Kein Sex im Sperrgebiet für Behinderte

München - Wegen „erheblicher Sicherheitsbedenken“ hat die Aufsichtsbehörde den Vorstoß der Stadt abgelehnt, die Sperrbezirksverordnung für Menschen mit Behinderung zu lockern.

Im Juli hatte sich der Stadtrat gegen die Stimmen der CSU dafür ausgesprochen, Behinderte sollten auch im Sperrbezirk Besuch von Prostituierten empfangen dürfen. Lydia Dietrich (Grüne) hatte diesen Wunsch des Behindertenbeirats auf die Tagesordnung gebracht. Auf Wunsch des Kreisverwaltungsreferats wurde die Lockerung eng gefasst:

Nur für Einrichtungen der Behindertenhilfe (derzeit 57 stationäre Einrichtungen mit 1569 Plätzen sowie etwa zehn betreute Wohngruppen) solle sie gelten, nicht aber für Privatwohnungen. In diesem eng begrenzten Rahmen hält Münchens Ordnungs-Chef Wilfried Blume-Beyerle eine Lockerung für „sicherheitsrechtlich unbedenklich und in Anbetracht der besonderen Lebensumstände dieser Menschen geradezu geboten“. Die Regierung dagegen sieht die Gefahr, dass sich Bewohner nicht dagegen wehren könnten, wenn „Zuhälter und Prostituierte“ in ihre Heim kämen. Auf diese Weise werde Kriminalität in die Einrichtungen getragen. Man wisse sich hier einig mit der Polizei, teilte eine Sprecherin der Regierung mit. Vergeblich weist Wilfried Blume-Beyerle darauf hin, dass Problemen „jederzeit durch die Ausübung des Hausrechts“ begegnet werden könne.

„Unfassbar“ findet Lydia Dietrich das Nein

„Unfassbar“ findet Lydia Dietrich das Nein. Es sei „immer dasselbe mit den CSU-dominierten bayerischen Behörden“, zürnt sie: „Wenn sie nur das Wort ,Prostitution‘ hören, holen sie zuerst die Moralkeule und dann den Polizeiknüppel hervor.“ Hier werde behinderten Menschen das Selbstbestimmungsrecht abgesprochen. Die Menschen, um die es hier gehe, könnten nicht selbst in ein Etablissement außerhalb des Sperrbezirks fahren, so Dietrich. Sie hofft nun, „dass der Behindertenbeirat noch einmal auf den Putz haut“.

auch interessant

Meistgelesen

So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen
So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen
Das Sex-Rätsel um den Top-Manager
Das Sex-Rätsel um den Top-Manager
Kosten in Millionenhöhe: Jugendamt pfuscht bei Verträgen
Kosten in Millionenhöhe: Jugendamt pfuscht bei Verträgen

Kommentare