Milliardenschweres Verkehrsprojekt

So stellt sich Schmid die neue U-Bahn vor

+
Josef Schmids Konzept führt zu höheren Fahrpreisen - warnt die MVG.

München - Viel hat er noch nicht von seinem Wahlprogramm verraten, doch beim Dreikönigstreffen der CSU ist OB-Kandidat Josef Schmid  konkret geworden - beim Thema U-Bahn-Bau:

 „Unser Plan ist ein groß angelegtes U-Bahn-Konzept“, versprach Schmid da - mit vier neuen Trassen im Untergrund! Milliarden-Traum oder finanzierbarer Plan? Die MVG warnt vor teureren Tickets...

Im Osten will Schmid die U4 in Englschalking an die S-Bahn anschließen und weiter in das neue Viertel im Nordosten führen. So steht es zwar schon im Nahverkehrsplan der Stadt, ersatzweise ist aber eine Tram vorgesehen. „Seit zehn Jahren wird diskutiert, nichts geht voran!“

So sehen die Pläne von Schmid aus (VERGRÖßERUNG).

Im Westen will der CSU-Fraktionschef die U5 nicht nur zum S-Bahnhof Pasing, sondern bis Freiham fahren lassen - obwohl erst im September ein S-Bahnhof eröffnet wurde. Die Stadt plant eine Tram durchs Viertel. Denn allein die Kosten für die 3,5 Kilometer Tunnel nach Pasing werden grob auf 200 bis 250 Millionen Euro taxiert. Das ergibt leicht 60 Millionen Euro pro Kilometer. Schmids Konzept sieht geschätzte 22 Kilometer vor - 1,3 Milliarden Euro! Dazu kommt die Verbindung von U2 und U6 zwischen Am Hart und Kieferngarten oder Fröttmaning, die 2008 schon auf ihre Wirtschaftlichkeit untersucht wurde und unterirdisch abschnitt. Sie kostet also mehr, als sie bringt. Das gleiche gilt für die Verlängerung der U3 von Moosach über Allach, Unter- oder Obermenzing bis Pasing. Schmids Vision: „Wir werden die sternförmige S-Bahn mit einem großstädtischen Ringsystem ergänzen.“ Die schlechte Bewertung stört ihn nicht: „Es ist für die Stadt auch von Nutzen, wenn nicht die Autos die Straßen verstopfen.“

Das Gehirn des Münchner Verkehrs: Einblick in die Leitzentrale

Das Gehirn des Münchner Verkehrs: Einblick in die Leitzentrale

Er glaubt die Trassen auch finanzieren zu können: In den vergangenen sieben Jahren habe die Stadt rund sieben Milliarden Euro in neue Projekte und Schuldenabbau gesteckt. Da sei künftig auch jeweils eine Milliarde für Schulhaus-Sanierungen und neue Auto-Tunnels drin. Allein gegen diesen „Tunneltraum“ hatte SPD-Kandidat Dieter Reiter an Dreikönig gepoltert: „Da werden Überschüsse, die der rote Kämmerer erwirtschaftet, fröhlich zum Fenster rausgeschmissen!“ Bei der U-Bahn will Reiter die U4 im Osten und die U5 bis Pasing ausbauen. Dazu soll die U9 von Sendling über Hauptbahnhof und Pinakotheken kommen.

Die MVG zeigt sich skeptisch zu Schmids Plan: Die Bewertungen seien schlecht ausgefallen, weil der Stadtrand etwa in Allach und Obermenzing weniger dicht besiedelt sei. Sprich: Dort leben zu wenig Passagiere. Außerdem lösten neue Linien hohen Folgekosten aus. „U-Bahnen an der falschen Stelle zu planen, ist in Wahrheit ein Programm zur Fahrpreisexplosion“, warnt ein Sprecher. Wenn die U-Bahn in der Innenstadt aus allen Nähten platze, nütze es niemandem, neue Trassen am Stadtrand zu bauen.

David Costanzo

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare