Kampf gegen das Radl-Chaos: Lösung in Sicht

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Radler auf breiter Front und in beiden Richtungen auf der Residenzstraße: Werden sie künftig auf Fußgänger Rücksicht nehmen?

München - Münchner Radl-Chaos: Seit drei Jahren tüfteln Verkehrsplaner an einer Neuordnung. Es ist eine extrem verzwickte Aufgabe. Nun ist das Planungsreferat aber offenbar einer Lösung auf der Spur.

Die Nord-Süd-Direttissima durch den Stadtkern ist ein Gefahrenstreifen für alle Beteiligten: Die 600 Meter lange Strecke vom Odeonsplatz bis zum Rindermarkt wird von Radlern, Fußgängern und teilweise von motorisiertem Verkehr genutzt. Beinahe-Zusammenstöße sind an der Tagesordnung.

Seit drei Jahren tüfteln Verkehrsplaner an einer Neuordnung – es ist eine extrem verzwickte Aufgabe. Nun ist das Planungsreferat aber offenbar einer Lösung auf der Spur: Fußgänger und Radler sollen sich auf der ganzen Fahrbahnfläche gleichberechtigt bewegen dürfen, mit gegenseitiger Rücksichtnahme.

Ganz einig sind sich die drei beteiligten Referate noch nicht, die Vorlage für die Stadtratssitzung am 25. Mai wird derzeit abgestimmt.

Dass es dort gleich eine Einigung gibt, ist unwahrscheinlich. Immerhin wäre der Wunsch der SPD nach einer möglichst einheitlichen Regelung für den ganzen Bereich erfüllt.

Die Schritttempo- und „5 km/h“-Schilder, die das Kreisverwaltungs­referat an der roten Radlerspur aufgebaut hat, verfehlten weitgehend ihren Zweck. Die Radler nutzten „ihre“ Spur als Rennstrecke. Deshalb nun das Prinzip Gleichberechtigung und Rücksichtnahme. „Rücksichtnahme wäre schon bisher möglich gewesen“, zweifelt CSU-Fraktionsvize Richard Quaas an der Praktikabilität der Gemeinschaftsfläche. Er ist dafür, dass Fußgänger Vorrang haben, „von mir aus auf verbreiterten Gehwegen“.

An der Residenzstraße würde das auch eher dem historischen Vorbild entsprechen. Die Verwaltung solle ihre „realitäts­ferne Wischiwaschi-Lösung“ noch mal überdenken, fordert Quaas. Fragwürdig findet er auch die Idee, Radler in größeren Mengen auf die parallel verlaufende Sparkassenstraße umzuleiten. Die sei vor allem morgens und abends selbst stark belastet.

Auch der Allgemeine Fahrradclub sieht in diesem Bypass keine echte Alternative. ADFC-Sprecherin Traudl Schröder fordert in diesem Fall die Widmung der Sparkassenstraße zur Fahrradstraße, in der Radler Vorrang haben, „am besten als Einbahnstraße“.

Barbara Wimmer

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