Patient in Schwabing gestorben

Kam das Killervirus von einem Kamel?

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Das Coronavirus auf einer Projektion

München - Der mit dem neuartigen Coronavirus Infizierte im Schwabinger Klinikum ist verstorben. Nun wird geprüft, ob er sich bei einem Kamel angesteckt hat.

Zum ersten Mal stirbt ein Mensch in Deutschland an dem Todesvirus: Der mit dem neuartigen Coronavirus Infizierte im Schwabinger Klinikum hat es nicht geschafft. Der 73-Jährige aus den Vereinigten Arabischen Emiraten starb Montagnacht nach einem Kreislaufschock. „Aufgrund der weit fortgeschrittenen Infektion und septischem Krankheitsbild war die Prognose für den Patienten leider insgesamt sehr ungünstig, so dass er trotz maximaler intensivmedizinischer Versorgung nicht mehr gerettet werden konnte“, bedauert Professor Clemens Wendtner, Infektiologie-Chefarzt in Schwabing.

Jetzt kann der Fall die Forschung voranbringen: Der Mann – möglicherweise ein Scheich – habe kurz vor der Erkrankung seine Kamel-Herde besucht. Er könnte sich an einem seiner Renn-Kamele infiziert haben, erklärt Prof. Wendtner. Das hätten Gespräche mit der Familie des Toten ergeben. Auch eines der Tiere sei erkrankt. Das Kamel wiederum könnte das Virus von einer Fledermaus haben. Der Araber war Anfang März erkrankt und vergangenen Dienstag im Privatjet von Abu Dhabi zur Behandlung nach München geflogen worden. Jetzt soll der Leichnam zeitnah in seine Heimat überführt werden.

Eine Ansteckungsgefahr für die Bevölkerung hat laut Stadt nicht bestanden. Der Patient lag auf der Isolierstation, die rund 50 Angehörigen und Kontaktpersonen würden weiter überwacht. Bislang gibt es laut Gesundheitsreferat keine Auffälligkeiten.

Mit dem Münchner Toten steigt die Zahl der Opfer des Erregers: Bislang sind weltweit 17 Infektionen bekannt, elf Patienten starben. Vergangene Woche ist nach britischen Medienberichten auch ein 60-jähriger aus Birmingham gestorben, der das Coronavirus überwunden zu haben schien. Der Mann hatte sich im Nahen Osten angesteckt und daheim wohl seinen 38-jährigen Sohn infiziert, der bereits vor dem Vater verstorben war.

München als Medizin-Mekka

Die Erkrankung des 73-jährigen Arabers stellt einen besonders krassen Fall von Medizin-Tourismus dar: Bereits in Lebensgefahr schwebend wurde er im Privatjet zur Behandlung eingeflogen – an die Be­atmungsmaschine angehängt. Er war schon mehrfach an der Isar zur Behandlung, da versprachen sich die Angehörigen wohl gerade hier noch eine Heilungschance.

So sehen das Tausende in jedem Jahr: Allein die fünf Krankenhäuser des Städtischen Klinikums begrüßten im vergangenen Jahr rund 1500 Patienten vor allem aus dem arabischen Raum und aus Russland. Die meisten wollten in Bogenhausen oder Schwabing unters Messer – und zahlten die Behandlung selbst. Die meisten Eingriffe der Chefärzte waren aus den Bereichen Orthopädie, plastische Chirurgie oder Rekonstruktion, Neurochirurgie, Gastroenterologie und Diabetes. Das sei bereits in den 90er Jahren aufgrund des Renommees der Mediziner losgegangen, berichtet Klinikums-Sprecher Matthias Winter. „Das Potential ist nach wie vor groß.“

Etwas kleiner fallen die Zahlen bei den Unikliniken aus: In Großhadern und in der Innenstadt waren es im Jahr 2011 genau 1225 Patienten. „Die Zahl ist weit niedriger, als man denkt“, sagt Klinik-Sprecher ­Philipp Kreßirer. Am Rechts der Isar sind es gleichbleibend stationär rund 300 arabische Patienten pro Jahr. Die Zahl der staionär Behandelten aus Russland sei zuletzt auf 500 pro Jahr gestiegen, berichtet Klinik-Sprecherin Eva Schuster.

Auf die internationalen Patienten haben sich die Kliniken längst eingestellt –mit Internet-Seiten, Broschüren, Werbung. Am Klinikum rechts der Isar gibt es sogar einen Patienten-Rabatt bei der Lufthansa.

David Costanzo

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