Junge Intensivtäter sind auf freiem Fuß

München - Zwei aktuelle Fälle zeigen die Grenzen des Gesetzes ganz deutlich. Ein 18 und ein 19 Jahre alter Intensivtäter bleiben auf freiem Fuß. Die Opfer müssen mit ihrer Angst leben.

Der eine (19) stieß ernstzunehmende Morddrohungen gegen seine Eltern aus. Der andere (18) beraubte und verletzte eine Seniorin (86) auf offener Straße. Beide Täter sind polizeibekannt. Beide sind auf freiem Fuß. Weder Polizisten noch Staatsanwälte haben in solchen Fällen ein gutes Gefühl. Doch die geltenden Gesetze lassen ihnen keine andere Wahl.

Der Handtaschenraub geschah am 14. Januar auf der Ludwigstraße. Der Räuber wurde kürzlich per DNA-Analyse überführt. Er war zur Tatzeit erst 17 Jahre alt, gestand sofort, hat einen Job und ist wegen kleinerer Delikte vorbestraft: „In solchen Fällen erlässt kein Jugendrichter einen Haftbefehl“, erklärte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch.

Noch härter ist dieser Fall: Am Donnerstag zeigte ein Familienvater (48) aus dem Westend seinen eigenen Sohn (19) an. Der hatte im Streit die elterliche Wohnung verwüstet und Morddrohungen ausgestoßen: „Wir nehmen das sehr ernst. Wir haben Angst vor ihm“, erklärte der verzweifelte Vater. Der 19-Jährige wohnt in der Nachbarschaft, ist ein vielfach vorbestrafter Intensivtäter. In seiner Wohnung wurden Drogen gefunden. Weil man ihn nicht präventiv einsperren darf, bekam er lediglich ein Kontaktverbot zu den Eltern und musste deren Schlüssel abgeben.

Die Täter sind frei, die Opfer haben Angst. Für ihre Nöte gibt’s halt keinen Paragraphen...

Dorita Plange

Rubriklistenbild: © dpa

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