Mit Vollgas zurück in den Job

So kämpften sich Münchner aus der Hartz-IV-Falle

München - Eine Studie räumt mit Vorurteilen über Hartz-IV-Empfänger auf. Die tz fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen und stellt zwei Münchner vor, die den Sprung zurück in den Job gefasst haben.

Unqualifiziert, unmotiviert und unzuverlässig. Mit diesen Vorurteilen haben viele Hartz-IV-Empfänger auf ihrem Weg zurück in den Job zu kämpfen. Eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach räumt damit nun auf. Im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit wurden Unternehmen aus den Branchen Pflege, Handwerk und Gastronomie befragt, die in den vergangenen Jahren Hartz-IV-Empfänger eingestellt haben. Die meisten sind mit ihren neuen Mitarbeitern zufrieden und würden wieder einen Hartz-IV-Empfänger nehmen. Die tz hat die wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammengefasst (siehe oben) und mit zwei Münchnern gesprochen, die den Sprung aus der Langzeitarbeitslosigkeit zurück in den Job geschafft haben.

Beate Winterer

Mit 56 die Chance auf den Neuanfang genutzt

Seit August geht’s für Bojan Psunder steil bergauf. Mit 56 Jahren hat er die Chance auf einen beruflichen Neuanfang genutzt. Für Autobus Oberbayern lenkt er Busse durch München. „Die Arbeit gefällt mir sehr gut. Ich bin unterwegs und komme mit Leuten in Kontakt“, erzählt er.

Der Weg zum neuen Job war nicht einfach. Der gelernte Technische Zeichner war viele Jahre bei einer Baufirma beschäftigt und hatte sich zum Montageleiter hochgearbeitet. Dann meldete das Unternehmen Insolvenz an. Für Psunder bedeutete das den Sturz in die Arbeitslosigkeit. Fast vier Jahre fand er keine Stelle. Nachdem er im Baugewerbe nicht unterkam, suchte er nach anderen Berufen.

Über das Jobcenter konnte er den Busführerschein machen. Einzige Voraussetzung: ein Unternehmen, das ihn übernimmt. 30 Bewerbungen hat er geschrieben. Dann kam die Zusage von Autobus Oberbayern. „Ich hab mich so gefreut. Die Kollegen sind nett und hilfsbereit“, so Psunder. Auch der Chef ist mit dem neuen Mitarbeiter zufrieden: „Er ist ein Paradebeispiel für einen erfolgreich integrierten Langzeitarbeitslosen“, sagt Geschäftsführer Nico Schoenecker.

Sie ließ sich auch von Absagen nicht entmutigen

Manuela Kuban hat es endlich geschafft. Nach Jahren der Arbeitslosigkeit und Zeitarbeit hat sich die 24-Jährige eine Festanstellung erkämpft. Seit fünf Monaten ist sie Service- und Sicherheitsmitarbeiterin bei Securitas. Bei verschiedenen Münchner Firmen empfängt sie Gäste und zeigt ihnen den Weg zu Terminen im Haus. „Das ist ein bisschen wie im Hotel. Einfach eine super Arbeit“, erzählt die junge Frau lachend.

In den letzten Jahren hatte Kuban im Arbeitsleben wenig Glück. Nach der Schule fand sie keine Ausbildungsstelle und musste von Hartz IV leben. Später lernte sie zu Hause in Sachsen Verkäuferin. Eine Festanstellung fand sie danach aber wieder nicht. Sie arbeitete zwischendurch für eine Zeitarbeitsfirma als Reinigungskraft und im Callcenter. „Ich habe jeden Monat mindestens zehn Bewerbungen geschrieben. Wenn man nur Absagen bekommt, schwindet irgendwann die Motivation. Aber ich wollte nicht aufgeben“, sagt Manuela Kuban.

Sie weitete die Suche nach einem Job auf den Rest der Republik aus. In München wurde sie fündig. „Es fühlt sich richtig gut an, wieder gebraucht zu werden. Jetzt bin ich auch motiviert, mehr zu erreichen“, so Kuban.

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