Lokalpolitiker sprechen von "Abzocke"

Katzen gerettet: Tierverein will 120.000 Euro

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Eine der geretteten Katzen. Dem Landkreis Freising kommt die Tierliebe nun teuer zu stehen.

Freising - 120.000 Euro für die Unterbringung und Pflege von 31 verwahrlosten Katzen – diese stolze Rechnung stellt der Tierschutzverein München dem Landkreis Freising. Die rechtliche Situation ist klar: Der Landkreis muss zahlen.

Es war ein schockierendes Bild, das sich zu Beginn des Jahres in Gammelsdorf bot: Eine riesige Schar verwahrloster Katzen wurde im Haus von Renate Nickel an der Hauptstraße 16 gefunden. 30 der Tiere kamen ins Landshuter Tierheim Heinzelwinkl, 31 wurden in München-Riem untergebracht. Und aufwändig gesundgepflegt. Das hat gekostet: Der Landkreis soll für die Unterbringung und medizinische Versorgung über 120 000 Euro aufbringen. Sogar eine Summe von bis zu 200 000 Euro steht laut zuverlässiger Quelle im Raum.

Mit Empörung reagiert MdL Benno Zierer (FW) auf diese Rechnung: „Wir dürfen uns von München nicht abzocken lassen. Es geht schließlich um das Geld der Steuerzahler.“ Sein Vorwurf ist hart: Für das Münchner Tierheim sei es lukrativer, gerettete Tiere bei sich zu behalten als sie abzugeben. Die rechtliche Situation ist zunächst einmal eindeutig: „Grundsätzlich muss natürlich der Verursacher für die von der Sicherheitsbehörde angeordneten Maßnahmen aufkommen“, stellt Anita Fußeder, stellvertretende Pressesprecherin des Freisinger Landratsamts, klar. Aber: „Der Landkreis ist verpflichtet, zunächst die Kosten zu begleichen.“ Die ehemaligen Tierhalter könnten dann per Leistungsbescheid zur Tragung der Unterbringungkosten herangezogen werden. Ob der Landkreis von der Tierhalterin tatsächlich die enorme Summe erstattet bekommt, steht freilich in den Sternen.

Die hohe Rechnung, die die Forderungen aus Landshut bei weitem übertrifft, erklärt Judith Brettmeister vom Tierschutzverein München, der das betreffende Tierheim betreibt: „Wir haben die Katzen noch am Fundort aussortiert. Die Schwerkranken haben wir zu uns nach München genommen, da wir Tierärzte vor Ort haben.“ Weil die 31 Katzen alle verpilzt gewesen seien sowie verklebte Augen und teilweise abgefaulte Nasen gehabt hätten, seien sie täglich vom Tierarzt behandelt worden. Weitere Kosten entstanden durch den täglichen Einsatz zweier Pfleger. „Es hat lange gedauert, bis wir das im Griff hatten und die Katzen aus der Quarantäne-Station konnten.“ Bis auf eine „Patientin“ konnten bisher alle Gammelsdorfer Katzen vermittelt werden. Zierers Vorwurf der Bereicherung weist Brettmeister scharf zurück: „Wir sind komplett voll und haben schon eine Warteliste für Katzen.“ An den Tieren könne man nicht verdienen. Im Gegenteil: „Wir zahlen voll drauf.“

Wie auch immer: Zierer ist es wichtig, dass man die enormen Kosten für die Unterbringung der Katzen zum Anlass nimmt, noch einmal die Wichtigkeit eines Freisinger Landkreis-Tierheims herauszustellen. Wie mehrfach berichtet, hat der Tierschutzverein Freising für das Tierheim bereits ein Grundstück gefunden und eine fertige Planung. Im Juni wurde der Siegerentwurf präsentiert. Aber: „Uns fehlt immer noch ein Haufen Geld“, sagt Tierschutz-Chef Joseph Popp. Er hofft auf Groß-Sponsoren, um das 1,3-Millionen-Projekt stemmen zu können. Und: „Ein Tierheim braucht nicht nur einmal Geld“, wie nicht nur MdL Zierer weiß. Der Tierschutzverein drängt daher darauf, dass alle Kommunen im Landkreis dem Verein beitreten und 90 Cent pro Einwohner und Jahr zahlen. Eine Mehrheit der 24 Gemeinden zieht da mit – ein halbes Dutzend Kommunen, vor allem aus dem Landkreis-Norden, bisher aber nicht.

Zweifellos wird morgen im Kreisausschuss auch darüber diskutiert. Konkret freilich geht es um die horrende Rechnung aus München. Der Kreistag könne zwar entscheiden, dass die Mittel zur Begleichung derartiger Rechnungen nicht bereitgestellt werden“, berichtet Pressesprecherin Anita Fußeder. „Das befreit den Landkreis jedoch nicht von der Pflicht zur Zahlung.“

Andrea Steiler

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