Justiz-Posse um Tomaten-Werfer

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Keine Strafe: Dr. Günter W. warf Tomaten

München - Eine matschige Tomate muss eine furchtbare Waffe sein. So schlimm jedenfalls, dass die Staatsanwaltschaft einen Arzt, der damit geworfen hatte, wegen Körperverletzung anklagte.

Dr. Günter W. (65) hatte zwar niemanden getroffen, aber – so die Logik der Anklage – theoretisch hätte er jemanden verletzen können. Der Prozess endete gestern wie das Hornberger Schießen.

Nazis aus der ganzen ­Republik waren am 14. November 2009 zum „Heldengedenkmarsch“ nach München gekommen. Die 190 Teilnehmer waren ein jämmerliches Häuflein gegenüber den Tausenden von Gegensdemonstranten. Auf diese jedoch hatte die Staatsgewalt ein besonderes Auge geworfen, waren darunter doch auch gewaltbereite Autonome. Der 65-jährige Arzt passte da nicht so recht ins Bild. Dennoch kam er den Beamten verdächtig vor: „Er hat sechs Tomaten bei einem türkischen Gemüsehändler gekauft“, fiel einem Polizisten auf. Mindestens eine Tomate warf der Anästhesist in Richtung der Nazis, ohne jedoch jemand zu treffen. Die Order der Einsatzleitung lautete: „Festnehmen!“ Dr. W. leistete keinen Widerstand. Ein Beamter: „Wir brachten ihn zur Gefangenensammelstelle.“

Die Staatsgewalt reagierte unerbittlich: Strafbefehl über 1800 Euro!

Dr. W. legte Einspruch ein. Ihn habe das Motto „Ruhm und Ehre dem deutschen Soldaten“ empört, erklärte er vor Gericht. „Ich verstehe nicht, dass es noch Leute gibt, die so etwas verherrlichen können.“ Er habe nicht auf Teilnehmer gezielt, der Tomatenmatsch sollte nur vor ihren Füßen liegen. „Ich wollte denen nur meine Verachtung zeigen“, so der Angeklagte. Nachdem auch die Polizisten keine Verletzungs­absicht erkennen konnten, stellte Richtern Gabriele Krause das Verfahren ein - auf Kosten der Staatskasse.

E. Unfried

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