Vor Gericht wurde sogar gefeilscht

Justiz-Posse: Haltet den Dieb, aber...

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Thomas B. fasste schon viele Diebe.

München - Hornberg kennt er aus seiner schwäbischen Heimat. Wie das Hornberger Schießen ausgeht, konnte Privatdektektiv Thomas B. am Dienstag vor dem Amtsgericht München erleben.

Angeklagt war er wegen gefährlicher Körperverletzung. Aber dem Kanonendonner der Staatsanwaltschaft folgte nur heiße Luft. In einem Drogeriemarkt im Ostbahnhof sollte der 47-jährige Detektiv am 22. Dezember 2011 nach einer Serie von Diebstählen die Täter überführen. Thomas B. versteckte mehrere Kameras, wartete im Büro am Bildschirm. Es dauerte nicht lange, dann zeigten die Bilder einen 17-Jährigen, der ein Herrenparfüm klaute. Thomas B. wollte ihn aufhalten, doch der Dieb verpasste ihm einen Schlag mit dem Ellenbogen und ergriff die Flucht. Es kam zum Gerangel: „Er hat gegen mich geschlagen,“ so Thomas B. Er sprühte dem Dieb Tränengas ins Gesicht.

Das hätte er nach Ansicht des Staatsanwalts nicht tun dürfen, das Tränengas sei „nicht erforderlich“ gewesen. Richter Andreas Forstner sah das nicht so dramatisch: „Das Verschulden ist äußerst gering.“ Zumal der Dieb, der inzwischen verurteilt ist, nicht als Zeuge vor Gericht erschien. Forstner drängte auf Einstellung des Verfahrens, der Staatsanwalt sperrte sich zunächst, stimmte dann aber einer Einstellung gegen Geldauflage zu. Es wurde gefeilscht. Der Richter: 100 Euro! Staatsanwalt: 200! Man einigte sich auf 150 Euro.

Thomas B. lässt das Geld dem Tierschutzverein zugute kommen. Der tz sagte er nachher: „Ich machte den Job seit 25 Jahren. Noch nie wurde ich angezeigt.“

E. Unfried

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