So ist der Münchner Humor

Was gibt's jetzt da zum lacha?

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München - Sie sind die Großmeister des Münchner Humors: Karl Valentin und Gerhard Polt. Heinz Gebhardt beleuchtet die beiden Komiker bzw. Kabarettisten.

„Mögen hätt’ ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut.“ Jeder Münchner weiß, wer das gesagt hat – und wie oft hat er sich den Satz selbst schon gedacht? Sagen braucht man das nämlich nicht, denn „Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen!“ Da ist es besser: „I sag gar nix. Dös wird man doch noch sagen dürfen.“ Und überhaupt: „Die Zukunft war früher auch besser.“

Karl Valentin (1882 – 1948) hat sich mit seinen Lebensweisheiten unsterblich gemacht. Er ist einer der größten Komiker des vergangenen Jahrhunderts. Als der Großmeister des Absurden 1948 starb, war der andere gerade mal sechs Jahre alt. Gerhard Polt, der Vergleiche mit Valentin ablehnt, ist – wenn auch anders – der zweite Künstler, der wie kein anderer für den typisch bayerischen bzw. Münchner Humor steht.

Deutschlands Charlie Chaplin

Als das ZDF nach den beliebtesten Komikern Deutschlands fragte, landete Karl Valentin hinter Loriot, Heinz Erhardt, Otto Waalkes, Hape Kerkeling, Dieter Hallervorden und Rudi Carrell auf Platz 7 der Beliebtheitsskala: der Münchner Humor hört also doch nicht am Weißwurstäquator auf.

Als eine New Yorker Galerie 2005 in der Fifth Avenue ein halbes Valentin-Musäum ausstellte, würdigte die New York Times Karl Valentin als den „Charlie Chaplin Deutschlands“. Heerscharen von Soziologen, Psychologen und Sonstigologen haben bis heute vergeblich versucht, Karl Valentins Humor zu hinterfragen, zu interpretieren, zu deuten oder gar einen tieferen Sinn hinter seinen Sätzen zu finden. Sie kamen aber genauso wie Karl Valentin nur zur Erkenntnis: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit!“

Oder wie es der in Altomünster geborene Schriftsteller Alfons Schweiggert, der beste Münchner Valentin-Kenner ausdrückt: „Der Münchner Humor geht nämlich nahtlos in den Grant über, was am besten sichtbar wird beim „Wos gibt’s jetzt do zum Lacha?“ Und schon grantelt der Münchner. Beim Münchner Humor weiß man nämlich wie bei Karl Valentin meist nicht: Soll man jetzt lachen oder weinen?

Kein Geld für Valentins Nachlass

Karl Valentin: Großartig, aber zu Lebzeiten von den Münchnern wahrlich nicht geliebt.

Nach Kriegsende, als die Amerikaner München besetzten, war Valentin am Ende. Krank und verbittert musste er sich von Radio München, dem Vorläufer des Bayerischen Rundfunks anhören, dass man seinen Humor für „nicht ganz geeignet für unser Programm“ hält. Kurt Wilhelm, der damals für Radio München arbeitete, schrieb später: „Nein, damals haben die Münchner ihren Valentin wahrlich nicht geliebt. Und stolz waren sie schon gar nicht auf ihn.“ Valentin glaubte bis zuletzt, die Ablehnung käme von den amerikanischen Besatzern. Dass sie aber von den Münchnern selbst stammte, hatten ihm seine Freunde mit Rücksicht auf seine Gesundheit verschwiegen: „Wir wollten ihm die Enttäuschung ersparen, dass seine Landsleute ihn erledigten.“ Nach seinem Tod am Rosenmontag 1948 war Valentins Nachlass der Stadt München keine 7000 Mark wert – er ging 1953 an eine Sammlung der Universität Köln. Als 1959 Hannes König bei OB Thomas Wimmer wegen seiner Idee eines Valentin-Musäums anklopfte, bekam er zur Antwort „Des Isartor kenna’S hom, aber Geld für ihr Museum hamma koans.“ Ja, beim Humor hört bei den Münchnern der Spaß auf!

Erst nach Eröffnung des heutigen Valentin-Musäums begann die bis heute andauernde Wiederentdeckung des größten Münchner Komikers aller Zeiten.

„Die Münchner haben Valentin wahrlich nicht geliebt“

Karl Valentin hatte es zu Lebzeiten nicht leicht mit seinen Münchnern. Und dass er Münchens größter Komiker des Jahrhundert war, dessen wurde man sich erst nach seinem Tode bewusst. Sein erstes Theater in Schwabing musste er wegen feuerpolizeilicher Auflagen schließen. Sein Panoptikum ging zweimal Pleite und damit auch die Ersparnisse seiner Partnerin Liesl Karlstadt. Seine Ritterspelunke wurde von den Nazis geschlossen, denn der Kellerraum wurde als Luftschutzbunker gebraucht. Seinen letzten Auftritt hatte er 1940 im Deutschen Theater . Valentin starb am 9. Februar 1948 mit 65 Ja Jahren in Planegg.

Nikolausi, Osterhasi!

„Ich hab’ als Krampus angefangen und mich zum heiligen Mann hochgearbeitet. Jetzt könnt’ ich eigentlich als Nikolaus in Pension gehen“, schreibt Gerhard Polt in seiner Biografie. Sein „Nikolausi“ ist zu einem Lachkrampf-Klassiker geworden, eben eine Szene fast wia im richtigen Leben. So hieß dann auch eine zwölfteilige BR-Serie mit Gisela Schneeberger, mit der Polts Aufstieg als Satiriker und Komiker begann und über den sich alle außer der bayerischen Staatsregierung vor Lachen krümmten. „Verleumderische und bösartige Ehrabschneidung“ bescheinigte sie Polt als „Scheibenwischer“ mit Dieter Hildebrandt. Polt-Fans trauern der Sendung noch heute nach. Aber: „Die Zeiten für Satire sind immer gut. Sie stirbt nicht, solange der Mensch menschelt.“

Im Gegensatz zu Karl Valentin darf Polt aber seine Beliebtheit und die Anerkennung beim Publikum im richtigen Leben noch erleben: Bayerischer Literaturpreis, Grimmepreis, Goldene Kamera, Stern der Satire, Großer Karl-Valentin-Preis, München leuchtet, Kulturpreis Bayern, um nur ein paar der Ehrungen zu nennen. Zu seinem 70. Geburtstag zeigte das Literaturhaus im vergangenen Jahr eine Polt-Ausstellung mit dem Titel Braucht’s des? und der Mai-Ling-Gemahl Grundwürmer – alias Gerhard Polt – war sichtlich gerührt über sich selbst: „Lieber ausg’stellt als ausg’stopft!“

„Lieber ausg’stellt als ausg’stopft!“

Gerhard Polt

Gerhard Polt (geboren in München) mag’s gar nicht, wenn man ihn mit Karl Valentin vergleicht. Das tun wir auch nicht, sondern nennen ihn nur im gleichen Atemzug. Seit Valentin gibt’s keinen größeren Münchner Komiker als den Polt, auch wenn er gar nix dazu sagt: „I sag nix. Ehrlich, i sag nix. Naa, also nicht gar nichts, sondern nix, und zwar konsequent. Fünf Minutn lang sag i nix. Wenn’s bei Ihnen nur drei Minutn san, wo i nix g’sagt hab, dann fehlen bei ihnen praktisch zwei Minutn, wo i aa nix g’sagt hab, ich mein, inhaltlich. Also inhaltlich nix g’sagt hab.“ Der Fünf-Minuten-Vortrag war seine Antwort, als ihm 1981 das ZDF verbot, den Spitznamen „Old Schwurhand“ für den CSU-Politiker Friedrich Zimmermann (geboren in München) auszusprechen – eine Anspielung auf dessen Meineid-Verfahren.

Heinz Gebhardt

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