Kaiser, Hopp, Henzler: Unser Erfolgsgeheimnis

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Franz Beckenbauer (66, Mitte), Dietmar Hopp (71, links) und Herbert Henzler (69) in der LMU

München - Franz Beckenbauer (66), Dietmar Hopp (71) und Herbert Henzler (69) haben am Donnerstagabend in der LMU ihre Erfolgsgeheimnisse verraten. Der Kaiser begeht dabei ein verbales Foul mit Augenzwinkern.

Ein normaler Arbeitstag kann für Franz Beckenbauer (66), Dietmar Hopp (71) und Herbert Henzler (69) schon mal zwölf Stunden oder länger dauern – obwohl sie längst im besten Rentenalter sind. Und noch etwas verbindet den Fußball-Kaiser, den Software-Milliardär und den legendären Wirtschaftsberater: Selbst der größte Stress kann ihren Humor nicht auffressen. Eine Kostprobe lieferten die drei Ausnahme-Macher am Donnerstag beim Unternehmertag an der Ludwig-Maximilians-Universität:

Beckenbauers Foul: Auf dem Podium talken Hopp und Henzler. Letzterer berichtet, dass er auch die bayerische Staatsregierung berät – und bittet die Studenten, Fragen zu stellen. Unten in der Aula geht ein Arm in die Höhe, er gehört – für viele verblüffend – dem Kaiser. Beckenbauer mit scheinbar nachdenklicher Miene: „Eins muss ich hier schon mal fragen: Wie weit sind wir eigentlich gekommen, wenn ausgerechnet ein Schwab’ die Bayern berät?“

Henzlers Konter: Nach dem Gespräch mit Hopp eilt Henzler durch die Aula. Kommentar des Professors: „Ich muss den Franz suchen.“ Henzler hatte offenbar Angst, dass sich der Fußballer verläuft: „Der Franz war war doch nie in einer Uni.“

Aber natürlich waren die drei prominenten Talk-Gäste nicht nur gekommen, um den mehreren hundert Studenten ein unterhaltsames „Freundschaftsspiel“ zu bieten. Sie erklärten auch die Erfolgsgeheimnisse ihres langen Arbeitslebens. Die tz fasst die wichtigsten Botschaften zusammen.

Erfolg mit anderen teilen

Bescheidenheit ist Dietmar Hopp wichtig, aber Ehrlichkeit mindestens genauso. Mit Blick auf sein Privatvermögen, das auf mehrere Milliarden Euro geschätzt wird, erklärte der Unternehmer schmunzelnd: „Ich muss gestehen: Es war schon mit 18 mein Fernziel, später mal reich zu werden.“ Dazu nahm er sein Leben mutig in die Hand. Hopp kündigte seinen sicheren Job beim Computer-Konzern IBM und gründete die kleine Software-Schmiede SAP. Heute ist sie ein börsennotiertes Weltunternehmen. „Der wichtigste Faktor für unseren Erfolg war der Teamspirit. Wir haben eine angst- und repressionsfreie Atmosphäre geschaffen. Nur ein angstfreier Mitarbeiter ist in der Lage, besondere Leistungen zu bringen. Wir haben immer versucht, einen Geist zu schaffen, in dem es auch mal erlaubt ist, einen Fehler zu machen.“ Ebenso wichtig sei es, dass Manager Erfolge mit ihren Mitarbeitern teilen: „Das müssen sie auch anhand ihres Gehaltskontos spüren.“

Hopp hasst Chefs, die hinter verschlossenen Türen vor sich hin werkeln und von ihren Mitarbeitern ausschließlich positive Nachrichten hören wollen: „Das lähmt jede Kreativität und schadet einem Unternehmen nur.“

Disziplin und Teamgeist: Das Beckenbauer-Prinzip

Seine wichtigste Botschaft lebte Franz Beckenbauer ohne Worte vor: Geduldig ließ er sich mit einem Stundenten nach dem anderen fotografieren. Kein genervter Blick, immer ein nettes Wort: „Höflichkeit war mir immer wichtig. Ich glaube: Wenn alle ein bisserl freundlicher miteinander umgehen würde, würde sich die Welt viel leichter tun.“ Den Umgang mit Menschen habe er durch den Fußball gelernt, berichtet Beckenbauer: „Mannschaftssport zu betreiben, ist die beste Lernphase des Lebens. Du bekommst Werte wie Disziplin und Teamgeist mit. Und du lernst auch, mit Niederlagen umzugehen. Der frühere Bundestrainer Helmut Schön hat das so auf den Punkt gebracht: Du musst siegen wollen und verlieren können.“

Auch Dankbarkeit zählt für Beckenbauer im Leben: „Ich bin zum Beispiel dankbar dafür, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte.“ Aus dieser Erfahrung heraus würde der Kaiser seine Kinder bei der Berufswahl nie bevormunden: „Es bringt doch nichts, wenn man jemanden in etwas hineintreibt, woran er keinen Spaß hat.“

So sehr der Franz als Fußballtrainer auch mal gewütet hat – so sehr glaubt er heute, dass permanente Wutausbrüche gegenüber „Mitarbeitern“ der falsche Weg sind: „Ich habe in all den Jahren noch keinen gesehen, der besser wird, wenn man ihn laufend zusammenstaucht.“

Reisen prägen das Ich

Als Chef der renommierten Unternehmensberatung McKinsey ist Professor Herbert Henzler kreuz und quer um den Erdball geflogen, von Termin zu Termin gehetzt. „Aber wenn es irgendwie möglich war, habe ich mir die Wochenenden für meine Familie freigehalten. Das war schwer, aber es ging. Ich musste meinen Job halt gut organisieren“, erinnert sich Henzler. Besonders am Herzen lagen ihm auch wichtige Tage seiner Kinder. „Bei der Einschulung dabei zu sein, war wichtiger als jeder andere Termin im Job.“ Entspannung sucht er bis heute im Sport, vor allem bei Bergtouren. „Gerade, wenn man Stress hat, ist es wichtig, etwas für die Fitness und die Gesundheit zu tun.“

Studenten rät er, unbedingt nebenbei zu arbeiten. „Nur so lernt man früh Eigenverantwortung.“ Außerdem sei Auslandserfahrung wichtig: „Heute sollte man als junger Mensch mal in Asien gewesen sein. Dort ist die Zukunft.“

Andreas Beez

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