Witwe muss um Ansprüche kämpfen

Trotz 20 Jahren Beziehung: Keine Rente ohne Heirat

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Dietmar Gaiser mit Witwe Lily Marx, die ein Bild von sich mit ihrem Mann zeigt.

München - Lily Marx und ihr Mann lebten 20 Jahre ohne Trauschein zusammen. Dann heiratete das Paar doch noch. Kurz darauf verstarb der Mann. Nun kämpft die 54-Jährige verzweifelt um ihren Anspruch auf Witwenrente.

Ich kämpfe um meine Rente und weiß nicht mehr weiter. Mein Mann und ich lebten über 20 Jahre zusammen. Allerdings waren wir nicht verheiratet. Als wir dann heirateten, starb er leider wenige Monate später. Da mein Mann beim Bayerischen Sparkassenverband beschäftigt war, dachte ich, nun bekäme ich eine Witwenrente. Aber leider ist das nicht der Fall. Dort argumentiert man, bei der Heirat habe es sich um eine sogenannte Versorgungsehe gehandelt und ich müsse nachweisen, dass wir mehr als 20 Jahre wie ein Ehepaar zusammengelebt hätten. Aber wie soll ich das machen?

Lily Marx (54), Witwe aus Augsburg

Als wir beim Sparkassenverband Bayern anriefen, erinnerte man sich dort noch gut an den Mann von Lily Marx und die Pressestelle des Verbandes setzte alle Hebel in Bewegung, um seiner Witwe zu helfen. Eva Mang, die Leiterin der Pressestelle, setzte sich mit den entsprechenden Abteilungen in Verbindung und kam zu folgendem Ergebnis: „Wir stehen der Sache sehr wohlwollend gegenüber, aber nun ist die Kreativität von Frau Marx gefordert. Sie muss Unterlagen beibringen, die belegen, dass das spätere Ehepaar Marx schon seit 20 Jahren wie Ehemann und Ehefrau zusammengelebt haben.“

Möglichkeiten, das zu belegen, wären beispielsweise ein gemeinsamer Mietvertrag, gemeinsame Kaufverträge, Versicherungen, bei denen sich die beiden gegenseitig als Begünstigte eingesetzt haben, Meldebestätigungen, die belegen, dass sie zusammenwohnten, der Beleg für eine gemeinsame Postadresse und Belege für gemeinsam verbrachte Urlaube.

Als wir das Lily Marx mitteilten, atmete sie auf: „Natürlich kann ich solche Belege besorgen. Außerdem scheint auch die gesetzliche Rentenversicherung davon auszugehen, dass es sich bei unserer Heirat nicht um eine Versorgungsehe gehandelt hat. Man forderte von mir nämlich ein ärztliches Zeugnis, dass mein Mann gesund und der plötzliche Tod nicht vorhersehbar war. Dieses Zeugnis habe ich beigebracht.“

Als wir das der Pressesprecherin des Sparkassenverbandes mitteilten, atmete sie auf: „Natürlich wäre für eine Rente von uns das beste Argument die Bewilligung der gesetzlichen Witwenrente.“

Lily Marx schaut nun wieder beruhigter in ihre Zukunft: „Dank des Bürgeranwaltes sehe ich jetzt eine Chance für meine Rente. Ich bin ihm sehr dankbar.“

tz

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