Es werden immer mehr Video-Anlagen

Kamera-Überwachung: Die tz blickt hinter die Kulissen

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Eine Kamera im Hauptbahnhof.

München - Immer mehr Kameras überwachen den Nah- und Fernverkehr. Und das zeigt offenbar Wirkung. Die tz blickte mit Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hinter die Kulissen.

Innenminister Joachim Herrmann zu Besuch in der Sicherheitszentrale der Bahn.

Laut neuesten Zahlen sinkt die Gewaltkriminalität an unseren Bahnhöfen und in den Zügen, immer häufiger werden auch Verbrechen dank der Videoüberwachung aufgeklärt. Kommissar Kamera! Die tz blickte am Montag mit Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hinter die Kulissen:

- In der Sicherheitszentrale der Bahn am Hauptbahnhof verfolgen am Tag sechs Bahn-Mitarbeiter 242 Kameras live, nachts sind es vier Menschen. Weitere 317 Bahn-Kameras speichern die Aufnahmen vor Ort. Diese Bilder werden nach 72 Stunden automatisch gelöscht. Auch die Aufnahmen aus allen 238 S-Bahnen, die nach 48 Stunden gelöscht werden, sind nicht live abrufbar. „Die Chancen, dass unsere Mitarbeiter ein Verbrechen am Bildschirm verfolgen und Hilfe schicken können, sind aber relativ gut“, so Heiko Hamann vom Bahnhofsmanagement. „Eine Garantie gibt es natürlich nicht.“

Die Aufnahmen der Kameras laufen auf einem Bildschirm ein.

- In der MVG-Zentrale haben die Mitarbeiter Live-Zugriff auf 1417 Bahnhofskameras, die Polizei kann sich jederzeit einklinken – im Gegensatz zu den Kameras der Bahn. Diese Aufnahmen werden sieben Tage gespeichert. Knapp 2100 Kameras in den MVG-Fahrzeugen sichern die Daten ebenfalls für 48 Stunden vor Ort. Bei Bus und Tram sind drei von vier Fahrzeugen mit Kameras ausgestattet, bei der U-Bahn jeder fünfte Wagen.

- In den Bussen, Trambahnen, U-Bahnen und Linienbussen im Freistaat filmen insgesamt 9463 Videokameras mit, davon alleine knapp 8000 im Großraum München – über 800 Überwachungskameras mehr als 2013. Der Freistaat förderte den Ausbau der Videoüberwachung im ganzen MVV mit sieben Millionen Euro.

- Laut Innenminister Joachim Herrmann hat „der beständige Ausbau der Videoüberwachung an Bahnhöfen, Haltestellen und Verkehrsmitteln einen gewichtigen Anteil“ am Rückgang der Gewaltkriminalität in Bus und Bahn. So gingen 2013 die Körperverletzungs-delikte von 2237 auf 2195 zurück. Auch die Zahl der Sachbeschädigungen sank von 2686 auf 2451 Fälle. Herrmann: „Ein vergleichbarer Trend zeigt sich auch schon für 2014.“ Herrmann fordert die Ausweitung auf die übrigen Stadtgebiete: „Kameras erhöhten das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger.“

Die grüne Fraktions-Chefin im Landtag Margarete Bause warnt: „Bei absehbaren Bedrohungen, etwa im Zusammenhang mit gewalttätigen Ausschreitungen im Umfeld von Fußballspielen oder Großveranstaltungen, kann letztlich nur erhöhte Polizeipräsenz für Sicherheit sorgen.“ Der datenschutzpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Florian Ritter, erklärt: „Dass durch Videoüberwachung Straftaten verhindert werden, wird von Experten schon lange bezweifelt, da sich Kleinkriminalität nur verlagert und Angriffe auf Leib und Leben trotz Überwachung stattfinden.“

J. Welte

So viele Kameras beobachten uns

S-Bahnhöfe 582

S-Bahn-Züge 3808

U-Bahnhöfe 1417

U-Bahn-Züge 496

Bus 950

Tram 636

Diese Fälle klärte die Polizei mit Bildern aus der Überwachungskamera:

S-Bahn: Ein Schaffner und ein Fahrgast gerieten im Oktober 2012 am S-Bahnhof Donnersbergerbrücke in Streit. Der Fahrgast schubste seinen Kontrahenten aufs Gleis – und haute ab. Dank eines Videos wurde er gefasst. Der Mann war ein bekannter Kellner vom Tegernsee.

Bus: Er soll im Mai und Juni 2014 nachts entlang der Routen der Nachtlinien-Busse in Großhadern und Fürstenried Jagd auf Frauen gemacht haben. Mithilfe der Videobilder aus dem Bus und DNA-Spuren konnte der mutmaßliche Vergewaltiger – ein Student aus Brasilien – gefasst werden.

U-Bahn: Am U-Bahnhof Münchner Freiheit schlugen zwei Graffiti-Sprayer einen 22 Jahre alten Elektroniker im Herbst 2009 brutal zusammen. Die Fotos der Überwachungskamera landeten in der Zeitung. Zwei Tage später waren die beiden 18 und 19 Jahre alten Täter geschnappt.

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