Kiesselbach-Platz: Halbzeit auf der Mega-Baustelle

München - Seit dreieinhalb Jahren wird am dritten Ringtunnel rund um den Luise-Kiesselbach-Platz gebaut. Damit nähert sich das Mammut-Projekt der Halbzeit. Vereinzelt ist bereits erahnbar, dass ab Ende 2015 die Fahrzeuge hier unterirdisch unterwegs sein sollen.

„Tunnelbaumaßnahme Mittlerer Ring Südwest“ heißt die Baustelle offiziell. So lang wie sein Titel, so langwierig ist auch die Umsetzung des Großprojektes. Gut acht Jahre sind für den Tunnelbau veranschlagt. „Bislang liegen wir voll im Zeitplan“, sagt Johann Wittmann, Projektleiter der Stadt vor Ort. „Auch der Winter lief für uns normal.“ Zwar gebe es regelmäßig kleinere Änderungen im Ablaufplan, was bei einer 2,8 Kilometer langen Baustelle aber nicht überrascht. „Ein wirklich großes, unerwartetes Problem ist bislang aber noch nicht aufgetreten“, sagt Wittmann zufrieden.

Luftbilder vom Luise-Kiesselbach-Platz

Luise-Kiesselbach-Platz: Bilder von der Tunnelbaustelle

Schon im Oktober 2007 war damit begonnen worden, die ersten Kanäle im Stadtbezirk Sendling-Westpark neu zu verlegen. Seit September 2009 läuft der eigentliche Tunnelbau. Seither sind die Fahrbahnen der Garmischer Straße, der Heckenstallerstraße und rund um den Luise-Kiesselbach-Platz wild verschwenkt. Dazwischen schuften Bauarbeiter mit schweren Gerätschaften. Inzwischen ist an einigen Stellen bereits die künftige Tunneldecke gegossen, unter der anschließend das Erdreich herausgeholt und der eigentliche Tunnel gegraben wird (sogenannte Deckelbauweise). Der Fortschritt in den fünf Bausegmenten ist unterschiedlich. Hier ein aktueller Überblick, von Norden nach Süden.

Segment A: Der Tunnel unter der Garmischer Straße wird im Bereich des Westparks in beiden Richtungen an die Lindauer Autobahn (A96) angeschlossen. Die Seitenwände des Tunnels sind hier am nördlichen Ende bereits fertig. „Schon vor etlichen Wochen wurde begonnen, die künftige Tunneldecke zu gießen“, erklärt der Koordinator der städtischen Baustellen, Richard Bartl. Von der Westparkbrücke aus ist dies gut zu sehen. „Außerdem werden derzeit die Rampenwände für die Ein- und Ausfahrtportale errichtet“, sagt Bartl.

Segment B und C: In diesem Bereich wird der Verkehr des Mittleren Rings künftig komplett unterirdisch fließen. Am Luise-Kiesselbach-Platz ist derzeit eine große, offene Baugrube. Hier wird die Garmischer Autobahn (A95) mit Seitenarmen an den Haupttunnel angeschlossen. „Die Ein- und Ausfahrtsrampen sind gerade im Entstehen“, erklärt Bartl. In den vergangenen Tagen wurde hierfür ein neuer Kran aufgebaut. In das derzeitige Baufeld muss viel Arbeit gesteckt werden, weshalb sich für den Verkehr auf absehbare Zeit nichts verändern wird. Bartl: „Neue Straßenführungen sind hier in den nächsten Monaten nicht geplant.“

Segment D und E: Auf der Heckenstallerstraße hingegen erwarten die Autofahrer ab kommender Woche erhebliche Veränderungen. Im Kreuzungsbereich mit der Passauerstraße wird in Richtung Osten der Verkehr bald auf der dortige Brücke über die Passauerstraße geführt. Die Gegenrichtung – also nach Westen – ist davon vorerst nicht betroffen. Für den nach oben offenen Abschnitt zwischen Murnauer und Höglwörther Straße werden derzeit die südlichen Seitenwände in die Erde gerammt.

Der weitere Zeitplan: In den kommenden zwei Jahren werden weiter Bohrpfahlwände und die Tunneldecken hergestellt. Parallel dazu erfolgt der Erdaushub unter dem Tunneldeckel. Zudem wird mit dem Innenausbau begonnen. Voraussichtlich Ende 2013 sollen diese Rohbauarbeiten alle abgeschlossen sein. Der technische Innenausbau beginnt abschnittsweise bereits ab 2013. In der zweiten Jahreshälfte 2015, nach gut acht Jahren Gesamtbauzeit, soll der Tunnel dann für den Verkehr freigegeben werden. Im Anschluss werden die Oberflächen wiederhergestellt und der künftige Heckenstallerpark gestaltet. Hierfür sind weitere zweieinhalb Jahre kalkuliert. Ende 2017 sollen dann die letzten Bautrupps abgezogen sein.

Was der Tunnel bringt: Über die Garmischer Straße fahren der Stadt zufolge derzeit täglich etwa 100 000 Autos. Wenn die Röhre fertig ist, soll sich der oberirdische Verkehr auf etwa 5000 Fahrzeuge verringern. Der Luise-Kiesselbach-Platz wird derzeit von 120 000 Fahrzeugen pro Tag befahren. Nach Fertigstellung des Tunnels wird an der Oberfläche diese Belastung auf zirka 40 000 Fahrzeuge pro Tag zurückgehen. In der auf Tunnelniveau offen geführten Heckenstallerstraße fahren nach Berechnungen von Verkehrsexperten künftig 107 000 Fahrzeuge pro Tag (heute 90 000). Die Oberfläche zwischen Höglwörther Straße und Passauerstraße wird dafür künftig komplett verkehrsfrei sein.

Sven Rieber

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