CSU prüft neue Kandidaten

Nach Referentenpleite: Was nun, Herr Schmid?

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Josef Schmid.

München - Erst mal Luft holen und dann weiterschauen. So lautete am Donnerstag das Motto aller Beteiligten nach der Schlappe von Bürgermeister Josef Schmid und der Rathaus-CSU, die sie mit ihrem Kandidaten für das Amt des Gesundheitsreferenten erlitten hatten.

Wie die tz berichtete, zog sich Markus Hollemann, der amtierende Bürgermeister der Gemeinde Denzlingen bei Freiburg, von seiner Kandidatur zurück, nachdem Schmid und die Rathaus-CSU ihn dazu überredet hatten. Grund waren die Mitgliedschaften des ÖDP-Politikers in der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) und der Christian Solidarity International (CSI) Deutschland. Die Mitglieder der Organisationen gelten als radikale Abtreibungsgegner bzw. stehen im Ruf, sehr pauschal den Islam zu verurteilen. Schmid und sein Team hatten übersehen, dass Hollemann die Mitgliedschaften auf seiner Homepage nannte.

Wie es nun weiter geht? Neun Kandidaten hatten sich vorgestellt, vier von ihnen waren in die Auswahl der CSU gekommen. Schmid: „Es gibt mehrere geeignete Bewerber.“ Ob es nun einer von ihnen wird? Schmid wollte nicht der Fraktion vorgreifen, die am Montag über das weitere Prozedere beraten will. Gut möglich, dass die Stelle des Gesundheitsreferenten neu ausgeschrieben wird.

Doch wieso hat niemand die politisch in München untragbaren Mitgliedschaften von Holleman entdeckt? Münchens CSU-Chef Ludwig Spaenle meint: „Wir sind doch bei der CSU und nicht bei der NSA.“ Spaenle will Schmid, der die Verantwortung für die Schlappe übernimmt, übrigens keine Vorwürfe machen: „Es war richtig, bei der Auswahl auf die Qualifikation des Kandidaten zu achten und nicht auf das Parteibuch. Es war genauso richtig, die Personalie nach Bekanntwerden der Mitgliedschaften nicht durchzusetzen.“

Eines hat sich Schmid vorgenommen: „Wir werden nun versuchen das gesellschaftliche Umfeld der Kandidaten in Zukunft zu ergründen, wir werden uns die Leute genau anschauen.“ Am 4. März soll nun die Referentenwahl stattfinden.

Johannes Welte

Rückkehr in die Provinz

Markus Hollemann.

Wie geht es jetzt weiter mit Markus Hollemann? Er kehrte am Donnerstag erst einmal in seine 13 363 Einwohner zählende badische Gemeinde am Rand des Schwarzwaldes zurück. „Es wird schwer für ihn, jetzt wieder als Bürgermeister weiterzumachen,“ prophezeit Silke Höfflin, die Grünen-Fraktionssprecherin im Gemeinderat. „Er tat sich schon die ganze Zeit schwer, ich halte ihn ohnehin nicht für besonders kompetent …“ Die Badische Zeitung wundert sich: „So agiert kein Kommunikationsprofi und auch kein Politiker von Format.“ Hollemann war am Donnerstag nicht zu erreichen. Und die Erklärung, die er auf seiner Internet-Seite angekündigt hatte, lag bis Redaktionsschluss nicht vor. Hollemann war vor fünf Jahren als Nachfolger des verstorbenen Bürgermeisters gewählt worden. Der Bürgermeister einer Nachbargemeinde soll ihn überredet haben, als Oberhaupt der Gemeinde zu kandidieren.

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