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Kahlschlag am Kunsttempel - In der Maxvorstadt werden 42 Bäume gefällt

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Von: Leonie Hudelmaier, Nina Bautz

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Ruth Gehling vom BA Maxvorstadt will die Bäume retten
Ruth Gehling vom BA Maxvorstadt will die Bäume retten © Markus Götzfried

Der Deutsche liebt seine Bäume und sie sind bei Bauvorhaben immer wieder hart umkämpft. Nun wurde ein Kahlschlag in der Münchner Maxvorstadt bekannt, der so massiv ist, dass der Zorn bei den Stadtteilpolitikern aller Parteien groß ist.

Ernst blickt Ruth Gehling auf die alten Linden, Platanen, Eiben und Ahornbäume rund um die Neue Pinakothek. Bald wird es dort leer und traurig aussehen, denn - wie erst jetzt bekannt wurde - wurden und werden auf dem staatlichen Gelände mindestens 42 Bäume gefällt. Die Baumschutzbeauftragte des Bezirksauschusses Maxvorstadt hat überpersönliche Kontakte davon erfahren und ist entsetzt: „Das kommt einem Kahlschlag gleich – und das in einem Bezirk, in dem es ohnehin wenig Grünflächen gibt!“

Das Planungsreferat der Stadt bestätigt unserer Zeitung: „In der Genehmigung der Sanierung der Neuen Pinakothek musste die Untere Naturschutzbehörde 42 Bäume, die unter die Baumschutzverordnung fielen, gegen entsprechende Ersatzpflanzung zur Fällung freigeben.“ Es könnten sogar noch mehr Bäume fallen – denn die Abholzung jüngerer Bäume, die nicht geschützt sind, muss nicht genehmigt werden.

Das staatliche Areal der Neuen Pinakothek: Einige Bäume sind zum Schutz eingezäunt
Das staatliche Areal der Neuen Pinakothek: Einige Bäume sind zum Schutz eingezäunt © Markus Götzfried

Das Baum-Drama – es verärgert den gesamten BA über Parteigrenzen hinweg. „Wir wurden bislang immer zu Baumfällungen angehört – diesmal nicht“, klagt Ruth Gehling (Grüne) . Sie hat einen Eilantrag initiiert, um endlich Auskunft von der Stadt zu erhalten – auch über die Ersatzpflanzungen. „Die meisten Bäume sind nicht mal 40 Jahre alt, es kann nicht sein, dass der komplette Bestand dort in einem so verwahrlosten Zustand ist, dass man alles fällen muss“, sagt Gerhard Mittag (CSU). Und weiter: „Ich kann mir nicht vorstellen, warum es notwendig sein soll, an einer Baustelle ringsum alles abzuholzen.“

Seit Ende Juli laufen Tiefbauarbeiten an der Neuen Pinakothek. Im Rahmen der Generalsanierung geht es unter anderem um Brandschutz, Energieeffizienz und Barrierefreiheit. Und warum müssen hierfür so viele Bäume weichen? Das zuständige Staatliche Bauamt erklärt schriftlich: Aufgrund des beengten Platzes stelle die Sanierung eine „logistische Herausforderung“ dar. Zudem müssten Kanäle und Anschlüsse erneuert werden. „Im Zuge dieser Arbeiten und der Gerüststellung für die Dachsanierung werden Eingriffe ins Grün erforderlich werden.“ Drüber hinaus würden „einige Bäume eine mangelhafte Vitalität und Krankheiten“ aufweisen und müssten daher gefällt werden.

Die Maßnahmen würden mit naturschutzrechtlicher Begleitung und größter Sorgfalt umgesetzt. Spezielle Holzzäune schützen die Bäume, die bleiben dürfen, „um diese nicht zu beschädigen.“ Was viele nicht mitbekommen haben: Ein Großteil der Bäume wurde laut Bauamt bereits im Januar 2021 gefällt, weitere vier Bäume fallen noch heuer. Die restlichen Fällungen finden Anfang 2022 statt.

Die Baumschutzbeauftragte Ruth Gehling versucht schon seit längerem, von offizieller Seite Details zur Abholzung zu erfahren. „Ich kann mir die Geheimhaltung nur so erklären, dass Stadt und Staat Gegenwehr fürchten“, sagt Gehling. Auch wenn das Unterfangen schwierig werden wird: Sie will weiter um jeden einzelnen Baum kämpfen.

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