"Argumentation ist inakzeptabel"

Kein Platz bei NSU-Prozess: Hürriyet erwägt Klage

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Der Saal A 101 im Münchner Oberlandesgericht lässt nur Platz für 50 Journalisten

München - Die Hürriyet-Reporter haben auch keinen Platz bekommen im Münchner NSU-Prozess. Nun denkt die Zeitung über rechtliche Schritte nach.

Mit täglich 500 000 gedruckten Exemplaren gehört die (auch in Deutschland weit verbreitete) Hürriyet zu den drei auflagenstärksten Zeitungen in der Türkei. Doch die Hürriyet-Reporter haben auch keinen Platz bekommen im Münchner NSU-Prozess. Celal Özcan, langjähriger Redakteur der Hürriyet-Redaktion München und mittlerweile Nachrichten-Koordinator für die europäische Ausgabe der Zeitung, kündigte am Mittwoch empört an: „Wir prüfen bereits rechtliche Schritte. Die Argumentation ist inakzeptabel.“

Der Hürriyet ist nach Özcans Angabe in mehreren Telefonaten zumindest einer der ursprünglich zwei gewünschten Presseplätze zugesagt worden. Zudem habe man sich fristgerecht akkrediert. Trotzdem landete die Hürriyet nur auf Platz 68. Vergeben werden aber nur 50 Plätze. Özcan fand deutliche Worte, wie dieser Umgang mit der türkischen Presse empfunden wird: „Die deutsche Justiz scheint kein Interesse daran zu haben, dass wir aus erster Hand berichten können. OLG-Präsident Karl Huber hat mich im Vorfeld einmal mit dem warnenden Hinweis irritiert, es handele sich hier nun mal um ein deutsches Verfahren. Jetzt weiß ich, wie er das gemeint hat.“

Özcan verwies auf eine ähnliche Situation im Jahr 2007, als in Antalya der Deutsche Marco W. (17) wegen Vergewaltigung vor Gericht stand: „Der Andrang war gewaltig. Die türkische Justiz hat dennoch allen deutschen Pressevertretern die Möglichkeit gegeben, den Prozess zu verfolgen. Ich möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn wir die Reporter dort so behandelt hätten, wie man uns jetzt hier behandelt.“ Die NSU hat zehn rassistisch motivierte Morde begangen. Acht Opfer waren türkische oder türkisch-stämmige Bürger: „Da müssen wir doch wohl vertreten sein.“

Dorita Plange

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