Bon Jovissimo: So war die Show im Olympiastadion

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Der Leadsnger Jon Bon Jovi freute sich "wieder da zu sein"

München - Mit einem furiosen Auftakt startete am Freitagabend die Deutschland-Tournee der US-Band Bon Jovi in Dresden: Am Sonntagabend bei ihrem zweiten Halt rockten fast 70.000 Fans das Münchner Olympiastadion.

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Als beim schwäbischen Weltklasseläufer Dieter Baumann einst das Dopingmittel Nandrolon nachgewiesen wurde, da vermutete er die bösen Aufputschmittel in der Zahnpasta. Ob da doch was dran ist? Schließlich weist Jon Bon Jovi im rappelvollen Olympiastadion ähnliche Symptome auf: Er ist fit, topfit, scheint nach zwei Stunden erst so richtig warmzulaufen. Zudem: Sein Lächeln im lupenrein faltenlosen Gesicht reicht von der Ost- zur Westküste und ist so perlend weiß, dass jeder Zahnarzt eben jene Farbe annehmen würde. Ein weithin strahlendes Wut-Weiß.

Bon Jovi im Olympiastadion

Bon Jovi im Olympiastadion

Freuden-Rot hingegen der Teint der geschätzten 70.000. Ja, Jon ist mehr als Bon, er ist Bonissimo. Und Bon Jovi geben zuverlässig die ehrlichen Arbeiter im Weinberg der Rockmusik. Da mag nicht jede Traube gleich aromatisch sein, aber insgesamt ein ebenso wohlschmeckender wie spendabler Jahrgang. Drei Stunden (!) Süffiges mit Schmackes.

Wir werfen für Sie einen Blick auf die Stadionuhr. Es ist halb neun abends, und das Keyboard intoniert Runaway. Der Chef darf selbst das Solo spielen, erste Ekstase im Oval. Das Dopingmittel wirkt. Und ganz besonders, weil Richie Sambora nach Burnout und Alkohol-Problemen wieder mitmacht. Und wie! Er scheint seine Gitarre ebenso vermisst zu haben wie die Fans ihn. Bei Blaze of Glory meint man, er spiele um sein Leben. Da weinen die Mainstream-Melodien, dass es keinen kalt lässt. Und weil Bon Jovi ebenso sympathisch wie bescheiden rüberkommen, leisten sie es sich, in Bad Medicine unter anderem die Scorpions einzubauen. Und das Stadion singt Rock You Like A Hurricane. Respekt!

Das jüngste Album ist zum Glück ein Best-of. Warum zum Glück? Weil Bon Jovi einen Haufen alter Welthits servieren. Unser Highlight ging erst über die Bühne, wenn viele Stars schon ausgepowert auf der Massagebank flacken oder unter der heißen Dusche stehen: Nach rund zweieinhalb Stunden servierte die Band, die bisher über 130 Millionen Alben verkauft hat, hintereinander Keep the Faith, Dry County und Wanted Dead or Alive. Immer am Anschlag. Genuss und Gefühl sind gewaltig. Die Jovi-Maschine läuft auf Hochtouren, dabei rund und harmonisch wie ein Ford Mustang auf dem Highway nach New Jersey. Auf dem Highway ist die Hölle los.

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Was Bon Jovi adelt: Auch die Hits, die für echte Rocker eher – nun ja – gewöhnungsbedürftig sind, haben Live-Drive. Bestes Beispiel: Bed of Roses. Da steht Jon im Publikum auf der Rampe und singt mit einer Inbrunst, dass sich die gefühlte Kaufkraft des deutschen Blumenhandels vervielfacht. Und wenn die glorreichen Vier der Band mit nach vorne kommen – Akkordeon, Gitarre, Rhythmusgitarre, Schlagzeug –, dann haben wir bei Bells of Freedom genau dies: große Freiheit und Harmoniegesang, dass einem die Ohren klingeln.

Bon Jovi sind und bleiben die Könige des Mainstream-Rock. Ein süffiger Tropfen. Zum Schluss lächeln die Fans so breit wie unter Dauer-Doping: von der Ost- zur Westküste.

Matthias Bieber

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