Schmid will in die Höhe bauen

Kampf um Flächen: Kaum Platz für Münchens boomende Wirtschaft

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Josef Schmid fordert mehr Platz für Gewerbe. 

Viele Unternehmen suchen Flächen, um zu erweitern. Josef Schmid will deshalb auch beim Gewerbe in die Höhe bauen. 

München - Münchens Wirtschaft boomt. 25.000 Arbeitsplätze sind allein im vergangenen Jahr entstanden – so viele wie seit 17 Jahren nicht. Die Schattenseite: Flächen sind rar. Geht es nach Wirtschaftsreferent Josef Schmid (CSU), soll nun auch das Gewerbe in die Höhe wachsen.

Wohnen und Gewerbe steht in Konkurrenz

In München ist ein Kampf um die knapper werdenden Flächen entbrannt. Wie berichtet, hat sich der Stadtrat unlängst dafür ausgesprochen, die Grenzen des Planungsrechts beim Wohnungsbau auszureizen. Dass die Stadt bauen muss, da sind sich alle einig. Bloß wohin? Wohnungen sind längst in Konkurrenz getreten zu Gewerbeflächen, Schulen und sozialen Einrichtungen. Stadtschulrätin Beatrix Zurek (SPD) hat kürzlich angekündigt, maximal in die Höhe bauen zu wollen, Sporthallen und Lernhäuser zu stapeln. Pausenhöfe könnten auf Dachflächen gebaut, Sporthallen im Boden versenkt werden. Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) hat sich beim Thema Sozialwohnungen ebenfalls die Frage nach Hochhäusern gestellt. „Wir können nicht mehr in die Fläche gehen“, betont sie.

Nun kommen ähnliche Äußerungen aus dem Wirtschaftsreferat. Bürgermeister Josef Schmid (CSU), der auch Wirtschaftsreferent ist, hatte erst jüngst eine Debatte um Hochhäuser für den Wohnungsbau angestoßen. Jetzt geht es auch um das Gewerbe, das Schmid in die Höhe wachsen lassen will.

Unternehmen suchen dringend Flächen

Schmid zufolge gibt es etwa 320 Unternehmen, die derzeit auf der Suche nach Flächen sind. Über 90 Prozent davon sind mittelständische Münchner Betriebe, die erweitern möchten. Um der Nachfrage gerecht zu werden, soll etwa im Münchner Norden ein neuer Gewerbehof entstehen. Bis 2035 plant Schmid ferner, 35 Hektar Gewerbeflächen neu zu schaffen – durch Umstrukturierung bestehender Areale. Seit dem Jahr 2000 hat sich das Angebot an Gewerbeflächen aufgrund von Umnutzungen um insgesamt 65 Hektar verringert. Industriegebiete haben um 185 Hektar abgenommen. Kern- und gewerbliche Sondergebietsflächen sind dagegen um 155 Hektar gewachsen.

Schmid warnt davor, weiterhin Gewerbeflächen für den Wohnungsbau umzuwandeln. Die Stadt brauche auch Platz für Hersteller und Büros. Vorstellbar sei, höhere Gebäude zu bauen – mit produzierendem Gewerbe im Erdgeschoss und Büros darüber. „Es ginge auch, das produzierende Gewerbe im Erdgeschoss und den Stockwerken darüber unterzubringen. Doch das wird dann teurer, weil man unter anderem Lastenaufzüge braucht“, sagt Schmid. Neue Büroflächen im Erdgeschoss schließt Schmid aus.

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Laut Jahreswirtschaftsbericht, den Schmid am Freitag vorstellte, lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2014 in München bei 99,8 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 4,4 Prozent. Der Anteil der Stadt am bayerischen BIP liegt bei 18,9 Prozent; der Bevölkerungsanteil bei 11,3 Prozent. Schmid geht davon aus, beim nächsten Jahresbericht die Marke von 100 Milliarden Euro knacken zu können. De facto wäre das also schon passiert, denn das BIP wird mit Verzögerung ermittelt, für 2015 und 2016 gibt es noch keine Zahlen.

Stadt profitiert von dem Boom

Von der Wirtschaftslage profitiert nicht nur die Kämmerei. 6,5 Milliarden Euro Steuern sind 2016 in den Stadtsäckel geflossen, darunter 2,58 Gewerbesteuer. Auch der Arbeitsmarkt gewinnt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze ist im Vorjahr um 3,1 Prozent gestiegen – ein Plus von 25.000 Berufstätigen. Schmid: „Münchens Stärke liegt in seiner hohen Wirtschaftskraft, seiner Wettbewerbsfähigkeit sowie seiner Innovationskraft. Diese Stärken wollen wir sichern und weiter ausbauen.“

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