Keine Leiche, kein Geständnis, trotzdem U-Haft

Verschwundene Aline: Das spricht alles gegen ihren Freund

+
Michael Probst sitzt wegen des dringenden Mordverdachts in U-Haft. Von Aline Körner fehlt seit 8. Oktober jede Spur.

München - Michael Probst steht unter dem dringenden Tatverdacht, seine Lebensgefährtin Aline Körner ermordet zu haben. Keine Leiche, kein Geständnis - aber vieles spricht gegen ihn!

Mit vollem Namen und Foto bittet die Münchner Mordkommission seit Mittwoch um Hinweise auf den Security-Mann Michael Probst (29), der unter dem dringenden Tatverdacht steht, seine Lebensgefährtin Aline Körner (30) ermordet zu haben. Nach seiner Darstellung war die junge Frau nach einem Streit am Abend des 8. Oktober um 23.20 Uhr aus der gemeinsamen Wohnung in der Kafkastraße (Neuperlach) gestürmt. Seitdem fehlt von ihr jede Spur. In den Stunden danach benahm sich Michael Probst jedoch so seltsam, dass er sofort in den Fokus der Ermittlungen geriet (tz berichtete). Er sitzt unter Mordverdacht in U-Haft – und schweigt. Das alles spricht gegen ihn:

Seine Eifersucht: Aline Körner und Michael Probst waren seit zwölf Jahren ein Paar. Bereits 2009 stand die Beziehung auf der Kippe, weil es in Alines Leben einen neuen Mann gegeben haben soll. Nach tz-Informationen spielte der eifersüchtige Probst damals auf das Handy seiner Freundin heimlich eine Ortungssoftware auf und überwachte sie fortan. Auch jetzt soll ein anderer Mann der Auslöser für den Zoff gewesen sein.

Michael Probsts Ford Mondeo: Der Wagen wurde sichergestellt und wird zur Zeit von Kriminaltechnikern auf Spuren untersucht.

Seine Fahrt zum See:Nach dem Streit fuhr Michael Probst in seinem silbernen Ford Mondeo Kombi mit dem Kennzeichen M – MA 8685 nach Gröbenzell zu einem Freund. Er kam um 0.44 Uhr an – und blieb bis 1.45 Uhr. Anhand der Handydaten geht die Kripo allerdings davon aus, dass er danach nicht heimfuhr, sondern einen See im Münchner Westen ansteuerte – mit der toten Aline im Kofferraum? Trotz mehrfacher Absuchen wurde keine Leiche gefunden.

Die SMS: Als Aline die Wohnung verließ, nahm sie angeblich Handtasche, Handy und EC-Karte mit. Die Tasche wurde am nächsten Tag mittags am Parkplatz des Einkaufszentrums Schlüter-Hallen in Freising von einem Passanten gefunden. Aber: Laut Ortung befand sich Alines Handy noch am Morgen nach ihrem Verschwinden in der Wohnung des Paares. Von diesem Handy wurden mehrere SMS („Ich liebe dich, halte zu mir“) an Probsts Handy geschickt. Die Polizei geht davon aus, dass er sich diese selbst schrieb.

Ihre Bankkarte:Bei der Polizei gab Michael Probst an, dass die EC-Karte seiner Freundin verschwunden sei. Bei seiner Festnahme fanden die Ermittler die Karte dann aber in seinem Rucksack. Am Tag nach Alines Verschwinden waren damit noch Kontoauszüge abgeholt worden.

Die falschen Fährten:Erst vier Tage nach dem Streit meldete Probst seine Lebensgefährtin vermisst. Alines Freundin musste ihn dazu erst drängen. Nutzte Michael Probst die Zeit dazwischen, um falsche Fährten zu legen? Der Verdacht liegt nahe: Hätte der ehrliche Zeuge Handtasche und Handy nicht sofort abgegeben, wäre ein Unschuldiger unter Verdacht geraten. Und: Zwei Stunden bevor die Tasche gefunden wurde, war Probst laut Handyauswertung Richtung Freising gefahren.

Im 5. Stock dieses Hauses lebte das Paar.

Die Umzugskisten:Als die Mordkommission ihn Dienstag früh in der Wohnung in der Kafkastraße festnahm, standen schon gepackte Kisten herum. Offensichtlich wollte Probst ausziehen – weil er wusste, dass Aline nie mehr zurückkommen würde? Staatsanwaltschaft und Polizei gehen davon aus, dass Aline Körner in der Wohnung erwürgt oder erdrosselt wurde. Denn in der ganzen Wohnung fand sich kein Tropfen Blut.

Entsetzen in der Nachbarschaft

Die Polizei vermutet, dass hinter dieser Wohnungstür in Neuperlach der Beziehungsstreit eskalierte.

Sie lebten Tür an Tür mit dem dringend tatverdächtigen Lebensgefährten der seit rund drei Wochen vermissten Aline Körner (30). In der tz sprechen zwei entsetzte Nachbarn von Michael Probst (29). Wer ist der Mann, der seit Dienstagabend in Untersuchungshaft sitzt? Von seiner Freundin fehlt nach einem Beziehungsstreit in der gemeinsamen Wohnung in der Kafkastraße in Neuperlach seit dem Abend des 8. Oktober jede Spur.

„Ich habe die beiden mehrmals zusammen mit ihrem Husky spazieren gehen sehen“, erzählt Torsten H. (45, Name geändert). „Dass in der Beziehung etwas nicht stimmt oder dass es gar zu einem Verbrechen kommen würde, war für mich nicht abzusehen.“ Der Elektriker beschreibt Probst als „ruhig und verschlossen“. H. wundert sich: „Ich war an dem Abend, an dem Aline verschwunden sein soll, sogar daheim.“ Von einem Streit oder gar körperlichen Übergriffen hat der Nachbar aber nichts mitbekommen. „Alles war ruhig, sowas würde man doch hören.“ War Aline Körner da vielleicht schon tot?

„Eine furchtbare Vorstellung, sollte das alles wirklich so passiert sein“, sagt ein fassungsloser Rentner, der gegenüber wohnt. „Ich kenne aber keinen persönlich. Deshalb möchte ich mir kein Urteil erlauben.“

Johannes Heininger, Sebastian Arbinger, Dorita Plange

auch interessant

Meistgelesen

Kommentare