Journalistin gibt fünf Tipps

Ratgeber: So verarbeiten Sie Traumata am besten

+
Michaela Haas gibt fünf Tipps ab.

München - Wenn der Tod plötzlich kommt, junge oder gesunde Menschen aus dem Leben reißt, ist dies oft mit Traumata für die Hinterbliebenen verbunden. Die tz gibt fünf Tipps, wie Sie gestärkt daraus hinausgehen.

Buchtitel: "Stark wie ein Phönix"

„Für meinen Großvater und alle, die wie er Krücken als Sprungfedern benützen.“ Mit dieser Widmung beginnt die Journalistin Michaela Haas ihr neues Buch Stark wie ein Phönix. Wie der mythische Vogel, der zu Asche verbrennt und aus einem Funken wiederaufersteht, beschreibt die 45-Jährige in zwölf Porträts eindrucksvolle Persönlichkeiten, die schwere Schicksalsschläge verkraften mussten. Wie sie diese Krisen und Traumata gemeistert haben und viele von ihnen sogar gestärkt daraus herausgegangen sind. „Diese Fähigkeiten stecken in uns allen!“, glaubt Haas, weil sie das buchstäblich am eigenen Leib erfahren hat. Es läuft prima für die junge Frau aus Erding. Sie schafft es zur Seite 3-Schreiberin bei der Süddeutschen Zeitung, moderiert im BR die Kult-Sendung Live aus dem Alabama. Als sie mit 27 für ein Jahr nach Nepal und Indien geht, zwingt sie ein ominöser, erst spät in ihr entdeckter Virus in die Knie. Sie verliert alle Kraft, Laufen und bloßes Wachbleiben fallen ihr schwer. Haas, die Aufsteigerin und Überfliegerin, wird zur Fremden im eigenen Körper, der ihr plötzlich nicht mehr gehorcht.

„Ich war wie gelähmt. Als ich wieder zurück in Europa war, wurde an schlechten Tagen der Weg zum Supermarkt zu einer Herkulesaufgabe.“ Sie verliert in dieser Phase zudem ihren Mann, der das Weite gesucht und sie betrogen hat. „Doch irgendwann habe ich gespürt: Aufgeben ist nicht!“ Haas kämpft sich wieder nach oben, weil sie sich schwört: „Mein Schmerz hat auf Dauer nicht das Recht, mein Leben aufzufressen!“ Es geht aufwärts – und dieser Prozess macht diese Frau zu einem anderen Menschen. Heute lebt sie nach buddhistischen Regeln, coacht Führungskräfte, lebt die Hälfte des Jahres in ihrem Heimatort bei Erding und die andere bei ihrem Partner in Malibu. Stärke und neuer Lebenssinn: So wie ihr selbst, erging es auch den Protagonisten in ihrem „Mutmach-Buch“: etwa einer vergewaltigten Armee-Ärztin im Irak, dem Auschwitz-Überlebenden und Jazzmusiker Coco Schumann oder einem Surfer, dem eine Welle das Genick brach und der heute wieder mit dem Brett aufs Wasser geht. Für die tz hat Haas zusammengefasst, wie durch richtige Unterstützung und passende Methoden Traumata überwunden und sogar für neuen Aufwind sorgen können.

So werden Sie stärker

1. Stoppen Sie die Blutung! Trauma bedeutet ja wörtlich „Wunde“. Das allerschlimmste, was wir mit traumatischen Erfahrungen machen können, ist, sie zu verdrängen. Der erste wichtige Schritt ist, die Wunde zu versorgen.

2. Suchen Sie Unterstützung! Niemand schafft es alleine. Wir sind nur so stark wie unser Sicherungsnetz. Selbst wenn wir keine empathischen Freunde und Familienmitglieder um uns haben oder wenn wir zu krank sind, um das Haus zu verlassen, können wir uns Hilfe suchen: einen erfahrenen Therapeuten, Selbsthilfegruppen oder Glaubensgemeinschaften.

3. Integrieren Sie das Ereignis in Ihre Lebensgeschichte! Irgendwann müssen wir das traumatische Ereignis in unsere eigene Lebensgeschichte integrieren. Das kann bedeuten, den Lebensentwurf umzuschreiben. Manche Therapeuten empfehlen, dass wir buchstäblich unsere Geschichte umschreiben, indem wir uns einem Tagebuch anvertrauen. Aber ausschlaggebend ist nicht das, was auf dem Papier passiert, sondern in unseren Herzen und Köpfen.

4. Geben Sie nicht auf! Wenn wir verfahrene Situationen als vorübergehend und beeinflussbar wahrnehmen, überwinden wir sie wesentlich schneller. Dies ist mehr als Wunschdenken: Wir erfüllen buchstäblich unsere eigene Prophezeiung. Eine positive Einstellung hat sogar messbaren Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkte und Sterblichkeit. Die Vorteile ziehen wir allerdings aus realistischem Optimismus, nicht aus Tagträumereien oder dem Ignorieren von Risiken.

5. Öffnen Sie Ihr Herz für andere! Schmerz bohrt unser Herz auf. Dadurch kann uns Leid ehrlicher, echter und mitfühlender werden lassen, vor allem anderen gegenüber, denen es nicht gut geht. Realistischer Optimismus, offene Kommunikation, Flexibilität, effektive Problemlösung und die Fähigkeit, auch unter Druck ruhig und präsent zu bleiben, sind weitere hilfreiche Strategien, die wir trainieren können.

S. Dorner

Auch interessant

Meistgelesen

U-Bahn-Attacke: Kolumbianische Studenten von Trio verprügelt
U-Bahn-Attacke: Kolumbianische Studenten von Trio verprügelt
Nach Hunde-Attacke: Jetzt spricht die Mutter von Isabelle (6)
Nach Hunde-Attacke: Jetzt spricht die Mutter von Isabelle (6)
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Ex-Tramfahrer packt aus: Münchner Fahrgäste sind verwöhnt
Ex-Tramfahrer packt aus: Münchner Fahrgäste sind verwöhnt

Kommentare