Der Kampf um das Herz Schwabings

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Das Grundstück mit der Schwabinger 7, dem Monopol-Kino, Mamas Kebab Haus und dem Tight Shop. An seiner Stelle ist ein vornehmer Wohn- und Geschäftsblock geplant.

München - Die schleichende Umgestaltung der Münchner Innenstadt in ein Luxusquartier stößt auf immer mehr Widerstand. Jetzt gibt es eine Gruppierung, die sich für den Erhalt der Gebäude in der Feilitzschstraße einsetzt.

 Nachdem in Untergiesing bereits eine Bürgerinitiative gegen den Abriss historischer Kutscherhäuser kämpft, hat sich in Schwabing ebenfalls ein Bündnis gegen die Umwandlung des Kultgrundstückes rund um die legendäre Schwabinger 7 nahe der Münchner Freiheit gegründet.

Wie die tz berichtete, laufen die Mietverträge für die Kultkneipe sowie das Monopol-Kino, den Hip-Hop-Klamotten-Laden Tight Shop, Mamas Kebab Haus und weitere Geschäfte Ende Juni aus. Die Gebäude sollen abgerissen werden, an ihrer Stelle ein vornehmes Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Seit Montagabend kämpft die neu gegründete Bürgerinitiative „Rettet die Münchner Freiheit – Für ein kulturelles Schwabing“ gegen den Abriss.

Die zweite Zerstörung Münchens: Bausünden nach dem 2. Weltkrieg

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Paul Zschornack, Tobias Rutloff, Markus Onur und Florian Raabe kämpfen für das Kultviertel.

„Lebenswerte Treffpunkte für Kunst, Kultur und Nachtleben würden ersatzlos abgerissen und durch Luxuswohnungen ersetzt, die Neubebauung ist sozialpolitischer Sprengstoff für das gesamte Viertel!“, kritisiert Florian Raabe, Vorstand der Grünen Jugend München und Mitgründer der Initiative. Tobias Ruttloff, Referent für Stadtplanung der Bürgerinitiative, fordert das Rathaus zum Handeln auf: „Die Stadt hat mit der Aufstellung eines Bebauungsplanes das nötige Mittel, um das irrsinnige Vorhaben zu verhindern. Es kann eine Veränderungssperre verhängt werden, so dass in dem Viertel vorläufig nichts mehr verändert werden darf.“ Schwabinger Wirte, Theater- und Kinobetreiber hätten sich schon der Initiative angeschossen.

Auf www.facebook.de/muenchner.freiheit trugen sich innerhalb von 24 Stunden schon über 100 Unterstützer ein. Am Mittwoch geht die Initiative mit der Homepage www.kulturelles-schwabing.de online. Markus Okur, Mediengestalter der Initiative, kündigt an: „Wir werden den Protest auf der Straße vor allem über das Internet koordinieren.“ Am Freitag will sich die Bürgerinitiative bei einer Pressekonferenz vorstellen.

J. Welte

Schwabings Rathaus ist weg

Die alte Post an der Leopoldstraße.

Das im Jahr 758 erstmals erwähnte Schwabing ist 376 Jahre älter als München, in das es 1890 eingemeindet wurde. Vier Jahre zuvor hatte es Prinzregent Luitpold noch zur Stadt erhoben. Das historische Zentrum lag am Feilitzschplatz, wo bereits die ehemalige Stadtwerke-Werkstatt mit Zählermuseum verkauft und in einen luxuriösen Wohn- und Geschäftskomplex umgewandelt wurde.

Der Wandel Schwabings vom Künstlerviertel zur teuren Büro- und Wohnadresse machte nicht mal vor dem Schwabinger Rathaus an der Leopoldstraße Halt, wo zuletzt die Post untergebracht war. Das Gebäude wurde voriges Jahr abgerissen, an seiner Stelle entstehen die Münchner Freiheit Offices, sie sind ein Geschoss höher wie der Altbau und haben ein ausgebautes Dachgeschoss.

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