und Gaststättenverband Dehoga hatte seine Mitglieder dazu aufgerufen, eben dort auszuhelfen. „Wir haben aufbauend auf der positiven Resonanz aus München die Aktion bayernweit ausgedehnt“, sagt ein Sprecher der Dehoga. Wir haben mit drei Menschen gesprochen, die sich wegen der Pandemie eine andere Arbeit suchen mussten. Ein Münchner hat die neue Aufgabe so viel Spaß gemacht, dass er sich gleich zur Pflegekraft umschulen lässt. Hier sind ihre Geschichten.

Vom Kellner zum Pfleger

Matthias Zöpfl schult um: Er will nun in der Pflege arbeiten.

Matthias Zöpfl (37) sagt: „Ich bin gelernter Hotelfachmann und war 20 Jahre in der Gastro. Nach 13 Jahren im Hotel war ich in verschiedenen Restaurants tätig. Zuletzt habe ich im Truderinger Wirtshaus gearbeitet – da allerdings schon Teilzeit, weil meine Mutter sich verletzt hatte und ich ihr helfen wollte. Da hat sich damals vielleicht schon etwas abgezeichnet. Dann kam Corona, und es war ja absehbar, dass die Pandemie nicht so schnell vorbei sein würde. Ich habe dann meinen Vertrag aufgelöst und wollte mich ehrenamtlich engagieren. Aber das ging nicht. Dann kam die München Klinik und hat gesagt, sie stellen mich fest an. Da hatte ich mich schon bei zwei oder drei anderen Adressen beworben. Aber die München Klinik war die erste, die konkret wurde. Zuerst war ich in Neuperlach als freiwilliger Helfer in der Notaufnahme, jetzt mache ich die Ausbildung zum Pflegefachmann. Es fühlt sich einfach total richtig an. Das war auch der Hauptgrund für die Entscheidung. Ich kann sagen, dass sich selten in meinem Leben etwas so richtig und wichtig angefühlt hat.

Von der Gastro zur AWO:

Holger Lange hilft nun bei der AWO aus.

Holger Lange (50) sagt: „Ich bin wegen der Pandemie seit November zu 100 Prozent in Kurzarbeit. Der Sommer war noch okay, im ersten Lockdown haben wir noch ein wenig Essen to go angeboten. Aber das hat sich nicht gerechnet. Und dann habe ich im November angefangen, die Wohnung zu renovieren. Damit war ich im Dezember fertig. Nachdem absehbar war, dass das mit der Kurzarbeit noch länger dauert und die Gastronomie absehbar nicht aufmachen würde, habe ich gesagt: Ich muss etwas tun! Ich wollte aber auch etwas machen, wo ein Sinn dahintersteht. Dann habe ich dem Amt geschrieben, und das hat mir die Adresse gegeben. Ich arbeite jetzt einmal die Woche in der Küche bei der AWO. Es fühlt sich richtig gut an, ich hoffe aber dennoch, dass so um Ostern die Gastro wieder aufmacht.“

Vom Reisebüro zum Impfprofi

Brigitte Kantelberg hilft nun bei der Organisation von Impfungen.

Brigitte Kantelberg (51) sagt: „Ich habe in einem Reisebüro gearbeitet und kümmere mich seit zehn Jahren um die Fortbildungsreisen für die AWO. Nachdem die Mitarbeiter dort wissen, dass ich wegen Corona quasi nichts zu tun hatte, hatten sie mir angeboten, die Planung und Durchführung der Impfungen zu übernehmen. Das war organisatorisch ein ziemlicher Aufwand, weil pro Bewohner vier Zettel auszufüllen waren. Immer, wenn sich auch nur eine Formulierung geändert hat, mussten neue Unterschriften her. Und wenn die Impfteams dann ins Haus kamen, musste auch das mit dem Ablauf der Häuser organisiert werden. Ich bin sehr froh, dass ich da eingebunden bin. Es macht mir sehr viel Spaß. Und ich habe eine Aufgabe. Das Reisebüro ist ja seit März mehr oder weniger zu. Ich war nur mit Stornierungen und Abwicklungen beschäftigt. Damit verdient man natürlich kein Geld.“

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