Kalkbrenner: Musste es wirklich so laut sein?

München - Kult-DJ Paul Kalkbrenner hat am Sonntag München begeistert. Doch viele Bürger fühlten sich gestört. Kilometerweit waren die Bässe zu hören. Die Reaktionen der Leser:

Zu hören bis Trudering!

Ein Erdbeben am Sonntagabend? Oder wieder mal die rücksichtslosen Nachbarn von unten? Nein, der Kalkbrenner war’s! Tatsache: Bis nach Trudering, Oberföhring und Pasing waren Paul Kalkbrenners Hits zu hören und zu spüren.

Deshalb ging’s dann auch bei der Polizei ein bisschen lauter zu als üblich. Dort klingelten nämlich ununterbrochen die Telefone. Etwa 240 Beschwerde-Anrufe über die laute Musik gingen ein, bis das Konzert am Königsplatz nach mehr als sechs Stunden Dauerbeschallung um 23 Uhr zu Ende war. Kalkbrenner packte seine Ausrüstung ein, die 20 000 Besucher gingen heim – und die Stadt wurde langsam wieder ruhiger.

War das alles richtig so? Darf man ein Konzert so weit hören? Daniela Schlegel vom KVR sagt grundsätzlich: „Bei jedem Konzert stellen wir Auflagen. Der Veranstalter bekommt eine Dezibel-Vorgabe und muss einen Gutachter engagieren, der die Werte misst und bei Überschreitungen einwirken soll.“ Bei Verstößen droht Zwansgeld (rund 3000 Euro). Inwieweit das Kalkbrenner betreffen könnte, wird sich erst in etwa zwei Wochen rausstellen. Dann ist der Bericht des Gutachters da. Offensichtlich ist aber: Der Wind spielte am Sonntag eine wichtige Rolle. Das zeigt sich daran, dass die Musik je nach Stadtteil nur phasenweise zu hören war.

Übrigens: Am 21. Juli gibt wieder ein DJ Vollgas am Königsplatz – dann kommt David Guetta.

Sebastian Horsch

Bilder von der Party auf dem Königsplatz

20.000 Fans bei DJ Paul Kalkbrenner auf dem Königsplatz

Konzertkritik: Paule, flieg uns zum Mond

Wuchtige Bässe, imposante Kulisse und dazu die tobende Masse: Das war Kalkbrenner auf dem Königsplatz! Der DJ-Star gab drei Stunden Vollgas – und feierte mit den 20 000 Münchnern einen Wahnsinns-Start in den Konzert-Sommer. Die Beats gehen genauso ins Ohr wie etwa der nächste Hit von Lady Gaga. Das zeigt allein sein Chart-Rekord mit Sky and Sand (mehr als 100 Wochen unter den Top 100!).

Den Song von 2008 brauchte Kalkbrenner gar nicht, um seine Fans in Stimmung zu wummern. Denen war der Regen egal, der Dreck sowieso. Paule thronte auf der Bühne und mixte seine jüngsten Alben wie Berlin Calling und Icke wieder rauf und runter. Kalkbrenner unterlegt harte Beats mit Melodien zum Mitsummen. Das gelingt ihm am besten mit Mad World.

Das Finale: furios! FCB-Fan Kalkbrenner streift sich ein rotes Trikot über, hantiert theatralisch an seinem Laptop und bringt sie dann doch – die Nummer Sky and Sand. Tanzen, schreien, zum Mond fliegen, heißt es darin. Und die 20 000 tun genau das, mit ausgestreckten Armen. Nicht mal ein falscher Klick kann Kalkbrenner jetzt noch die Show vermasseln. Er zündet sich ein Zigarette an und genießt den Moment.

Sebastian Arbinger

Die Meinung der User zum Kalkbrenner-Auftritt

Während Kalkbrenner auf dem Königsplatz 20 000 Fans begeisterte, war die mehr als sechs Stunden dauernde Open-Air-Veranstaltung auch Kilometer weit entfernt noch lautstark zu hören. Insgesamt gingen bei der Polizei während des  Konzerts rund 235 telefonische Beschwerden über zu laute Musik ein.

Auch auf unserer Seite kommentierten mehrere User, dass sie sich von der stundenlangen Beschallung gestört fühlten.

"Morgen werden die Hörgerätedealer wieder gute Geschäfte machen", unkte User "Truderinger" während des Spektakels auf dem Königsplatz, das auch bei ihm daheim zu hören war.

"Bis 23 Uhr nur Gewumme und Ruhestörung. Normal sollte man dagegen gerichtlich vorgehen", beschwert sich User "Wummerland".

Noch in neun Kilometern Entfernung bekam User "Blabla" die Bass-lastigen Rhythmen mit. "Jeder, der hingehen will, soll das gerne machen, aber man muss nicht komplett München und das Umland beschallen!", stönte er.

Auch User "AndreasG" war genervt, zeigt unter Einschränkung aber Verständnis: "Ich dachte bei uns in der Nachbarschaft würde einer eine Party feiern. Nix da, 6 km Entfernung lagen dazwischen und die Wände haben vibriert." Eine solche Störung könne man aber auch mal akzeptieren, "da das nicht regelmäßig der Fall ist".

Gelassen sah User "FCBPhilosoph" den Auftritt des DJs: "Mei o mei, dann war es halt für ein paar Stunden laut. Soll passieren, dass in einer Großstadt solche events stattfinden."

Diskutieren Sie mit: Sind solch lautstarke Veranstaltungen in der Innenstadt akzeptable oder nur ein Ärgernis für Anwohner? Nutzen Sie die Kommentar-Funktion und schreiben uns Ihre Meinung.

mm

Rubriklistenbild: © dapd

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