Kritik an Vergabepraxis

Jugendamt: Weiter Zoff um den Chefposten

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Alexander Dietrich (CSU),Personalreferent derStadt München.  

Am heutigen Dienstag stellt sich die Kandidatin für die Spitzenposition im Jugendamt vor. Zu der Gelegenheit erneuern die Sozialverbände erneuern ihre Kritik an der Vorgehensweise der Stadt. 

München - Kurz vor der Neubesetzung des Jugendamt-Chefpostens erneuern die Sozialverbände ihre Kritik an der Vorgehensweise der Stadt. Das Verfahren sei „schlicht nicht befriedigend“, sagt der Münchner Caritas-Chef Norbert Huber, der auch Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände ist. „Wenn bei einem Auswahlverfahren nur eine Person zur Auswahl steht, sehe ich unsere Rechte ausgehöhlt.“

Unter Vorsitz des Personalreferenten Alexander Dietrich (CSU) und unter Beteiligung von Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) hatte eine verwaltungsinterne Runde alle Kandidaten abgelehnt – bis auf eine. Die Psychologin soll sich am heutigen Dienstag nichtöffentlich im Kinder- und Jugendhilfeausschuss vorstellen.

Stadträte und Verbände kritisieren das Verfahren 

Das Auswahlverfahren wird von einigen Stadträten und vor allem von den Sozialverbänden kritisiert. Hintergrund:Durch die Vorauswahl des internen Zirkels war auch Verbands-Wunschkandidat Christian Müller (SPD) durch das Raster gefallen.  Auf vielfachen Wunsch sollten also alle Kandidaten in die heutige Vorstellungsrunde eingeladen werden. Das hätte der Ältestenrat entscheiden können, der allerdings hielt sich zurück. Es gab rechtliche Bedenken.

Schier endloser Verwaltungsakt

Eine Entscheidung soll es aber auch heute noch nicht geben, nur eine Vorstellungsrunde. Stimmt der Ausschuss mit Ja, wird Personalreferent Dietrich eine Vorlage ausarbeiten, die dann nochmals in der Sitzung des Kinder- und Jugendhilfeausschusses vorgelegt wird, dann im Personalausschuss und schließlich in der Vollversammlung.

„Wir fragen uns schon, ob hier langsam Verwaltungsakte wichtiger sind als eine Entscheidung“, schimpft Huber. Früher habe der Ausschuss nach der Vorstellungsrunde direkt seine Empfehlung an die Vollversammlung abgegeben. Der enorme Aufwand sei dem Sozialgesetzbuch geschuldet, sagt Dietrich. „Das Anhörungsrecht des Ausschusses wird vollumfänglich gewahrt.“ Die Entscheidung über die Besetzung der Jugendamtsleitung aber treffe alleine die Vollversammlung nach entsprechender Vorberatung im Verwaltungs- und Personalausschuss.

Chefsessel seit zweieinhalb Jahren unbesetzt

Gerüchten, wonach die übrig gebliebene Kandidatin die notwendigen Qualifikationen nicht mitbringen soll, tritt Dietrich entgegen. „Die von der Vorstellungskommission vorgeschlagene Kandidatin verfügt über mehrjährige einschlägige Berufserfahrung und langjährige Führungserfahrungen in großen Organisationen. Wäre dies nicht so, hätte sie gar nicht erst zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden dürfen.“

Der Chefsessel des größten kommunalen Jugendamts in Deutschland ist seit mittlerweile zweieinhalb Jahren nicht besetzt. 

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