Sex-Täter Ibil B. vor Gericht

Juliane E. schildert der tz ihre Vergewaltigung

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Sex-Verbrecher Ibil B. (38, kleines Foto) hat Juliane E. (29, Name geändert) am 2. August 2012 bei dieser Bushaltestelle in der Carl-Wery-Straße vergewaltigt.

München - Sex-Verbrecher Ibil B. (38) hat Juliane E. (29, Name geändert) am 2. August 2012 an der Carl-Wery-Straße vergewaltigt. In der tz schildert das Opfer des Sex-Täters den brutalen Überfall.

Vor Gericht musste Juliane E. den schrecklichsten Moment ihres Lebens schildern: Wie der Sex-Verbrecher Ibil B. ihr am 2. August 2012 während eines heftigen Gewitters vom U-Bahnhof Neuperlach-Süd folgt, wie er über sie in der Carl-Wery-Straße herfällt, wie er sie würgt, sie ins Gebüsch zerrt.

Ihr Anwalt Dr. Oliver Schreiber konnte zwar beim Prozess den Ausschluss der Öffentlichkeit erwirken, die Begegnung mit dem Angeklagten konnte er nicht verhindern. Schreiber: „Leider Gottes ist es die Regel, dass die Opfer aussagen müssen.“

Das Urteil gegen Ibil B. wird am 16. Juli gesprochen. Wahrscheinlich wird der Angeklagte, der einen Tag vor dem Überfall auf Juliane E. eine andere Frau im Aufzug vergewaltigt hatte, in die Psychiatrie eingewiesen. In der tz beschreibt Juliane E. ihre Gefühle: die Hölle aus Angst, Panik und Schuld.

Vergewaltigungs-Opfer Juliane E. erinnert sich

"Was während der Tat in einem vorgeht, ist wohl am schwersten zu beschreiben. Am treffendsten würde ich es als ,Überlebensinstinkt’ bezeichnen. Die Machtlosigkeit und Ausweglosigkeit der Situation machen rationales Denken unmöglich. In dem Moment habe ich mich heftigst zur Wehr gesetzt, aus reinem Instinkt heraus. Hielt mein Mobiltelefon fest umklammert, weil ich glaubte dadurch, in einem seinerseits unachtsamen Moment um Hilfe rufen zu können. Meine eigenen Hilferufe habe ich gar nicht gehört, oder als solche wahrgenommen. Es hat mich sogar zunächst erstaunt, dass einige Minuten später Anwohner von ihren Balkonen zum mir hinunter riefen, ,Alles okay da unten?’

Natürlich macht man sich im Vorfeld Gedanken, wie man in so einer Situation handeln würde. Man liest und hört immer wieder in den Medien davon und glaubt, aufgeklärt zu sein. Am Ende bleibt doch nur ein tiefer Urinstinkt, der mir die Kraft verlieh zu kämpfen und das alles nicht einfach über mich ergehen zu lassen.

Nach der Tat beginnt ein irrsinniger Organisationswahn. Man hat Angst sich in der Öffentlichkeit zu bewegen, vor fremden Menschen, vor der Dunkelheit. Man fängt an seinen Tag zu planen um diese Angst nicht empfinden zu müssen, dem Täter nicht die Genugtuung zu verleihen, dass er so nachhaltig in das eigene Leben eingegriffen hat.

Panik auf dem Marienplatz

Eine Woche danach hat mich ein Schausteller auf dem Marienplatz angesprochen, ich geriet so sehr in Panik, dass ich den Mann vor allen Zuschauern laut angeschrien habe, was ihm wohl einfiele mich so zu erschrecken. Natürlich wird es mit der Zeit leichter solchen Situationen zu begegnen, die Leichtigkeit an sich wird wohl nie mehr zurückkehren.

Eine Tatsache, die nicht oft genug wiederholt werden kann ist, dass ein Opfer niemals verantwortlich ist für eine solche Tat. Denn bizarrerweise fühlt man sich hinterher tatsächlich schuldig, was mir vorher nie nachvollziehbar war.

Das Wörtchen „wenn“ gewinnt an großer Bedeutung. Wenn ich nicht das Kleid getragen hätte, wenn ich mich abholen lassen hätte, wenn... Dann wäre das alles nicht passiert"

Aufgezeichnet: Eberhard Unfried

 

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