Kampf ums Tempo! Wo Autos bremsen sollen

München - Auf zehn Münchner Hauptstraßen soll Tempo 30 geprüft werden. Fast die gesamte Politik steigt da auf die Bremse – nur die Grünen unterstützen den Plan. Wir zeigen, wo Autos künftig bremsen sollen.

Risse gehen durch die Koalition sowie durch Stadtverwaltung und Stadtrat: Das Umweltreferat mit dem grünen Joachim Lorenz an der Spitze stellt den städtischen Plan gegen Lärm vor. Demnach soll an zehn Hauptstraßen Tempo 30 geprüft werden! Fast die gesamte Politik steigt da auf die Bremse – nur die Grünen unterstützen den Plan. Am Dienstag wird abgestimmt.

„Das ist eine wichtige Entscheidung“, rechtfertigt sich Stadträtin Sabine Nallinger. „Es geht um die Gesundheit der Bevölkerung.“ Lärm erhöhe das Risiko etwa für hohen Blutdruck, Kreislaufkrankheiten bis hin zum Herzinfarkt. Die Untersuchung in der Stadt hätte ergeben, dass an 130 der 600 Kilometern Hauptstraße die Grenzwerte überschritten werden – 37 000 Münchner leiden unter Lärm. Da die Grenzen sinken sollen, werden es demnächst sogar 50 000 sein.

Darum will das Umweltreferat die 24 schlimmsten Stellen beruhigen: Für Lärmschutzfenster stellt die Stadt 810 000 Euro zur Verfügung – maximal 5000 Euro pro Wohnung. Studien laufen zum Flüster-Asphalt: Der helfe auf Autobahnen, erklärt Nallinger, sei aber in der Stadt bei vielen Abbiegern wohl nicht sehr wirksam. Und an zehn Stellen soll Tempo 30 geprüft werden. Das seien nur 30 Kilometer, sagt sie. Berlin habe das Limit auf 50 Kilometern Hauptstraße eingeführt.

Alle anderen Parteien reißen an der Handbremse: „Damit will man per Radarfallen Autofahrer abkassieren“, sagt etwa FDP-Fraktionschef Michael Mattar. Auch die CSU kann sich keine Zustimmung vorstellen. Selbst die SPD, der große Koalitionspartner der Grünen, lehnt ab, weil der Plan nicht durchzusetzen und kaum wirksam sei.

Wo Autos bremsen sollen

Kapuzinerstraße: Die vierspurige Straße ist mit ihren 34 000 Autos am Tag fast so laut wie der Mittlere Ring. Die Stadt will Tempo 30 nachts prüfen.

Schwanthalerstraße: 30 000 Autos rauschen hier durch. Nachts soll Tempo 30 auf der ganzen Länge gelten.

Gabelsberger-/Theresienstraße: Die Stadt überlegt, die Einbahnstraße in der Gabelsbergerstraße aufzuheben. Tempo 30 ganztags könnte folgen.

Frankfurter Ring: Hier donnern am Tag zusätzlich 4000 Laster, für die ein Gutachter nachts Tempo 30 fordert.

Rosenheimer Straße: Auf dieser Hauptausfallstraße mit 28 000 Autos am Tag will die Stadt tatsächlich Tempo 30 ganztägig prüfen lassen!

Humboldtstraße: Über die Kreuzung mit der Pilgersheimer Straße brettern 30 000 Autos. Nachts soll Tempo 30 kommen.

Brudermühlstraße: Wer vom Mittleren Ring aus dem Tunnel zur Schäftlarnstraße fährt, könnte künftig den ganzen Tag auf 30 gebremst werden.

Auen-, Wittelsbacher-, Ehrengut-, Isartalstraße: Über die Isar-Achse rauschen 27 000 Autos am Tag – Tempo 30 soll nachts mehr Idylle schaffen.

Schwanseestraße: Auch eine Hauptausfallstraße mit 16 000 Autos täglich: Laster sollen nachts auf Tempo 30 gebremst werden.

Lindwurmstraße: Südlich der Bahn fahren noch 23 000 Autos – bald ganztags nur noch mit Tempo 30?

David Costanzo

Rubriklistenbild: © dpa

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