Kardiologen-Kongress startet - Das sind die vier Herzstücke

Herz-Kreislauferkrankungen sind die Todesursache Nummer Eins: Fast die Hälfte aller Sterbefälle ist mittlerweile darauf zurückzuführen.

Um dem Trend entgegenzuwirken, tagen ab Samstag rund 30 000 Herzspezialisten auf der Neuen Messe beim größten Kongress Europas. Gestern gab es erste Einblicke, welche Forschungsergebnisse bis Mittwoch Aufsehen erregen werden.

In rund 80 der insgesamt 380 wissenschaftlichen Sitzungen stellen Experten technische Neuerungen bei den bildgebenden Verfahren vor: Schon jetzt kann das Herz teils ohne Röntgenstrahlen und mit weniger Aufwand sehr viel genauer dargestellt werden. Mit großer Spannung erwarten die Ärzte vor allem die Ergebnisse von vier Studien, die bahnbrechend für die Wissenschaft sein könnten, weil sie Millionen von Patienten retten oder ihnen Schmerzen ersparen könnten. Noch herrscht oberste Geheimhaltungsstufe. Die tz erklärt, worum es jeweils geht:

Krebserregende Mittel?

Funktioniert die Klappe zwischen Herz und Körperschlagader nicht mehr richtig, setzte man neuerdings auch auf eine Doppelstrategie: die Kombination der beiden Blutfettspiegel senkenden Wirkstoffe „Simvastatin“ und „Ezetimib“. Teilergebnissse der Studie, die die Folgen dieser Behandlung untersucht hat, sorgten bereits für Diskussionen. „Man ist sich nicht sicher: Vielleicht ist diese Behandlung sogar schädlich“, so der Münchner Kardiologe Sigmund Silber. „Es wird vermutet, dass sie krebserregend sein kann.“ Darüber herrscht nach dem Kongress hoffentlich Klarheit.

Bypass-OP in Zukunft bald ganz unnötig?

Seit 20 Jahren bekommen Patienten mit koronarer Herzkrankheit immer häufiger ein kleines Röhrchen (Stent) durch Gefäße in der Leiste eingeführt. Dieses Röhrchen in Form eines Gittergerüsts soll einen Verschluss der Herzkranzgefäße durch Arterienverkalkung verhindern. „Das erspart eine aufwändige Bypass-Operation“, erklärt Professor Gerd Heusch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. „Der Brustkorb muss nicht geöffnet werden, und der Patient kann am selben Abend wieder heim.“ Heusch setzt nun größte Hoffnungen in die SYNTAX-Studie, die weltweit bei Patienten die Langzeitwirkung des neuen Stent-Verfahrens untersucht hat. „Denn ob es nachhaltig genauso wirkungsvoll ist wie eine herkömmliche OP, war bislang noch nicht bewiesen. Falls es so ist, wäre das ein Quantensprung in der Forschung und würde noch mehr Menschen eine Operation ersparen.“ Er ist sehr gespannt auf das Ergebnis: „Es ist völlig offen.“

Was hilft dem Fettstoffwechsel?

Ein gesundes Herz braucht einen funktionierenden Fettstoffwechsel. Die sogenannte GISSI-Studie soll erstmals klären, welche Wirkung die gegen Fettstoffwechselstörungen eingesetzten Cholesterinsenker vom Typ der Statine sowie Omega-3-Fettsäuren (quasi Fischölsubstanz) bei Patienten mit chronischer Herzschwäche haben. „Das wird spannend“, sagt der Münchner Kardiologe Professor Sigmund Silber: „Viele vertragen die Statine nicht, weil sie Muskelschmerzen verursachen können. Aber Omega-3-Fettsäuren konnten sich nie richtig durchsetzen, weil ihre Wirkung nie wirklich bewiesen wurde.“

Endlich ohne Nebenwirkungen leben?

Menschen, die an der koronaren Herzkrankheit leiden oder deren linke Herzkammer zu schwach ist, kennen diese Medikamente nur zu gut: Beta-Blocker. Sie senken Pulsfrequenz und Blutdruck und bewirken eine geringere Schlagkraft und Erregbarkeit des Herzens. „Ein Großteil unserer Patienten muss sie nehmen“, sagt der Präsident der deutschen Kardiologen, Gerd Heusch. „Leider haben sie viele Nebenwirkungen. Patienten klagen etwa über Müdigkeit, Impotenz oder Diabetes.“ Weil es die Muskelkraft des Herzens und den Blutdruck weniger beeinflussen soll, verschreiben einige Kardiologen immer öfter ein neues herzfrequenzsenkendes Medikament mit der sogenannten Ivabradin-Substanz. „Aber ob es wirklich genauso gut ist wie die Standard-Beta-Blocker, wird erst eine neue Studie zeigen, die bislang unveröffentlicht war und uns nun hier präsentiert wird.“

Quelle: tz

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