Seit 25 Jahren passiert nichts

Kanal-Krach: Wann kommt der Deckel?

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Klaus Bäumler zeigt den offenen ­Kanal.

München - Eigentlich sollte er schon lang nicht mehr zu sehen sein, der so genannte Notauslasskanal des Klärwerks Großlappen. Doch darauf warten die Menschen in Freimann seit 25 Jahren.

Der tiefe Graben zieht sich noch immer durch die Landschaft – obwohl der Stadtrat bereits 1988 entschieden hat, den Kanal „landschaftsgerecht zu gestalten“. Im Klartext: Es soll ein Deckel drauf. Passiert ist bisher aber nix. Klaus Bäumler, ehemaliger Bezirksausschuss-Vorsitzender, fragt sich: Was ist da los?

Das Baureferat erklärt auf Nachfrage von Hallo München: Man hat sich schon mit der Sache beschäftigt – und zwar im Juli 1998. Ergebnis der Überlegungen damals: Der Antrag wird zurückgestellt, um Geld zu sparen. Also erst mal kein Deckel! Das entspricht auch einem Grundsatzbeschluss des Stadtentwässerungsausschusses von 1994. Demnach wird in Sachen Kanalsanierung nur das gemacht, was unbedingt notwendig ist.

Wobei Klaus Bäumler allerdings überzeugt ist: Gerade die Abdeckung dieses Grabens im Münchner Norden wäre unbedingt nötig. Denn, so Bäumler: „Der 750 Meter lange Notauslasskanal zerschneidet das Landschaftsschutzgebiet und beeinträchtigt den Erholungswert der Isar­auen.“ Außerdem, so Bäumler, unterbreche der Kanal den natürlichen Lauf des Schwabinger Altbachs. Und: Das Gebiet ist Mitte der 90er-Jahre als so genanntes Fauna-Flora-Habitat ausgewiesen worden. Hier gelten besondere Naturschutzbestimmungen. Bäumler: „Da muss man sich ohnehin Gedanken machen, wie man das Areal aufwerten kann.“

Bäumlers eigener Vorschlag ist vor allem der Deckel. Die CSU hat am Mittwoch im Stadtrat erneut einen entsprechenden Antrag gestellt. Die Sache sei „dringlicher denn je“, heißt es. Es gebe am Kanal auch gelegentliche Geruchsbelästigungen. Was in der Sache jetzt passiert, muss man sehen – da fließt wohl noch viel Wasser die Isar runter. Der Graben bleibt derweil offen.

Wichtig ist der Kanal vor allem in Zeiten starken Regens – dann fließt hier Wasser ab, das sonst für Überschwemmungen sorgen würde.

Klaus Bäumler weiß: „Klar, Verzögerungen kommen vor.“ Hier geht es allerdings um 25 Jahre.

Sascha Karowski

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