Er fährt zum Konklave

Kardinal Wetter wird 85 "ohne Aufhebens"

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Kardinal Wetter wird 85

München - Kardinal Wetter liebt es ruhig. Mit seiner ausgleichenden Art hat er viele Menschen berührt. Am Mittwoch wird er 85 Jahre. Er freut sich hr auf die Reise nach Rom, zur Wahl des neuen Papstes.

1968 waren wilde Zeiten. Deutschland war in Aufruhr - politisch und gesellschaftlich. Auch die katholische Kirche geriet in den Strudel der Ereignisse. Mittendrin: ein junger Priester und Theologieprofessor, der am 29. Mai dieses Jahres zum Bischof geweiht wurde - Friedrich Wetter . 40 Jahre alt war der neue Oberhirte des Bistums Speyer. Sein Wahlspruch: „Pax vobis“, Friede mit Euch. Ein Motto, das der Pfälzer erst in Speyer und von 1982 an als Erzbischof von München und Freising sehr ernst nahm. Die Zeiten für die Kirche sind heute wieder rau. Der Grund ist jedoch weniger offene Kritik, als vielmehr die Gleichgültigkeit der Menschen. „Was ist mit diesem Europa geschehen? Europa war mal das Kraftzentrum des Christentums“, bedauert Kardinal Wetter, der am Mittwoch (20. Februar) seinen 85. Geburtstag feiert.

Auch wenn Wetter vor fünf Jahren den Korbiniansstab des Münchner Erzbistums an Kardinal Reinhard Marx übergeben hat verfolgt er die kirchlichen Ereignisse von München aus sehr genau. Und sie stimmen ihn immer wieder nachdenklich. „Der Kontinent steht im Glauben heute so beschädigt und geschwächt da“, sagt er im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Das müsse der neue Papst in Angriff nehmen, „so wie es schon Johannes Paul II. und Benedikt getan haben. Aber die Leute müssen mitmachen. Das Jahr des Glaubens kann es zeigen“.

25 Jahre lang war Wetter Erzbischof von München und Freising. Ein Oberhirte, der sich deutlich zu politischen Themen wie Abtreibung oder Gentechnik äußerte, dem aber vor allem daran lag, den Glauben weiterzugeben, der tief in seiner Kindheit und Jugend verwurzelt ist. „Ich war Ministrant und habe in der Jugend erlebt, wie der Glaube und die Gemeinschaft der Kirche immunisieren gegen die Ideologie des Nationalsozialismus. Das hat mich als jungen Menschen beeindruckt“, erinnert sich der Kardinal. „In dieser Luft ist dann auch der Wunsch gewachsen, Priester zu werden.“

Als Wetter 1982 das Erzbistum München und Freising von seinem Vorgänger Kardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst, übernahm, herrschten dort große Spannungen. Ein schwieriger Start, wie Wetter einmal beschrieb. Doch der in Landau geborene besonnene Pfälzer mit großer Offenheit für die Ökumene schaffte es, den Frieden wieder herzustellen, nicht zuletzt durch seine ruhige und nach Ausgleich strebende Art. „Ich habe mich bemüht, nicht mit außergewöhnlichen Aktionen auf mich aufmerksam zu machen. Ich wollte die Dinge eher in Ruhe und in der Stille wachsen lassen“, sagte er kurz vor seinem 80. Geburtstag.

Nicht alle waren damit einverstanden, wünschten sich insgeheim einen wortgewaltigeren Erzbischof. Doch die meisten konnte Wetter überzeugen, auch über die Erzdiözese hinaus. „Man hat begriffen: Stille bedeutet nicht Schlaf, sondern Wachstum. Wenn's kracht, geht gewöhnlich etwas in Scherben“, resümierte er einmal.

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Heute beobachtet der Kardinal die aktuellen Debatten in der Kirche aus für ihn angenehmer Entfernung - ohne den Zwang, sich einmischen zu müssen. In ein tiefes Loch sei er nach dem Ende der Amtszeit nicht gefallen. Das wäre auch schwierig, sein Terminkalender ist voll. „Ich halte Gottesdienste, ich predige, ich firme, ich lese, ich nehme teil an Veranstaltungen. Manchmal muss ich sogar etwas bremsen“, sagt er. Regelmäßig studiert er die Heilige Schrift. Auch nach Rom fährt er öfter - spätestens zum Konklave will er wieder hin. Anders als bei der Wahl von Papst Benedikt XVI. darf er zwar aus Altersgründen den neuen Heiligen Vater nicht mehr mitwählen. Aber er freut sich darauf, das große Ereignis mit anderen Kardinälen vorzubereiten.

„Ich bin völlig zufrieden“, sagt Wetter. So verlangt es ihn auch nicht danach, seinen 85. Geburtstag im großen Stil zu feiern. Er macht es lieber auf seine Art: „Ganz einfach, ohne Aufhebens.“

dpa

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