Mehrere Parteien wollen für Schwabinger 7 kämpfen

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Ist die Schwabinger 7 Kneipen-Kult oder überlebte Kneipen-Melancholie?

München - Die Freunde der Schwabinger 7 schöpfen Mut: Mehrere Parteien wollen an ihrer Seite kämpfen. Was bei einem Strategie-Gipfel herausgekommen ist:

Totgesagte dürfen hoffen. Düster war es geworden um die Schwabinger 7, der Protest der Künstler und Zecher blieb einsam, weder Stadt noch Politik wollten die Kult-Kneipe in der Feilitzstraße vor dem Abriss retten. Selbst die Mieter-Präsidentin Beatrix Zurek freute sich über die 35 geplanten Luxus-Wohnungen.

Doch jetzt schöpfen die Freunde der „Sieben“ Mut: Mehrere Parteien wollen an ihrer Seite kämpfen, meinen eine Lücke in der Baugenehmigung der Stadt ausgemacht zu haben. Die Grünen riskieren gar einen riesigen Koalitionskrach mit der SPD, die in sich zerstritten zu sein scheint, während OB Christian Ude schweigt. So leicht ist sie nicht totzukriegen: Das sind die sieben Leben der Schwabinger 7!

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Am Mittwochabend trafen sich die Freunde der Nachkriegsbaracke zum Strategie-Gipfel im „Vereinsheim“, zu dem Gastronom und Lustspielhaus-Chef Till Hofmann und die Schwabinger Bürgerversammlung geladen hatten. Kabarettist Sven Kemmler plädierte dafür, die Schwabinger 7 auf jeden Fall zu erhalten: „Das ist Subkultur, die über die Stadt hinaus bekannt ist, und davon gibt es in München kaum noch welche.“ Genau darum geht es der Bürgerinitiative „Rettet die Münchner Freiheit“ um Sprecher Florian Raabe: „Unser Optimalziel ist es, die Schwabinger 7 zu erhalten – allein schon als Symbol.“ Gegen den Luxus-Wahn!

„Das optimale wäre, das Ganze vier Jahre lang auf Eis zu legen und in Ruhe zu diskutieren, was man an dieser Stelle will“, fand Grünen-Stadträtin Jutta Koller mit Blick auf eine so genannte Veränderungssperre. „Wir brauchen in München mehr Schmuddel­ecken, wo nicht alles geschleckt und gestylt ist.“

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Die Unterstützer hängen ihre Hoffnung an eine bürokratische Formalität: Die Grünen im Stadtrat behaupten, dass die Nachbarn nicht zugestimmt hätten, dass der Investor beim Luxus-Neubau Abstandsflächen überschreiten darf. Das ist auch dem Wirt der Schwabinger Sieben, Gerd „Manila“ Waldhauser, zu Ohren gekommen.

Einem anderen Besucher ging der Hut hoch. Der Vorsitzende des Schwabinger Bezirksausschusses, Werner Lederer-Piloty (SPD), sagte: „Die Schwabinger 7 ist eine Saufkneipe, der Leuchtturm einer Entwicklung, die wir in Schwabing nicht haben wollen.“ Das Viertel lebe vom Wandel: Geht die „Sieben“, kommt etwas anders.

Andererseits steht der SPD-Politiker den Anhängern in einer anderen Frage bei: Bestehende Häuser in Altschwabing und deren Bewohner müsse man schützen. „Die Erhaltungssatzung ist überfällig.“ Dafür will Lederer-Piloty sich im Bezirksausschuss einsetzen.

Die SPD ist zerrissen. Die Landtagsabgeordneten Franz Maget und Hans-Ulrich Pfaffmann trafen sich letzte Woche zum „Soli-Bier“ in der Kneipe, Isabell Zacharias will bei der Demo am Freitag reden – und die Parteifreunde im Stadtrat regen sich auf. „Ich kann jedem Anhänger nur empfehlen, Geld zu sammeln, um den Eigentümern das Grundstück abzukaufen“, ätzt SPD-Rathaus-Chef Alexander Reissl. Ein zweistelliger Millionenbetrag sei der einzige Weg, den Abriss zu verhindern. Das gelte auch für die Koa­litionäre der Grünen.

Deren Argument könne den Abriss nie stoppen, das wüssten die Grünen auch. „Es geht hier um Sachlichkeit und Recht – und nicht darum, zu Lasten der Koalition lieb Kind zu machen.“ Das werde intern noch zu besprechen sein. Auch die Rathaus-CSU hat ihre Liebe zur „Sieben“ entdeckt. „Wir müssen die netten Seiten Münchens erhalten“, sagt Fraktionschef Josef Schmid, der aber selbst noch nicht in der Schwabinger 7 war.

Maren Kowitz, David Costanzo

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