Jugendstrafkammer prüft nachträgliche Sicherungsverwahrung

München - Erneut muss eine Jugendstrafkammer des Münchner Landgerichts einen Fall von nachträglicher Sicherungsverwahrung prüfen. Der Betroffene hatte im Februar 2002 zwei Mordversuche an einem Taxifahrer und einer Passantin verübt.

Seine Jugendstrafe von neuneinhalb Jahren war im August dieses Jahres abgelaufen, seither sitzt der inzwischen 30-Jährige auf Antrag der Staatsanwaltschaft in vorläufiger Unterbringung.

Nach dem Willen der Strafverfolgungsbehörde soll gegen den Betroffenen wegen andauernder Gefährlichkeit die nachträgliche Sicherungsverwahrung ausgesprochen werden. Begründet wurde der Antrag mit “Vorfällen in der Haftanstalt“. Bei einem Streit mit Mitgefangenen in seiner Zelle habe der 30-Jährige mit einer abgebrochenen Flasche gedroht, ein Verfahren deswegen wurde allerdings eingestellt. Seine Verbrechen habe der Mann nie bereut.

Initiator des Raubüberfalls von 2002 war ein zu acht Jahren Haft verurteilter 16 Jahre alter Komplize. Beide beschlossen laut dem damaligen Urteil den Tod Taxifahrers, der Ältere fügte dem Opfer mit einem Samurai-Messer mehrere Schnitte zu, von denen einer die Halsschlagader nur knapp verfehlte. Auf der Flucht nahm der heute 30-Jährige eine Frau als Geisel und stieß ihr das Messer in den Bauch. Das Opfer überlebte nach einer Notoperation.

Vor Gericht beteuerte der 30-Jährige am Montag, dass er seine Taten bereue. Er sei damals ein Spieler und zur Tatzeit verschuldet gewesen. Auch habe er sehr viel getrunken. “Ich möchte nie wieder Alkohol trinken und nie wieder spielen.“ Er habe sich bei den Opfern schriftlich entschuldigen wollen, aber mangels ausreichender Deutschkenntnisse nicht die richtigen Worte gefunden, sagte er. Das Gericht will sich fünf Tage Zeit für die Prüfung des Antrags auf nachträgliche Sicherungsverwahrung nehmen.

dpa

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