Um über 320.000 Euro

Kauffrau braucht Geld zum Shoppen und prellt Chef

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Claudia M. (47) gab vor dem Landgericht ihren Betrug zu.

München - Eine gelernte Kauffrau betrog ihren Chef um über 300.000 Euro. Sie brauchte das Geld, um zu shoppen. Jetzt droht ihr Gefängnis.

Wenn Männer sie schlagen oder schlecht behandeln, muss Claudia M. (47) wie besessen Shoppen gehen – bis sich der Druck auf ihrer Seele löst. So begründete die gelernte Kauffrau am Montag, dass sie ihren Chef um insgesamt 322 384,61 Euro betrogen hat. Mehr als zwei Jahre lang hatte sie sich laut Staatsanwaltschaft immer wieder Geld vom Firmenkonto überwiesen. Insgesamt 124 Fälle listet die Anklage des Landgerichts. Am Montag der Prozessauftakt wegen geschäftlicher Untreue!

Aufgelöst sitzt Claudia M. mit Daunenjacke auf der Anklagebank. „Ich gebe alles zu“, sagt sie kleinlaut. Bereits zweimal saß sie wegen Vermögensdelikten im Knast, sieben Jahre lang. „Wenn ich unter Druck gerate, kaufe ich wahllos Kleidung ein: Schuhe, Pullover, Jeans – bis der Schrank überquillt. Obwohl ich die Sachen gar nicht brauche. Aber das Kaufen verschafft mir Glücksgefühle. Ich bin wie ein Junkie“, sagt sie.

Als Kind habe sie oft im Stall schlafen müssen. „Mein Vater hat mich abgelehnt.“ Später sucht sie sich aber immer wieder Männer, die sie drangsalieren. Auch ihr aktueller Partner habe sie immer wieder geschlagen – wodurch sie kaufsüchtig wurde. Ihr Gehalt von 1400 Euro brutto reichte dafür nie aus.

Im Büro verbucht Claudia M. deshalb fiktive Abschlagszahlungen. „Ich habe Fahrer abgerechnet, die nie gefahren sind“, gesteht sie. Bei bestehenden Geschäftsrechnungen ändert sie auch die Kontoverbindung – und trägt einfach ihre ein. „Ich habe leider nichts mitbekommen“, sagt ihr sichtlich geknickter Chef aus. Die Entschuldigung von Claudia M. nimmt er aber an. Ihr droht jahrelange Haft.

Andreas Thieme

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