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Keine Gnade mit Betrügern! Diese Staatsanwältin jagt die Falschen Polizisten - „Unsere Botschaft an die Täter“

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Von: Andreas Thieme

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Staatsanwältin Anna Scherber jagt Falsche Polizisten
Staatsanwältin Anna Scherber jagt Falsche Polizisten © SIGI JANTZ

2,54 Millionen Euro Schaden verursachten Falsche Polizisten 2021 in München. Staatsanwältin Anna Scherber jagt die Täter - und hat bereits etliche hinter Gitter gebracht. Unserer Redaktion gibt die Top-Ermittlerin Einblicke in ihre Arbeit - und erklärt, wie Corona die Betrugstaten noch befeuert hat.

München - „Ich habe einen Abholer angeklagt, der später zu sechs Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt wurde“, sagt Staatsanwältin Anna Scherber über ihren größten Fall. Der Täter hatte vier Fahrer, manche Opfer „hatten wirklich alles verloren“. Der Gesamtschaden aus zwölf Taten lag bei 500 000 Euro. „Eine Seniorin wurde über Wochen hinweg drangsaliert“, sagt Scherber. „Ihr hatten die Täter sogar eine Schweigepflicht auferlegt. Die Opfer belastet das massiv, weil sie denken, die könnten mit niemandem über das Verbrechen reden.“

Auch die Komplizen mussten in diesem Fall in Haft: „Dabei spielt es keine Rolle, ob sie nur bei wenigen Taten dabei waren. Das ist unsere Botschaft an die Täter!“ Bei ihnen wurde auch Wertersatz angeordnet. Den Großteil des erbeuteten Geldes behalten die Abholer nicht, sondern geben es an die Hintermänner. „Das schützt sie aber nicht davor, dass sie das Geld zurückzahlen müssen.“ Zur Haft kommen also noch hohe Schulden...   

Neu ist seit einiger Zeit: Durch Corona schlossen sich nun sogar Arbeitslose den Callcenter-Banden an! Die Deren Bosse sitzen in der Türkei, aber die Abholer in München: Hier werden vor allem junge Leute angeworben - über Soziale Medien, aber auch am Hauptbahnhof oder in Shisha-Bars. Mittlerweile gibt es aber auch Abholer mit Ende 40. „Einer hatte durch Corona seinen Job verloren und dann richtig losgelegt“, sagt Staatsanwältin Katharina Stadler, mit der Scherber eine Abteilung leitet. Für zehn Taten musste er später mehr als fünf Jahre ins Gefängnis.

München: Banden locken mit der Aussicht auf schnelles Geld - bei Festnahme droht direkt Haft

Die Aussicht auf schnelles Geld gilt als Motiv Abholer. Mittlerweile aber auch längere Arbeitslosigkeit: „Da sind Täter vielleicht eher bereit, solch ein Risiko einzugehen“, sagt Staatsanwältin Anna Scherber. Die Corona-Zeit habe sich auch stark auf die Betrugs-Straftaten ausgewirkt. „Da waren einige Täter, die vorher zum Beispiel Kellner waren und dann ist dieser Job weggebrochen.“

Solche Personen seien anfälliger für das Werben von organisierten Callcenter-Banden, wenn deren Versprechen lautet: 500 Euro für zwei Stunden „Arbeit“. „Ich glaube, daher kommen auch die hohen Fallzahlen, die wir 2020 und 2021 zu verzeichnen hatten“, sagt Scherber. Opfer hatten in der Pandemie teils weniger Kontakte: „Auch Familien haben sich weniger gesehen, in der Isolation waren besonders hoch betagte Senioren anfälliger für betrügerische Anrufe.“ Chef-Ermittler Hans-Peter Chloupek stellt klar: „Die echte Polizei wird Bürger nie am Telefon auffordern, Geld herauszugeben.“ 

 

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