Die Abrechnung des Häufel-Königs

Neuer Eklat um SPD-Stadtrat

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Dr. Josef Assal rechnete am Mittwoch im Stadtrat ab.

München - Neuer Ärger für die SPD im Rathaus: Jetzt rechnet der Häufel-König Josef Assal im Stadtrat nicht nur mit CSU und Grünen ab, sondern vor allem mit der eigenen Partei.

Er droht gegenüber der tz sogar mit dem Austritt aus seiner Fraktion! Da sucht die SPD händeringend nach ihrem Wahl-Debakel nach einer Mehrheit – und dann geht auch noch in eigener Stadtrat von der Stange!

Gestern kam es im Großen Sitzungssaal zum Eklat: Assal arbeitet als Chirurg im Schwabinger Klinikum und als Leitender Feuerwehrnotarzt. Er taucht mit Verspätung in voller Einsatzmontur im Rathaus auf, weil er im Dienst sei. Bei der Klinik-Debatte ergreift er das Wort und bedankt sich erst bei den Wählern, die ihn von SPD-Listenplatz 51 auf den letzten SPD-Stadtratssitz mit der Nummer 25 kreuzelten – „bestimmt alle aus den städtischen Kliniken“, für die sich Assal massiv und gegen seine Parteilinie einsetzt.

Dann holt der Doktor aus: CSU-Mann Josef Schmid und sein Büro hätten mit einer „Rufmord-Kampagne“ dafür gesorgt, dass er vier Monate in die Kurklinik musste! Da greift OB Christian Ude (SPD) ein und ruft den Stadtrat zur Ordnung: „Das ist eine ehrenrührige Unterstellung.“ Doch Assal macht weiter und watscht reihum ab: Keiner im Stadtrat habe Ahnungen von den Kliniken – bis auf einzelne Mediziner und Pfleger. Selbst bei der grünen Koalitionsfreundin Lydia Dietrich, die jahrelang als Krankenschwester arbeitete, unter anderem in Harlaching und im Rechts der Isar, sagte er: Er sei unsicher, ob sie wirklich Krankenschwester sei! Die sagte der tz: „Die SPD muss ihn wieder einfangen.“

Schon aus eigenem Interesse: Denn auf Nachfrage ging Assal noch weiter. „Wenn der alte Fraktionsvorstand bleibt, werde ich mich von der Fraktion trennen“, sagte er der tz. Die Führung sei „intrigant, arrogant, ignorant“. So sei er zum Beispiel daran gehindert worden, die Aufrüstung mit lebensrettenden Defibrillatoren in der Stadt im Rathaus als Erfolg zu benennen.

Zudem habe er nach mehreren gegen ihn gerichtete CSU-Pressemitteilungen Morddrohungen erhalten. Auch deswegen habe er vergangenen Sommer bei einem Straßenfest eine Sau gegrillt, auf die „Stadtrat“ gepinselt war – was auch der OB als Polit-Schweinerei empfand. Jetzt sagt Ude der tz: „Er hat eine erkennbare Krisensituation.“ Er hoffe, dass Assal diese überwinde.

Die SPD hatte ihn im Herbst dennoch wieder auf die Stadtratsliste genommen, die Wähler haben ihn ins Rathaus gebracht. Assal kündigt an, nun von seiner „Narrenfreiheit“ noch öfter Gebrauch zu machen.

David Costanzo

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