Drei Jahre Knast für den Serientäter

Jugendliche fangen rabiaten Ganoven

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Lob von der Polizei (v. l.): Joy (13), Peter (13), Deniz (13), Haidar (12), Christian (18), Stephan (14) und Nadine (13).

Außer Stehlen hat Ionita L. (37) nicht viel gelernt. Seinen Beruf gibt er mit Landarbeiter an, aber damit verdiene er in seiner rumänischen Heimat gerade mal 100 Euro monatlich, erzählte er am Montag vor dem Landgericht.

Also geht er lieber Klauen. Doch am 11. Dezember 2007, als er gerade mal wieder in München unterwegs war, geriet er an die Falschen: Sieben Kinder und Jugendliche stellten den Ganoven, obwohl dieser mit einem großen Holzprügel um sich schlug!

Vor einem Supermarkt an der Volpinistraße (Gern) hatte Ionita L. einen 68-jährigen Rentner gebeten, ein Zwei-Euro-Stück zu wechseln. Der Täter veranstaltete ein Verwirrspiel, wirbelte mit einem Stadtplan von Graz herum und – schwupp – zog er einen Geldschein aus der Börse des Rentners. Es waren zwar nur 20 Euro, die der Rentner vermisste. Das ließ er sich nicht gefallen. Er lief dem Trickdieb hinterher, doch der war schneller.

Eine Gruppe Jugendlicher nahm sofort die Verfolgung mit auf. Sie riefen per Handy die Polizei. Die 13-jährige Joy hatte den Täter kurz vor dem Wintrichring eingeholt. Doch der Täter stieß sie einfach zur Seite, das Mädchen prallte gegen ein geparktes Auto.

Bei der weiteren Verfolgungsjagd tat der Täter so, als hätte er eine Pistole in der Tasche. Er rief laut: „Peng, peng!“ Was die Jugendlichen jedoch nicht einschüchterte. Am Krankenhaus Dritter Orden zog der Dieb einen dicken Holzprügel aus einem Gebüsch und ging damit auf seine Verfolger los. Stephan B. (14) und Christian S. (18) ließen sich davon aber nicht beirren und stellten sich dem Ganoven in den Weg. Dieser holte plötzlich mit seinem Prügel aus, die Jungs gingen hinter einem Baum in Deckung. So traf der Schlag den Baum, der Holzknüppel zerbrach, das Bruchstück flog nur knapp am Kopf der damals 12-jährigen Haidar vorbei.

Als die Polizei eintraf, tischte Inonita L. den Beamten eine Lügenstory auf: „Die Jugendlichen haben mich überfallen!“ Vor dem Landgericht legte er gestern doch ein volles Geständnis ab. Angesichts seiner sieben Vorstrafen (über zehn Jahre Knast) hätte ihm wohl auch keiner geglaubt. Das Urteil: drei Jahre Gefängnis! Eine offene Bewährung über ein Jahr Knast wird er wohl auch noch absitzen müssen. Vorsitzender Richter Reinhold Baier lobte den „heldenhaften Einsatz“ der jungen Leute: „Ohne sie hätte der Täter nicht dingfest gemacht werden können.“

Eberhard Unfried

Quelle: tz

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