Kakerlaken und Mäuse in der Backstube

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Pfui Teufel! Kakerlaken und Mäuse fanden Kontrolleure in der Backstube - der Bäckermeister wurde jetzt zu einer Geldstrafe verurteilt.

München - Nachdem das Amtsgericht bereits im vergangenen Jahr einen Münchner Großbäcker wegen gewerbsmäßigen Verstoßes gegen das Lebensmittelbedarfgesetz verurteilt hatte, hat am Freitag ein weiterer Schmuddel-Bäcker eine Geldstrafe erhalten.

Im aktuellen Fall hatten die Kontrolleure der Stadt in der Backstube und Konditorei unzählige Kakerlaken und Mäuse beobachtet. Hinter Kisten fanden sie 26 zum Teil schon skelettierte Nager. Überall in den Räumen stank es nach Urin und Kot. Der verurteilte Bäckermeister hat den Familienbetrieb inzwischen verkauft.

Im Sommer 2010 hatten die Kontrolleure den Betrieb in der Innenstadt, der mehrere eigene Filialen belieferte, begutachtet. Ihr Fazit: „Unhygienisch und ekelerregend.“ In der Backstube liefen Kakerlaken am Boden durch eine stinkende Flüssigkeit. Mindestens 100 Tiere fanden die Prüfer hinter einem Ofen - ein „außergewöhnlicher Schädlingsbefall“, wie sie verzeichneten. Das traf auch auf die Menge an Mäusen zu, die in der Backstube, dem Trockenraum und in der Konditorei lebten. Überall fielen den Kontrolleuren Urin und Kot der Nager auf.

Bereits früher hatten Prüfer fehlende Fliegengitter und Türdichtungen in der Backstube bemängelt und darauf hingewiesen, dass dies kein adäquater Zustand sei, um Schädlinge fernzuhalten. Bußgelder von 6000 Euro bekam der 39-jährige Inhaber auferlegt, doch änderte sich nichts.

Vor dem Amtsgericht erklärte Verteidiger Klaus Gussmann, warum: Sein Mandant habe den Familienbetrieb vor vielen Jahren von seinem Vater übernommen und zunächst sieben Tage die Woche bis zu 17 Stunden dort gearbeitet. Den Zustand der Räume bedauere der Bäcker sehr. Er sei 2009 schwer am Herzen erkrankt, habe sich kaum mehr um den Betrieb kümmern können. Stehe man heute nicht zu 110 Prozent 24 Stunden am Tag bereit, lasse sich ein mittelständischer Betrieb nicht mehr führen, sagte Gussmann.

„Wenn der Chef weg ist, wird weniger auf Hygiene geachtet“, sagte der Angeklagte. Er habe es versäumt, einen Controller einzustellen, der ihn vertrete. Inzwischen habe er den Produktionsbetrieb verkauft und arbeite als Angestellter im Vertrieb. Nur zwei Verkaufsfilialen besitze er noch, in denen Geschäftsführer arbeiteten. Dort würden keine Backwaren selbst hergestellt. Finde sich ein Käufer, wolle er auch diese Filialen abstoßen.

Der Richter zeigte Mitgefühl mit der Situation des Angeklagten. Jedoch sei „der Zustand im Namen des Verbrauchers nicht hinnehmbar“. Im Vergleich zu Großbäckereien hätten es Kleinbetriebe schwer. Solche Bäckereien hätten von jeher Probleme mit Mäusen und Kakerlaken, erklärte der Richter. „Umso mehr muss man höchste Sorgfalt walten lassen.“ Weil der Angeklagte mit dem Verkauf den richtigen Weg eingeschlagen habe, beließ es der Richter bei einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 50 Euro. Das Urteil ist rechtskräftig.

Bettina Link

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