Der Dauerwinter hat Folgen

Nix gemerkt? Das hier soll schon Frühling sein!

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Mit Schal und Winterjacke schlenderten die Münchner am Mittwoch durch den Alten Botanischen Garten

München - Hätten Sie’s gemerkt? An diesem Mittwoch ist kalendarischer Frühlingsanfang - nur das Wetter weiß offenbar noch nichts davon! Der Dauerwinter hat Folgen, sagen drei Experten.

Zwar kamen die Münchner mit Höchsttemperaturen um 9 Grad im bundesweiten Vergleich noch gut weg (in Kiel etwa schaffte es das Thermometer gerade mal auf 1 Grad - hier geht's zum aktuellen Wetterbericht für München und die Region!). Trotzdem ging es nicht ohne Winterjacke und dicke Stiefel.

Auch an der Natur geht der Dauerwinter nicht spurlos vorbei. Eigentlich müssten um diese Zeit schon viele Pflanzen ihre Köpfe Richtung Frühlingssonne strecken – jetzt stecken viele noch im Winterschlaf, oder es spitzen gerade mal ein paar Knospen hervor. Da sehnen sich viele nach einem Frühlingsanfang wie im vergangenen Jahr: Da blühten am 20. März auf den Wiesen schon unzählige Krokusse, die Münchner sonnten sich bei milden 14 Grad im T-Shirt!

Warum der Frühling heuer nicht in Fahrt kommt und wie sich das auf die Pflanzenwelt und die Heuschnupfen-Patienten auswirkt: Die tz hat einen Meteorologen, einen Allgemeinmediziner und einen Gärtner gefragt. Das sagen die Experten:

Ostern wird milder

Dieser Winter war der dunkelste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen! Und das wirkt sich auf die Pflanzenwelt aus. „Die Natur hängt zwei bis drei Wochen hinterher“, sagt Dominik Jung, Meteorologe von wetter.net . Kaum Sonne, viel Dauergrau: Die Natur wacht nur langsam aus dem Dauer-Winterschlaf auf. Und auch die nächsten Tage ist keine große Besserung in Sicht. Zwar hat es heute und am Freitag bis zu acht Grad, aber ab Samstag und auch kommende Woche bleibt es kühl bei höchstens zwei Grad. Jung: „Ab Gründonnerstag wird es wieder milder. Vielleicht schafft es der Frühling zu Ostern!“

Harmloser Pollenflug

Zumindest eine Fraktion freut sich über den späten Frühling: die Heuschnupfenpatienten! „Sonst geht es schon Ende Februar mit den Beschwerden los, aber durch den langen Winter verzögert sich das heuer“, sagt Dr. Nikolaus Frühwein, Allgemeinarzt aus München. Im Moment schwirren nur die ersten Buchen- und Haselpollen durch die Luft. Andere Frühblüher wie Ulme und Birke lassen auf sich warten. Allerdings rechnet der Mediziner bald mit einem großen Patienten-Ansturm: „Wenn in den ersten schönen Tagen alles gleichzeitig zu blühen anfängt, wird es umso heftiger.“

Natur hinkt hinterher

So ein buntes Blumenmeer sieht man gerade nur im Gewächshaus der Stadt: 167 000 Frühlingsblüher zieht Thomas Seltmann von der Stadtgärtnerei hier mit seinen Kollegen vor – am ­Montag haben sie begonnen, damit Schmuckbeete wie am Promenadeplatz und Odeonsplatz zu bepflanzen. Sonst hinkt die Natur ganz schön hinterher: Gerade erst sprießen die ersten Kornelkirschen und Forsythien – die sind sonst schon Anfang März so weit! Auch Schneeglöckchen und Krokusse sind fast zwei Wochen zu spät dran, ebenso Zwiebelblüher. Seltmann: „Die Narzissen werden in etwa zwei Wochen aufgehen, danach folgen erst die Tulpen.“

Christina Schmelzer

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