Patientinnen zwischen Beine gefilmt

Dr. Kalaschnikov: Er war ein fieser Sex-Arzt

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Der Angeklagte ist schwer krank, geht an Krücken – aber wohl auch in den Knast.

München - Waffen waren seine Leidenschaft - jahrelange hortete Christian K. Maschinengewehre und verbotene Kriegswaffen. Außerdem filmte der Gynäkologe seinen Patientinnen zwischen die Beine. Nun steht er vor Gericht.

Ein Eigenbrötler soll er sein, ein verrückter Sammler, der jedes seiner Stücke kennt – und sie akribisch hortet. Briefmarken und Uhren zogen Christian K. (67) als jungen Mann in seinen Bann, doch irgendwann wurde seine Leidenschaft zum Wahn. Über drei Jahrzehnte lang sammelte der Gynäkologe Waffen und verwahrte sie in seiner Wohnung und im Keller seiner Moosacher Praxis. Dort stellte die Polizei insgesamt 351 Schusswaffen sicher – auf seinem Computer aber auch 68 Videodateien, die belegen, dass der Gynäkologe etliche Patientinnen während der Behandlung im Intimbereich gefilmt hatte!

Erst durch unerlaubte Schwangerschaftsabbrüche geriet K. ins Visier der Fahnder. Seit Donnerstag muss er sich vor dem Landgericht München I wegen unerlaubten Waffenbesitzes und der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen verantworten.

Mit Videokugelschreiber zwischen die Beine gefilmt

Auf der Anklagebank sitzt ein gebrechlicher, alter Mann mit Goldrandbrille. Er geht an Krücken, trägt links eine Beinprothese und spricht mit gedrückter Stimme. Seine Wangen hängen schlaff, er ist schwer krank. Seine mutmaßlichen Vergehen aber erscheinen minutiös geplant: Insgesamt 52 Minuten lang braucht Staatsanwältin Nicole Selzam, um den Bestand von K.’s Waffenarsenals vorzulesen – darunter etliche Maschinengewehre und verbotene Kriegswaffen. 23 Minuten lang ist die quälende Liste seiner Patientinnen – zwischen Februar 2010 und September 2012 soll der Gynäkologe die Frauen siebeneinhalb Stunden lang mit einem Videokugelschreiber zwischen den Beinen und an den Brüsten gefilmt haben, sechs waren noch minderjährig.

Nach einem Rechtsgespräch gab die Kammer bekannt, dass die Strafe für „Dr. Kalaschnikov“ wohl zwischen drei- und fünfeinhalb Jahren liegen könnte – vorausgesetzt, er gesteht umfassend. Seinen Opfern muss K. pro unerlaubter Videoaufnahme mindestens 2000 Euro Schadensausgleich zahlen. Trotz seines schlechten Gesundheitszustandes bleibt er im Knast – seinen Haftbefehl setzte die Kammer nicht außer Vollzug. Grund: Fluchtgefahr. Der Prozess dauert an.

Andreas Thieme

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