Der Kampf um den Franziskaner: Hier lebt die Tradition weiter

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München - Ganz München bangt um die Zukunft des Franziskaner, der einem Kaufhaus weichen soll. Muss es wirklich sein, ein Stück Tradition aufzugeben? Die tz zeigt, dass es auch anders geht – und dass der Kampf um die Wirtshauskultur leider nicht immer erfolgreich ist.

Die Milliardärsfamilie um Baron August von Finck will den Komplex mit dem Traditionswirtshaus Zum Franziskaner in der Residenz- und Perusastraße in einen Shopping-Tempel umbauen. Das würde das Aus einer Institution bedeuten. Seit 1966 bewirten die Reinbolds im 1910 errichteten Franziskaner ihre Gäste. Die Weißwürste hier sind legendär. Gegen die Pläne der Milliardäre tut sich allerdings eine breite Front auf: Die Fraktionen von CSU, SPD und Freien Wähler kritisieren die Pläne der Eigentümer und wollen alle Möglichkeiten prüfen, den Umbau zu verhindern – mit Rückendeckung des Hotel- und Gaststättenverbandes. Die Spaten-Löwenbräu AG pocht auf den bis 2022 laufenden Pachtvertrag. Und Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) verweist auf den Denkmalschutz, unter dem das Stammhaus in der Perusastraße steht, eine Umwandlung in ein Einkaufszentrum sei nicht ohne Weiteres möglich. Und jetzt kämpft auch noch eine Online-Petition gegen die Schließung des Franziskaner. Bis Montag unterschrieben dort 509 Unterstützer.

Lesen Sie fünf Beispiele, wie der Kampf ums Wirtshaus woanders ausging:

Donisl

Seit 1715 wird im Donisl an der Weinstraße Bier ausgeschenkt. Von 1985 bis 2012 bewirtete die Familie von Karl-Heinz Wildmoser ihre Gäste in Wurfweite des Rathauses unter dem Motto „München muss nicht teuer sein“. Als der Vertrag auslief, entschieden sich die Eigentümer – die Hacker-Pschorr-Brauerei und die Bayerische Hausbau –, das Gasthaus zu erhalten. Derzeit läuft der Umbau des Wirtshauses, nur die Fassade blieb stehen. Im Dezember ist Wiedereröffnung. Brauerei-Sprecherin Birgit Zacher: „Wir freuen uns, dass im Donisl nicht nur die Tradition erhalten bleibt, sondern dass er bald auch in neuem Glanz erstrahlt.“ Brauerei-Chef Andreas Steinfatt (v. l.), Architekt Andreas Hild und der neue Wirt Karlheinz Reindl stießen schon mal an einem Mustertisch auf die Wiedereröffnung an.

Steirer am Markt

Das Eckhaus am Viktualienmarkt gehört dem Doblinger Baukonzern. Von 1972 bis Anfang 2014 wurde hier im Löwen am Markt Löwenbräu ausgeschenkt. Mit dem Ende des Mietvertrages entschied sich der Eigentümer 2014 für einen Pachtvertrag mit der Wirtsfamilie von Dieter und Werner Hochreiter (2. v. l.), die schon den Biergarten am Viktualienmarkt um die Ecke betreibt und auf der Wiesn mit drei Zelten vertreten ist. Das Wirtshaus brummt: „Wir servieren neben bayerischem Bier auch steirische Weine und steirische Speisespezialitäten – das hat sich längst etabliert“, verrät Werner Hochreiter der tz.

Unionsbräu

Drei Jahre lang hat das städtische Kommunalreferat einen neuen Pächter für das Unionsbräu in Haidhausen gesucht, nachdem der bisherige Wirt Wiggerl Hagn in die Hirschau umgezogen war. Im Dezember wird das 1885 eröffnete Traditionslokal an der Einsteinstraße endlich wiedereröffnet: vom Laimer Wirt Igor Divjak, der das bayerische TexMex-Restaurant Huiras an der Camerloherstraße erfolgreich betreibt. „Wir mussten die Eröffnung mehrfach verschieben, weil Münchens Handwerker so viel zu tun haben“, so Divjak. Trotz des Umbaus soll der Charakter des traditionellen Unionsbräu bestehen bleiben. Divjak: „Die Räume werden nur etwas heller.“

Bei diesen Lokalen hat's nicht geklappt

Gasthaus Grüntal

Das Wirtshaus zum Grüntal im Oberföhringer Herzogpark war die Traditionseinkehr im noblen Stadtteil am nordöstlichen Münchner Stadtrand. Die Aufregung war groß, als der Schörghuber-Konzern 2010 das Aus des Lokals verkündete, eine Bürgerinitiative um den Immobilien-Löwen Rolf Rossius bemühte sich, das Wirtshaus zu retten – ohne Erfolg. Es wurde an einen anderen Bauträger verkauft. Auf dem Grundstück entsteht nun ein luxuriöses Wohnprojekt mit dem klingenden Namen Leisure Living (deutsch: Freizeit-Leben). Es entstehen dort seit dem Sommer elf Wohneinheiten in einer Größe von 69 bis 436 Quadratmetern. Der Preis: 13 000 bis 15 000 Euro pro Quadratmeter.

Hundskugel

Das Wirtshaus zur Hundskugel befand sich in einem der ältesten noch erhaltenen Gebäude der Münchner Innenstadt, das 1484 erstmals nachgewiesen wurde. Zu den Gästen gehörte einst der Dichter Heinrich Heine (1797–1856). Von 1983 bis zu dessen Ermordung 2005 gehörte es dem Modezaren Rudolph Moshammer (auf dem Bild von 1997 mit seinem Chauffeur Andreas Kaplan). Dieser hatte es der Stadt vererbt mit der Auflage, das Gebäude einem sozialen Zweck zuzuführen. 2011 wurde das Gasthaus aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Es wird nun von der 2008 von Bestsellerautor Jürgen Todenhöfer gegründeten Stiftung Sternenstaub gepachtet. Die „Hundskugel“ dient als Gemeinschaftsraum für Gruppenarbeit.

Johannes Welte

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