Kampf der Inkasso-Abzocke

München - Sie machen Kasse mit der Angst der Verbraucher – dafür geraten zwielichtige Schuldeneintreiber jetzt bundesweit ins Visier der Verbraucherschützer. Wie Sie sich schützen können.

 „Wir stellen verstärkt fest, dass immer mehr dubiose und unseriöse Inkassounternehmen Mahnbriefe wegen angeblicher Forderungen verschicken oder unberechtigte Forderungen einzutreiben versuchen. sagt Tatjana Halm, Rechtsreferentin der Verbraucherzentrale Bayern zur tz.

Die Verbraucher in Bayern beschweren sich in letzter Zeit vor allem über finanzielle Forderungen wegen der Teilnahme an Gewinnspielen und Lotterien, der Nutzung von Internet-Servicediensten, die sich als versteckte Abofallen entpuppen oder untergeschobenen Vertragsabschlüssen am Telefon. „Das Problem ist“, so Tatjana Halm, „dass sich viele Verbraucher von den Mahnschreiben beeindrucken lassen. Denn genau darauf setzen unseriöse Inkassounternehmen.“

Besonders ältere Menschen seien oft geschockt, wenn sie solche Briefe erhielten. Halm: „Aus lauter Angst überweisen sie dann das geforderte Geld.“ Häufig treiben die Inkassobüros ihre Forderungen auch mit Drohungen und Psychotricks ein, sagte Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen. „Sie drohen in ihren Mahnschreiben damit, dass es nur noch teurer wird, wenn man nicht schnell bezahlt.“ Oft würden auch unzutreffende Paragrafen und Urteile zitiert und mit dem Gerichtsvollzieher oder einem unberechtigten Schufa-Eintrag gedroht. Reichertz: „So werden Verbraucher zu einem Schuldeingeständnis gezwungen, obwohl sie vielleicht gar nicht zahlen müssten.“

Gegen die schwarzen Schafe wollen jetzt acht Verbraucherzentralen bundesweit mit einer gemeinsamen Aktion vorgehen. Bis September sammeln und vergleichen sie Fälle von dubiosen Inkasso-Praktiken und überprüfen die Zulassung der Unternehmen. Dabei gehe es nicht nur darum, ob die Grundforderung berechtigt ist, sondern auch um Vollmachten, die Berechnung der Kosten und eventuelle Zusammenarbeit der Inkassobüros mit unseriösen Gläubigern. Die Erkenntnisse sollen im Herbst der Justiz bzw. den entsprechenden Ministerien weitergeleitet werden. Tatjana Halm: „Wir sehen hier einen großen Handlungsbedarf. Seitens der Behörden wurde hier lange tatenlos zugeschaut.“

Auch die Höhe der Inkassogebühren wollen sich die Verbraucherschützer genau anschauen. „Dafür gibt es aber leider keine gesetzliche Regelung“, so Reichertz. Nach den Regelsätzen für Anwälte dürfen Inkasso-Unternehmen für Beträge unter 300 Euro maximal 32,50 Euro an Gebühren verlangen. Doch oft verlangen unseriöse Unternehmen „Fantasiegebühren“, die weit über dem legalen Rahmen liegen. Verbraucher, die einen Vertragsabschluss gegenüber dem Gläubiger schon bestritten haben, müssen eigentlich nicht für die Inkassogebühren aufkommen.

Uwe Fajga

So wehren Sie sich gegen Forderungen

Wenn Forderungen von Inkassounternehmen ins Haus flattern, sollten diese nicht ungeprüft beglichen werden. „Auf keinen Fall sofort bezahlen“, sagt Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern . Die tz informiert, wie Verbraucher auf derartige Schreiben reagieren sollten:

Adressat überprüfen: Verbraucher sollten sich von unerwarteten und unberechtigten Forderungen nicht einschüchtern lassen. Erst einmal sollte man das Schreiben prüfen. „Die Inkassofirma muss registriert sein“, so Tatjana Halm. „Das muss im Briefkopf zu erkennen sein.“ So müsse dort etwa angegeben werden, bei welchem Gericht die Firma unter welcher Nummer geführt werde. Diese Angaben können Verbraucher auf der Internetseite www.rechtsdienstleistungsregister.de überprüfen.

Vollmacht des Gläubigers: „Dem Schreiben des Inkassobüros oder des Anwalts muss immer eine Vollmacht des Gläubigers beiliegen. Denn nur dann können Verbraucher erkennen, wer hinter der Forderung steht“, erklärt Halms Kollegin Simone Meisel von der VZ Sachsen-Anhalt. Soll der geforderte Betrag direkt an das Inkassounternehmen gezahlt werden, müsse es zudem eine Vollmacht zum Empfang des Geldes vorlegen können.

Drohung mit Kontopfändung: Wenn in dem Schreiben gleich mit einer Kontopfändung gedroht wird, sollte man misstrauisch werden. Meisel: „Das könne ein Hinweis auf eine unseriöse Inkassofirma sein.“

Widerspruch einlegen: Auch wenn die Forderung unberechtigt ist, müssen Betroffene aktiv werden. „Es sollte unbedingt Widerspruch eingelegt werden“, sagt Tatjana Halm. Der Widerspruch sollte am besten per Einschreiben mit Rückschein verschickt werden. Unbestrittene Forderungen können unter Umständen bei der Schufa landen. Demnach können Firmen säumige Zahler an Auskunfteien melden, wenn nach einer zweimaligen Zahlungsaufforderung keine Zahlung einging.

Achtung: Im Internet kann man sich einen Musterbrief der Verbraucherzentralen runterladen unter www.vz-berlin.de, Stichwort musterbrief.

Weitere Mahnschreiben: Diese können Verbraucher ignorieren, wenn sie einmal Widerspruch eingelegt haben. Meisel: „Wenn es keine Grundlage für die Forderung gibt, muss man in der Regel nichts mehr machen.“

Hier gibt’s Hilfe: Verbraucherzentrale Bayern, Tel.: 089-539870, Internetadresse: www.vz-bayern.de. Eine persönliche Rechtsberatung kostet 15 Euro.

uf.

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