Oliver Blume hilft in Krisengebieten

Münchner Kieferchirurg schenkt Kindern eine Zukunft

Ob sie weiß, dass sie Bayern-Fan ist? Oliver Blume mit der kleinen Esperance. Die Trikots sind eine Spende von adidas – und bei Ostafrikanern, die Fußball lieben, sehr begehrt.

Seit 20 Jahren fliegt Oliver Blume in die Krisengebiete dieser Welt, um Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten zu operieren. Der Münchner Kieferchirurg schenkt den kleinen Patienten damit ein neues Leben.

Viele Kinder hätten nur eine geringe Lebenserwartung mit dieser Fehlbildung. Die Freude und Dankbarkeit der Eltern sind sein Lohn.

Zwei Jahrzehnte ist es her, als der Münchner Arzt Oliver Blume von dem plastischen Chirurgen Heinz Schöneich angesprochen wurde. „Heinz wollte wissen, ob ich mir vorstellen kann, Kinder in Gebieten zu operieren, wo eigentlich keiner hin will. In Länder, in denen HIV ein großes Thema ist und wo Hungersnot, Bürgerkrieg und Vulkanausbrüche und große Armut an der Tagesordnung sind“, erinnert sich der 53-Jährige. Oliver Blume wollte, und sein erster Einsatz führte ihn nach Ostafrika – nach Uganda.

Seit 18 Jahren arbeitet Blume mit Anästhesist Emmanuel Munyarugero zusammen. Sein Spitzname: „Dr. Emma“.

Gaumenspalten an Lippen und Kiefer sind schon in Europa keine Seltenheit. Eines von 600 Kindern kommt damit zur Welt. In einer Welt, in der die Medizin parat steht. In Afrika können sich Eltern eine Operation meist nicht leisten. 250 Euro kostet sie im Schnitt. Für einen zweiwöchigen Aufenthalt, bei dem Oliver Blume rund 50 Kinder operiert, benötigt er 20 000 Euro, um alle Kosten zu decken. Lippen-Kiefer-Gaumenspalten – im Volksmund bei schweren Fällen auch Wolfsrachen genannt – entstehen zwischen der sechsten und achten Schwangerschaftswoche. Vitaminmängel, Vererbung, Inzucht und Unterernährung sind meist die Gründe für diese Fehlbildung.

Die kleine Shadia vor dem Eingriff.

Der Münchner Kieferchirurg will in Afrika nicht nur operieren, sondern auch Hilfe zur Selbsthilfe leisten und die Ärzte vor Ort ausbilden, sein Wissen weitergeben. Nachhaltigkeit, die sich bezahlt macht. „Heute kann ich auf einheimische Ärzte zurückgreifen und habe ein versiertes Team um mich herum“, sagt Blume. Nur er selbst und Gunther Au-Balbach, ein deutscher Kollege, fliegen nach Afrika. Krankenschwestern, Anästhesisten und Helfer kommen aus dem Land selbst. Blume suchte sich eine universitäre Anbindung in Uganda und bildete als Gastdozent zahlreiche Ärzte aus.

Shadia nach dem Eingriff durch Oliver Blume. Ihre Mutter ist erst 14 Jahre alt.

Seit 20 Jahren fliegt der vierfache Vater ein bis zwei Mal jährlich in den Osten Afrikas. 14 Tage lang steht er dann mehr als zwölf Stunden täglich im OP-Saal. „Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte haben eine geringe Lebenserwartung, da sie oft nicht einmal gestillt werden können“, sagt Blume. „Viele haben eine so große Spalte, dass sie nur schlecht Nahrung aufnehmen können. Die Operation verbessert nicht nur die Lebenserwartung, sie gibt den Kindern auch die Möglichkeit, am Leben aktiv teilzunehmen. „Die Familien kommen in abgerissener Kleidung, viele haben nicht einmal Schuhe an. Sie könnten sich eine solche Operation niemals leisten!“ Mittlerweile arbeitet Oliver Blume für den Verein „Deutsche Cleft Kinderhilfe“, die sogar die Kosten für Unterkunft und den Transport aus ferngelegenen Dörfern übernimmt.

Vor einigen Wochen kam Blume von einem Einsatz in Burundi zurück. Dort unterhält die Deutsche Verena Stamm eine Schule mit angeschlossenem Krankenhaus, in dem das Ärzteteam arbeiten darf. „Der Cleft-Verein hat dort einen OP-Saal eingerichtet, in dem wir optimal arbeiten können“, sagt Blume. In den vergangenen drei Jahren konnte das Team dort aufgrund der schwierigen politischen Lage nicht operieren. „Wir haben viele kleine Patienten nach Uganda bringen lassen, um sie dort in Sicherheit behandeln zu können.“

Bei seinem Einsatz im Februar in Burundi musste er gar um sein eigenes Leben bangen. „Wir wurden ausgeraubt und eine Granate ist in unserer Nähe explodiert. Die Lage dort war alles andere als entspannt“, berichtet Oliver Blume. iPad, Kopflampe, Geldbörse und Fotoausrüstung ließen die Diebe mitgehen. „Ich mache weiter!“, sagt der Kieferchirurg trotz allem.

Blume arbeitet rein ehrenamtlich, sammelt sogar mit einem Charity-Tennis-Turnier und Vorträgen selbst Mittel für seine Einsätze in Afrika. „Wir sind auf Spenden angewiesen. Immerhin entstehen in zwei Wochen Kosten in Höhe von rund 20 000 Euro.“ Seine Frau Anna hat großes Verständnis. „Sie weiß, dass mir diese Arbeit sehr wichtig ist, und dass ich das für mein Seelenheil brauche.“

Die Patienten werden mittels Radio, Zeitung und Boten, die in die Dörfer gehen, über die Arbeit des Ärzteteams informiert. Wenn die Operationen anstehen, kommen auch Menschen mit anderen Beschwerden und hoffen auf Hilfe. Aber Blumes Team ist spezialisiert. „Die Patienten mit anderen Beschwerden müssen wir leider abweisen“, sagt der Arzt traurig. Auch die Zukunft seiner Patienten lässt den Chirurgen nicht los. Für ein zwölfjähriges Mädchen suchte er nach der Operation einen Platz in der Stadt, wo sie lesen und schreiben lernen konnte. „Jetzt hat sie eine gute Perspektive“, freut sich Blume.

Sein soziales Engagement führt der 53-Jährige auch in seiner eigenen Praxis in München mit seinem Partner Michael Back fort. „Wir helfen wo wir können, operieren auch Asylbewerber. Das treibt uns an, denn es ist schon etwas anderes, ob man Menschen hilft, denen es gut geht, wie den meisten Deutschen – oder Menschen, denen es nicht nur an Geld, sondern auch an einer sozialer Stellung mangelt.“

Das Schönste aber ist für Oliver Blume, wenn er nach der Operation ein gesundes Kind an seine afrikanischen Eltern übergeben kann. „Die Freude der Eltern ist überwältigend“, sagt er strahlend. „Es gibt keine schönere Wertschätzung!“

Kathrin Suda

Spendenkonto

Wer die Arbeit der Deutschen Cleft Kinderhilfe unterstützen will, kann spenden.

IBAN: DE46 2512 0510 0008 4842 00.

Mehr Informationen unter www.spaltkinder.org

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