Im Polizeigriff aus dem Zelt bugsiert

Kein Schmerzensgeld für Ordner-Opfer (47)

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Alfred R. ist enttäuscht über das Gerichtsurteil.

In den Wiesn-Zelten gilt eine eiserne Regel: In den Gängen darf nicht herumgestanden werden – aus Sicherheitsgründen.

Diese Regel darf auch mit Gewalt durchgesetzt werden – das hat das Amtsgericht München entschieden. Wiesn-Besucher Alfred R. (47) hatte einen Sicherheitsmitarbeiter auf Schmerzensgeld verklagt. Dieser hatte ihn per Polizeigriff aus dem Zelt geschafft. Dabei erlitt der Familienvater aus Deisenhausen einen Sehenausriss am Ringfinger – und musste sechs Wochen eine Schiene tragen.

Das Amtsgericht schmetterte die Klage von Alfred R. ab: Der Kläger habe keine Ansprüche auf Zahlung eines Schmerzensgeldes, da der Sicherheitsmitarbeiter berechtigt gewesen sei, ihn mittels Polizeigriff aus dem Wiesnzelt zu entfernen. Dem Beklagten sei das Hausrecht vom Wiesn-Wirt übertragen gewesen und zu dessen Durchsetzung habe der Security-Mann auch Gewalt anwenden dürfen, heißt es sinngemäß in der Urteilsbegründung.Kläger Alfred R. ist tief enttäuscht von dem Urteil: „Es ist ein Freibrief für alle Zelt-Ordner, rohe Gewalt anzuwenden“, sagt er zur tz. „Der Sicherheitsmann hat völlig überzogen gehandelt.“

Der Vorfall passierte bereits zum Oktoberfest 2006, in der ersten Wiesn-Woche, einem Freitag. Alfred R. hatte mit vier Arbeitskollegen am Vormittag einen Tisch in einem Wiesnzelt gefunden. Für 17 Uhr war der Tisch reserviert, die Fünf mussten gehen. „Zwei meiner Freunde hatten noch eine Viertel- Mass, die wollten sie im Gang fertig trinken. Ich selbst war nüchtern, weil ich sie mit dem Auto heimfahren musste“, erzählt Alfred R.

Es dauerte nicht lang und ein Ordner forderte die Schwaben auf, den Gang zu verlassen. „Wir haben niemanden behindert, sind aber trotzdem ein paar Meter weggegangen“, sagt Alfred R. Wenig später kam der Ordner wieder, forderte die Gruppe abermals auf, das Zelt zu verlassen. Alfred R.: „Da hab ich mit ihm diskutiert. Ein Fehler. Aber überall standen Gäste in den Gängen rum“.

Plötzlich habe ihn der Security-Mann von hinten gepackt, den Arm auf den Rücken gedreht und ihn mit dem Polizeigriff aus dem Zelt befördert, so R. „Es war verdammt schmerzhaft, mein Ringfinger war geschwollen und tat höllisch weh.“

Die Polizei kam, Alfred R. machte seine Aussage auf der Wiesn-Wache. „Währenddessen kamen etliche Besucher in die Wache und beschwerten sich ebenfalls über Zelt-Ordner“, erinnert sich der Lackierer. Karsten Schultz-Ninow, der Anwalt von Alfred R., hält das Urteil für einseitig: „Mein Mandant hat nichts getan, was kriminell war“.

Das Amtsgericht München jedoch glaubte der Version des Sicherheitsmitarbeiters: dass Alfred R. aggressiv war und auch nach mehrmaliger Aufforderung das Zelt nicht verlassen wollte. Der Polizeigriff sei berechtigt gewesen.

Quelle: tz

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