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Karstadt: Schrumpfkur soll Konzern retten

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Der Oberpollinger in der Fußgängerzone – das Haus lockt täglich 25.000 Kunden an © dpa

Arcandor kämpft ums Überleben. Ein Sparprogramm soll nun die bekanntesten Tochterunternehmen Karstadt und Quelle wieder in die Gewinnzone zurückbringen. Doch was bedeutet das für Kunden und Mitarbeiter?

Wichtige Fragen und Antworten: Steckt Arcandor tief in der Krise?

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Wird Oberpollinger verkauft?

Ja. Allein im vergangenen Geschäftsjahr machte der Konzern einen Nettoverlust von 740 Millionen Euro. Außerdem ist er hoch verschuldet. Bis September muss der Konzern seine Hausbanken dazu bewegen, fällige Kredite in einer Gesamthöhe von 950 Millionen Euro zu verlängern. Außerdem braucht das Unternehmen nach eigenen Angaben zusätzliche Kredite in Höhe von 900 Millionen Euro für die geplanten Konsolidierungsmaßnahmen.

Was bedeutet das Sanierungsprogramm für die Karstadt-Kunden?

Es dürfte wohl schon bald weniger Karstadt-Filialen geben. Acht Karstadt-Geschäfte, darunter die am Dom, stehen zur Disposition.

Was wird aus den Karstadt Luxus-Warenhäusern?

Auch die lukrativen Karstadt Premiumhäuser – etwa der Oberpollinger in München – haben auf die Dauer wohl keine Zukunft im Konzern. Die Luxusfilialen passen laut Konzernchef Karl-Gerhard Eick nicht mehr in das zunehmend auf „Normalbürger“ orientierte Konzept. Doch ist hier von einer Schließung nicht die Rede.

Hier kann man den Luxus kaufen: Die nobelsten Kaufhäuser der Welt

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Was bedeutet das Sanierungsprogramm für Quelle-Kunden?

Das Versandhaus will sich künftig verstärkt auf sein Internetgeschäft konzentrieren. Bereits in zwei Jahren will der Konzern im Internet genauso viel Umsatz machen wie mit dem Katalog. Für die rund 1500 Quelle-Shops und die 115 Technikcenter ist deshalb wohl in Zukunft kein Platz mehr im Konzern.

Was bedeutet das Sanierungsprogramm für die Mitarbeiter von Arcandor?

Laut Vorstandschef Karl-Gerhard Eick sind 12 500 der 86 000Mitarbeiter betroffen. Doch heißt das nicht, dass alle diese Arbeitsplätze wegfallen. Bei einem Verkauf der Premium-Warenhäuser etwa dürften die Mitarbeiter übernommen werden. Auch die Umwandlung von Warenhäusern in Einkaufszentren muss nicht zwangsläufig zu weniger Arbeitsplätzen führen.

Müssen die Mitarbeiter mit weiteren Lohnkürzungen rechnen?

Nein. Die Mitarbeiter hatten sich bereits im Oktober vergangenen Jahres zu einem Lohnverzicht in Höhe von insgesamt 115 Millionen Euro jährlich bereiterklärt.

Stichwort: Oberpollinger

Das im März 1905 eröffnete Kaufhaus Oberpollinger am Stachus ist eines der ältesten Warenhäuser Europas. Die Hamburger Kaufmannsfamilie Emden & Söhne ließ es von dem Architekten des Prinzregententheaters, Max Littmann, bauen. Die Giebel der Renaissancefassade werden von Segelschiffen bekrönt. Der Name geht auf die Brauerei „Zum Oberpollinger“ zurück, die hier seit dem 16. Jahrhundert gestanden hatte.

Der Warentempel nach Vorbildern in London und Paris setzte damals neue Maßstäbe: imposanter Lichthof, Aufzüge für die Kunden, öffentliche Telefonkabinen, ein breites Warensortiment unter einem Dach, elegantes Teezimmer und Reisebüro. Im Jahr 1927 übernahm Rudolph Karstadt das Warenhaus für drei Millionen Reichsmark und führte eine Neuerung ein: Statt Feilschen und Anschreiben gab es nun niedrige Festpreise und Barzahlung.

Das Haus boomte. Im Januar 1945 abgebrannt, wurde der Oberpollinger 1954 wieder eröffnet. Ab 2005 wurde er für 80 Millionen Euro zum Luxus-Warenhaus umgebaut, mit Shops von Dior, Gucci, Prada oder Louis Vuitton, mit Champagnerbar in der Beauty Lounge, Concierge-Service und persönlichem Einkaufsbegleiter. Das 33.000 Quadratmeter große Haus lockt täglich 25.000 Kunden an.

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