Der Kampf um das Pasinger Rathaus

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CSU-Rathauschef Josef Schmid kämpft gegen die Schließung des Standesamtes im Pasinger Rathaus. Links der Altbau von 1938, rechts der Neubau von 2002

München - Es ist ein Privileg, dass die Pasinger aufgrund ihrer Geschichte genießen: Der Stadtteil im Westen, ehemals eine eigene Stadt, hat ein eigenes Rathaus. Doch wie lange noch?

Es ist ein Privileg, dass die Pasinger aufgrund ihrer Geschichte genießen: Der Stadtteil im Westen, ehemals eine eigene Stadt, hat ein eigenes Rathaus. Auch wenn die Pasinger 2005 auf ihre Autonomie endgültig verzichten mussten, haben sie doch noch ein eigenes Standesamt. 2002 wurde ein Neubau für 12,5 Millionen Euro errichtet, indem auch das einzige Standesamt Münchens außerhalb des Kreisverwaltungsreferates an der Ruppertstraße seinen Sitz hat. Die Brautpaare aus dem Münchner Westen lieben „ihr“ Standesamt, zumal es nahe am Wohnort liegt und eine gemütlichere Atmosphäre hat, als die großen Hallen im KVR.

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Wilfried Blume-Beyerle.

Doch Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle sieht sich gezwungen, das Gebäude zu schließen. Grund sind die Sparmaßnahmen, die ihm das Rathaus auferlegt hat. Voriges Jahr musste er schon 3,3 Millionen Euro sparen, und der Rotstift wird weiter wüten. Im nächsten Kreisverwaltungsausschuss wird Blume-Beyerle in zwei Wochen sein Sparkonzept vorlegen, das auch die Schließung des Pasinger Standesamtes vorsieht. Heute Abend wird der Pasinger Bezirksausschuss die Pläne bereits einstimmig ablehnen, doch entscheiden wird der Stadtrat. Nun will CSU-Rathausfraktionschef Josef Schmid den Pasingern beispringen: „Ich verwahre mich absolut gegen die Schließung!“ Der Plan verstoße gegen den Eingemeindungsvertrag von 1938. „Außerdem wäre die Schließung eine Abkehr von der Bürgerfreundlichkeit und würde der Dezentralisierungspolitik der Stadt widersprechen, die ihre Sozialbürgerhäusern in den Stadtteilen ausbaut.“

J. Welte

Rathaus ist vertraglich garantiert

Mit der ersten urkundlichen Erwähnung vom 29. Juni 763 ist Pasing deutlich älter als die Landeshauptstadt München selbst. Viele Jahrhunderte lang war die Siedlung an der Würm ein reines Bauerndorf mit einem Kloster. Mit dem Bau der Bahn München – Augsburg im Jahr 1840 ging’s mit Pasing steil aufwärts. Industrie siedelte sich an, dann folgten vornehme Münchner, die sich in den Villenkolonien nördlich des Bahnhofs niederließen. Die Einwohnerzahl schnellte in die Höhe. Am 1. Januar 1905 wurde Pasing zur Stadt erhoben.

1938 war damit wieder Schluss: Die Nazis gemeindeten die florierende Stadt in die „Hauptstadt der Bewegung“ ein. Eine dubiose Rolle spielte Oberbürgermeister Alois Wunder. Auf der einen Seite erkämpfte er für Pasing einige Privilegien, die bis heute Gegenstand des Eingemeindungsvertrages sind. Dazu gehört auch der Erhalt des Pasinger Rathauses mit allen für die Bürger relevanten Dienstsstellen. Eine „volks- und ortsnahe Verwaltung“ wurde vertraglich zugesichert. Auf der anderen Seite hatte es Wunder als Mitglied der NSDAP geduldet, dass Nicht-Nazis im Rathaus brutal misshandelt wurden.

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