Kurz vor dem Winter

Kapitaler Missstand: Stadt fehlen 1200 Plätze für Wohnungslose

Immer mehr Menschen in Deutschland sind ohne eigenes Obdach. In München ist die Lage ebenfalls dramatisch. Ein Bettplatz in einer Unterkunft kostet durchschnittlich 500 Euro im Monat. 

München - Bundesweit haben geschätzt bereits 422 000 Menschen keine Wohnung. Auch in München verschärft sich das Problem: Aktuell leben hier etwa 8700 Menschen, die kein eigenes Obdach haben. Vor fünf Jahren waren es erst 3800.

Dabei tut sich die Stadt immer schwerer damit, sie unterzubringen. Für kommendes Jahr fehlen mindestens 1200 Plätze für Wohnungslose, wie aus der jüngsten Stadtratsvorlage von Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) und einer Antwort an die Bayernpartei hervorgeht. Aktuell stehen in der Wohnungslosenhilfe rund 5300 Bettplätze in fast 60 Häusern zur Verfügung: in gewerblichen Pensionen oder Beherbergungsbetrieben freier Träger, Notquartieren und Clearinghäusern. Geschätzt 550 Menschen leben auf der Straße. Zu den Wohnungslosen zählen auch immer mehr anerkannte Asylbewerber, die aus den Flüchtlingsunterkünften ausziehen müssen.

Allein heuer wird die Zahl der Wohnungslosen laut Schiwy um geschätzt 700 auf mehr als 9000 Menschen steigen, 2018 voraussichtlich um weitere 650. Hinzu kommen 500 anerkannte Asylbewerber. Zudem sind Schiwy zufolge die bestehenden Beherbergungsbetriebe bereits überbelegt. Damit werden nach neuester Schätzung mindestens 2200 neue Bettplätze für Wohnungslose notwendig.

1000 Plätze davon entstehen in Unterkünften, die die Stadt bereits geplant hat. Dazu gehören Wohnungslosenheime ebenso wie Flexiheime und Notquartiere freier Träger. Mit letzteren beiden will die Stadt verhindern, dass sie noch abhängiger von gewerblichen Beherbergungsbetrieben wird. Für 1200 Plätze in Pensionen jedoch gibt es noch keine Planung. Laut Schiwy sollen diese nun öffentlich ausgeschrieben werden.

Lange Wartelisten erschweren den Vergabeprozess

Ob die Stadt dieses Vorhaben schafft? „Wir sind gesetzlich verpflichtet, Wohnungslose unterzubringen, und werden die nötigen Kapazitäten schaffen“, sagte gestern ein Sprecher des Sozialreferats.

Ein Problem sind auch die langen Wartelisten für die wenigen Sozialwohnungen. Jährlich können nur knapp 3000 vergeben werden. Dabei kommen bereits mehr als 50 000 Münchner – vor allem Hartz-IV-Bezieher – auf dem freien Wohnungsmarkt gar nicht mehr zurecht. Viele stehen kurz davor, ihre Wohnung zu verlieren, weil sie die Miete nicht mehr zahlen können.

Dabei muss der Steuerzahler für die Wohnungslosigkeit tief in die Tasche greifen: Laut Schiwy kostet ein Bettplatz pro Monat durchschnittlich 500 Euro. Hochgerechnet kommt die Stadt so zurzeit auf Ausgaben um die 40 Millionen Euro jährlich. Die meisten Wohnungslosen beziehen Sozialleistungen, weswegen das Jobcenter und andere Träger diese Kosten übernehmen. Ein kleiner Teil sind Selbstzahler.

Rubriklistenbild: © dpa

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