Kein Klo am Eiswagen: ­ 423,50 Euro Bußgeld!

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Gabrio Rossi mit seinem Eis-Fahrradl und dem Bußgeldbescheid, der er vom KVR bekommen hat

München - Das Ehepaar Rossi verkauft im Hirschgarten traditionelles italienisches Eis. Doch jetzt flatterte den Rossis ein Bußgeld ins Haus - weil eine Toilette fehlt. Die unglaubliche Geschichte.

Gabrio und Rosa Rossi sind im Hirschgarten vor allem bei den Kindern sehr beliebt: Das deutsch-italienische Künstler-Ehepaar verkauft dort traditionelles italienisches Eis, so genannte Granita. Doch der Attraktion im Münchner Westen droht das Aus. Die Stadt verlangt von den Eisverkäufern eine Personaltoilette!

Auf den Gepäckträger seines Radls hat Herr Rossi Waschbecken montiert. Aber das KVR verlangt ein ­Personal-WC…

„Speiseeis hat eine uralte Tradition“, erzählt der gebürtige Florentiner (59), der seit 15 Jahren in Haidhausen lebt. „Schon die alten Römer haben Schnee aus den Albanerbergen mit Fruchtsaft gemischt und verspeist.“ Später schabten italienische Eismänner aus Eisblöcken handgemachten Schnee heraus uns benetzten ihn mit Frucht­sirup. So macht Rossi noch heute sein „Schnee-Eis“, wie er es nennt. Vor sieben Jahren kaufte sich Rossi in der Poebene ein Dreirad mit Verkaufsstand, brachte es auf Vordermann und begann, bei Stadteil- und Kulturfesten sein Schnee-Eis zu verkaufen. „Es ist vor allem für die Kinder spannend zu sehen, wie das Eis gemacht wird,“ so Rossi. Vor drei Jahren beantragte er eine Bewilligung dafür, auch im Hirschgarten Granita verkaufen zu dürfen. Das wurde ihm werktags erlaubt. Umso größer war die Enttäuschung, nachdem Rossis Ehefrau vergangenen Sommer von Inspektoren des KVR im Park kontrolliert worden war.

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Im Februar flatterte den Rossis ein Bußgeldbescheid über 423,50 Euro ins Haus, da sie hygienerechtliche Vorschriften nicht beachtet hätten. „Bei der behördlichen Kon­trolle des von Ihnen an oben bezeichnetem Tatort betriebenen Eisverkaufes wurden nachstehende Beanstandungen festgestellt“, heißt es im Schreiben vorwurfsvoll. Die Beamten bemängeln das Fehlen einer Vorrichtung zum hygienischen Waschen und Trocknen der Hände. Weiters: „Es stand keine hygienisch einwandfreie Personaltoilette zur Verfügung.“ Auch das Fehlen von Geräten zur Reinigung der Arbeitsgeräte sei nicht gewährleistet gewesen.

Gabrio Rossi war wie vor den Kopf gestoßen: „Ja, meine Frau hatte die Sagrotan-Tücher vergessen und den Eisschaber an den Lenker gehängt, das passiert nicht wieder. Auf dem Gepäckträger habe ich jetzt zwei kleine Wasch- und Spülbecken montiert, dazu kommen Solarzellen zum Heizen des Wassers.“ Doch das mit der Personaltoilette bringt Rossi zur Verzweiflung: „Wie soll ich denn ein WC mitführen? Soll ich ein Dixi-Klo auf einen Anhänger montieren?“

Auf Nachfrage der tz beschwichtigt die KVR-Sprecherin Daniela Schlegel: „Der Bußgeldbescheid ist missverständlich formuliert und wird zurückgenommen.“ Rossi müsse keine eigene Toilette mitführen, doch er müsse nachweisen, dass er Zugang zur einer Personaltoilette hat. „Ein öffentliches WC geht nicht“, so Schlegel. „Es muss ein WC sein, in dem die Hygieneanforderungen höher sind als auf einer öffentlichen Toilette.“ Das könne etwa eine Desinfektionsspender für die Hände sein.

Herr Rossi fragte im Lokal am Hirschgarten, „doch dort lässt man mich nicht auf die Personaltoilette“. Nun radelt er eineinhalb Kilometer heim, wenn er mal muss. Und er will rund um den Hirschgarten andere Wirte fragen, ob sie ihn auf die Toilette lassen: „Ich hoffe, das klappt, sonst wäre das jammerschade. Ich denke, die Kinder würden uns und unser Schnee-Eis sehr vermissen.“

Johannes Welte

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