Kardinal Marx: Für den Frieden kämpfen

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Mit einem Gottesdienst im überfüllten Münchner Liebfrauendom hat Kardinal Reinhard Marx am Sonntag das Internationale Friedenstreffen eröffnet.

München - Mit einem Gottesdienst im überfüllten Münchner Liebfrauendom hat Kardinal Reinhard Marx am Sonntag das Internationale Friedenstreffen eröffnet. Dabei rief er dazu auf, für den Frieden zu kämpfen.

Mit der Verurteilung jedweder Gewalt und ihrer Rechtfertigung durch Religion hat am Sonntag das Weltfriedenstreffen in München begonnen. Im Gedenken an die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA mahnte Bundespräsident Christian Wulff: “Für Judentum, für Christentum und für den Islam gilt: Religion gibt keine Lizenz zum Töten, Religion ist ein Weg, das Leben dankbar anzunehmen, das Leben gottgefällig und menschenwürdig zu gestalten.“

Der entscheidende Weg zum Frieden sei, eine Allianz der Kulturen und Weltreligionen zu schmieden. “Wir müssen die Konkurrenz gegenseitigen Misstrauens durch eine Allianz des Vertrauens besiegen“, sagte Wulff bei der Eröffnung des Friedenstreffens in der Residenz. “Leidenschaft für den Frieden, Verständigung zwischen den Religionen, eine Allianz der Kulturen und eine gemeinsame Praxis für das Wohl aller: Das sind die wichtigsten, besten und wahrscheinlich die einzig wirkungsvollen Antworten auf Hass und Terror“, betonte er.

Weltfriedenstreffen in München

Papst Benedikt XVI. mahnte in einem Grußwort, das verlesen wurde: “In unseren gemeinsamen Bemühungen um den Frieden dürfen wir niemals nachlassen. (...) Das Feld, auf dem die Frucht des Friedens gedeihen soll, muss ständig bearbeitet werden.“ Oft könne man nicht mehr tun, “als unablässig und in vielen kleinen Schritten den Boden für den Frieden in uns und um uns zu bereiten“. Benedikt verwies auf die großen Herausforderungen, “die nicht den einzelnen, sondern die ganze Menschheitsfamilie betreffen“, etwa Migration, Globalisierung und Wirtschaftskrisen. Frieden sei “ein ständiger Auftrag an uns alle“ und ein Geschenk, um das man bitten müsse, hieß es in dem Grußwort.

Zuvor hatten die Teilnehmer des Friedenstreffens der Gemeinschaft Sant'Egidio gemeinsam der Terror-Opfer des 11. September 2001 gedacht. Dabei beschwor der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, die Kräfte der Versöhnung, des Friedens und des Miteinanders. “Unsere Welt kann Schritt für Schritt zum Guten hin verändert werden“, sagte Marx. “9/11 ist zehn Jahre danach auch ein Auftrag, eine Sendung, sich nicht der Logik der Rache, der Gewalt und der Feindschaft zu unterwerfen“. Auch Marx betonte: “Wir wehren uns entscheiden gegen den Missbrauch des Namens Gottes, gegen jede Gewalt, Ausbeutung, Unterdrückung im Namen der Religion. Sich auf Gott zu berufen und unschuldige Menschen zu töten, ist Blasphemie.“

Wulff nannte den Anschlag auf die USA vor zehn Jahren einen “Angriff auf uns alle“. “Es war ein Angriff auf unsere gemeinsamen Werte. Wir müssen diese Werte bewahren, verteidigen, schützen - gerade auch im Kampf gegen den Terrorismus“, mahnte er. Der Gründer der Gemeinschaft Sant'Egidio, Andrea Riccardi, sagte in seiner Rede, Terrorismus sei die verdorbenste Art von Gewalt. Dabei seien aber alle Völker zum Zusammenleben bestimmt, betonte er und mahnte: “Deshalb müssen wir Nein zum Fanatismus sagen, Nein zum Terrorismus.“

Am 11. September 2001 hatten islamistische Terroristen in den USA fast 3000 Menschen mit sich in den Tod gerissen, als sie gekaperte Passagierflugzeuge in die beiden Zwillingstürme des World Trade Center in New York und in das Pentagon in Washington steuerten.

Wulff mahnte vor dem Hintergrund der derzeitigen Umbrüche in vielen Ländern der Welt: “Menschen, die Angst haben, sind keine friedlichen Menschen. Menschen die Angst haben müssen, ungerecht behandelt zu werden, unterdrückt und an den Rand gedrängt zu werden, werden keinen Frieden schließen.“ Den Menschen die Angst zu nehmen, das sei der wohl wichtigste Weg zum Frieden. “Das heißt aber vor allem für Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Fairness zu sorgen - in den einzelnen Gesellschaften und international“, sagte Wulff.

Der Bundespräsident erinnerte aber auch an die Verfolgung von Christen in vielen Ländern. “Viel mehr, als uns hier in Europa bewusst ist, werden Christen unterdrückt, verfolgt, vertrieben, ermordet. Auch daran müssen wir heute erinnern - und eben daran, welche Kraft Toleranz, Feindesliebe und Versöhnung kosten kann.“

Kardinal Marx bezeichnete die Zeit seit dem 11. September 2001 als “verlorenes Jahrzehnt“. “Wir haben uns allzu sehr in Kriegsszenarien und Kampfesrhetorik bewegt“, kritisierte er. Auch zehn Jahre danach sei die Wunde nicht einfach verheilt. Das, was passiert sei, könne nicht als aufgearbeitet gelten. Kriegerische Auseinandersetzungen und andauernde Gewalt seien Konsequenzen des Terroraktes, sagte Marx.

Es brauche die Verteidigung gegen die, die “mit Gewalt und einer unvorstellbaren Fantasie des Bösen“ gegen unschuldige Menschen vorgingen und auf Vernichtung aus seien, sagte Marx. “Aber unsere Antwort muss größer, umfassender, tiefer sein.“ Die USA und die ganze Weltgemeinschaft, die das Ziel des Angriffs waren, müssten über die direkte Abwehr der Gewalt hinaus neue Antworten finden für Frieden und Miteinander in einer globalen Welt, mahnte der Kardinal.

Das internationale Friedenstreffen wird von der Gemeinschaft Sant'Egidio und dem Erzbistum München und Freising veranstaltet und dauert noch bis Dienstag. An der Veranstaltung nehmen etwa 300 Religionsvertreter und Persönlichkeiten aus Politik und Kultur teil. Am Montag wird auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet.

dpa

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