Umbau von Wehren nötig?

14-Jähriger stirbt in Münchner Isar - Verbände fordern: „Tödliche Gefahrenstellen müssen weg“

Klaus Bäumler vom Münchner Forum steht vor dem Querbauwerk an der Marienklause.
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Eine Umbau des Querbauwerks an der Marienklause fordert Klaus Bäumler vom Münchner Forum.

Der Bub hatte keine Chance: Vor kurzem starb ein 14-Jähriger, als er an der Marienklause einen Ball aus dem Wasser holen wollte. Zwei Verbände fordern nun einen Umbau der Querbauwerke.

München - Es war ein tragischer Unfall: Im August verunglückte ein 14-Jähriger an der Marienklause, als er einen Ball aus der Isar holen wollte. Der Bub geriet in die Wasserwalze und konnte später nur noch tot geborgen werden. An der Stelle ist es schon öfter zu gefährlichen Situationen gekommen. Auch die Mutter hat vor der Gefahr gewarnt: „Mein Sohn hat einen zu hohen Preis gezahlt“, sagte sie. Jetzt fordern das Münchner Forum und der Bayerische Kanu-Verband einen Umbau der Querbauwerke an der Marienklause und auch im Bereich der Wehranlage Großhesselohe.

„Die tödlichen Gefahrenstellen müssen ausgemerzt werden“, sagt Klaus Bäumler vom Münchner Forum. Er schlägt vor, raue Rampen oder Sohlrampen zu errichten. „Das Wasser stürzt nicht mehr senkrecht nach unten“, erklärt er. „Durch eine schiefe Ebene wird die Walzenbildung verhindert.“

München: Neue Rampen für die Isar? Angeblich auch ökologisch sinnvoll

Für eine derartige Lösung setzt sich auch der Bayerische Kanu-Verband ein. „Tödliche Unfälle an Rampen gibt es eigentlich nicht“, sagt Stefan Schmidt, Ressort-Leiter für den Bereich Umwelt und Gewässer. „Aber bei der jetzigen Variante haben Leute, die in den Strudel geraten, kaum eine Chance.“ Auch ökologisch seien Rampen mit Bruchsteinen sinnvoll. „Naturnah gestaltete Rampen sehen auch sehr schön aus“, findet er.

Hinzu käme für Kanu- und Bootfahrer ein weiterer Vorteil: „Die Isar könnte ab Baierbrunn bis zur Thalkirchner Brücke befahrbar sein“, erklärt Kanu-Verbandspräsident Oliver Bungers. Derzeit ist das nicht möglich: „Unsere Mitglieder wissen das“, betont Bungers. „Aber es gibt immer wieder Leute, die sich ein Schlauchboot kaufen und einfach losfahren.“ Zuletzt warnte das Landratsamt München und erklärte die Regeln fürs Bootfahren auf der Isar*.

Aus der Sicht des städtischen Referats für Klima- und Umweltschutz spräche grundsätzlich nichts gegen die Errichtung einer rauen Rampe oder einer Sohlrampe. „Aufgrund des ökologischen Nutzens und bezüglich des Sicherheitsaspektes würden wir einen Umbau sehr begrüßen“, erklärt eine Sprecherin. „Entscheidend hierfür ist jedoch die technische Umsetzbarkeit unter den gegebenen Bedingungen vor Ort.“ Bei der Marienklause würde unterirdisch der Auer Mühlbach Düker ein Gefälle verursachen. Beim Großhesseloher Wehr müsse die Hauptleitung der Trinkwasserversorgung berücksichtigt werden.

München: Stadtwerke wegen Isar-Problem anderer Meinung - Umbau nicht geplant

In Großhesselohe steht eine Sanierung des Wehrs an. Auch eine Rampe wurde im Vorfeld geprüft, erklären die zuständigen Stadtwerke München. Das sei aber „aus technischen wie auch aus ökologischen Gründen verworfen“ worden, so ein Sprecher. Die Situation dort sei „nicht vergleichbar mit der Unfall-Situation“ an der Marienklause. Außerdem dürfe die Wehranlage sowieso nicht befahren werden und auch das Baden sei verboten. „Darauf wird vor Ort auch deutlich hingewiesen.“ Auch an der Marienklause warnen Schilder. Ein Umbau ist derzeit nicht geplant. Das ärgert Klaus Bäumler: „Weder der Freistaat Bayern noch die Stadt München können sich auf Verbotsschilder berufen“, betont er. „Es geht darum, Menschenleben zu retten.

Derweil verfolgt München ein ehrgeiziges Ziel - digital ganz vorne dabei zu sein. Dabei spielen intelligente Mülleimer offenbar eine wichtige Rolle. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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