Großer Abschied für den letzten Kavalier alter Schule

+
Ein Vierteljahrhundert war der Charmeur Johannes Heesters mit seinem „Popje“ (Püppchen)  zusammen, wie er Ehefrau -Simone Rethel gern nannte.

München - An Heiligabend endete das lange und bewegte Leben von Johannes "Jopie" Heesters. Der 108 Jahre alte Schauspieler bekommt nun auf seiner Beerdigung in München einen großen Abschied.

Mehr Informationen zu Jopie Heesters finden Sie hier!

Jetzt  singt Johannes Heesters im Himmel. Der begnadete Operettensänger starb im Alter von 108 Jahren an Heiligabend um 10.15 Uhr im Klinikum Starnberg an den Folgen eines Schlaganfalls. Heesters entschlief friedlich, teilt die Klinik mit. Seine Frau Simone Rethel (62) war bei ihm - wie immer in den vergangenen 25 Jahren. Dank ihr konnte Heesters beinahe bis zu seinem Tod in seinem Haus in Söcking am Starnberger See  leben. Eine Kerze und ein rotes Kreuz am Gartenhaus erinnerten dort am Montag an den verstorbenen  Bühnenstar.

Am Freitag wird Jopie Heesters um 11 Uhr auf dem Nordfriedhof in München beerdigt. „Es wird eine große und öffentliche Beerdigung“, sagte am Montag der Starnberger Bestatter Rudolf Zirngibl. „Damit seine Fans von ihm Abschied nehmen können.“ Die Trauerrede hält der beliebte Starnberger Pfarrer Konrad Schreyegg. Der katholische Geistliche ist zwar schon lange im Ruhestand, doch wird er immer wieder gerufen und angefragt, für freudige Ereignisse wie Hochzeiten und Taufen, aber eben auch für Beerdigungen, so etwa auch für die von Petra Schürmann. Im Hause Heesters war Schreyegg ebenfalls ein gern gesehener Gast; er wird auch bei der Trauerfeier vor der Beisetzung sprechen, die im engsten Freundes- und Familienkreis stattfindet.

Jopie Heesters - sein Leben in Bildern

Jopie Heesters - sein Leben in Bildern

Noch vor zwei Monaten stand Heesters auf der Bühne in der Kleinen Komödie - und beeindruckte, obwohl er blind und beinahe taub war. „Er hat nie besser gesungen als zuletzt“, sagt eine, die es wissen muss, weil sie schon vor 70 Jahren gemeinsam mit Jopie auf der Bühne stand: Die Kammersängerin Sari Barabas (98). Sie sei sehr traurig über den Tod ihres Bühnenpartners und Idols, aber es sei auch eine Erleichterung, weil Heesters zum Schluss doch gebrechlich gewesen sei. „Es ist nicht schön, wenn der Kopf total fit ist, aber der Körper nicht mehr mitmacht“, so Barabas. Da Johannes Heesters für die Bühne gelebt habe, habe sie „eigentlich erwartet, dass er auch auf der Bühne stirbt“. Im Herzen sei sie jetzt bei Simone Rethel, der Johannes Heesters seine letzten schönen Jahre verdanke. Sari Barabas: „Es wird sicher schwer für sie werden, jetzt plötzlich alleine zu sein.“

Aber zunächst gibt es viel zu tun: Am Montag leistete Jopies Enkelin Wisje Herold Beistand, ebenso sein guter Freund Bob Franco. Im Fernsehen lebt der Verstorbene übrigens am kommenden Freitag, dem Tag seiner Beerdigung, wieder auf:  Ab 10.25 Uhr sendet die ARD Géza von Bolvárys Verfilmung der berühmten Johann-Strauß-Operette Die Fledermaus aus dem Jahr 1945.

„Er war ein Phänomen“

Alice Kessler mit Schwester Ellen.

Er war ein „Grandseigneur der leichten Muse“, würdigte Ministerpräsident Horst Seehofer Johannes Heesters. Seine Lebensfreude begeisterte. Zum Beispiel die Kessler-Zwillinge Ellen und Alice (76). So traurig es sei, selbst im Tod sei Jopie romantisch: „Das Christkind kommt, und Jopie geht“, sagte Ellen Kessler am Montag zur tz. Für sie war Heesters ein Idol.
„In dem Alter noch auf der Bühne zu stehen, das ist ein Phänomen“, sagte sie. Zuletzt singen gesehen hat sie Heesters heuer am 14. Mai beim Geburtstag von Ursula Pscherer (70), Witwe des Kammerspiel-Intendaten Kurt Pscherer († 84). „Danach trank er mit uns noch zwei Whisky“, erzählt Pscherer. Nach Hause fuhr Jopie an diesem Abend erst um 24.30 Uhr. Sprühend vor Lebensfreude, und so werde sie ihn in Erinnerung behalten.

Carolin Reiber sah Heesters in den 50er-Jahren zum ersten Mal auf der Bühne -- und störte sich an seiner rauchigen Stimme. „Singen kann der nicht“, habe sie zu ihrer Großmutter gesagt, „aber in Sachen Charme war er eine Wucht. Und das bis zuletzt!“

Susanne Sasse/SVS

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag

Kommentare